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Seit einem Monat kaum mehr RegenErlebt die Schweiz den nächsten Dürre-Sommer?

Die Böden sind momentan trocken, Niederschläge sind kaum in Sicht. Laut Experten deutet einiges auf ein weiteres Dürrejahr nach 2018 hin.

Ausgetrocknet: Kartoffelacker im Jahr 2018 bei Zeiningen im Kanton Aargau.
(Keystone/Gaetan Bally/Juni 2018)

Es ist das Gesprächsthema Nummer eins neben Covid-19, zumindest unter Hobbygärtnern und Personen, die in der Landwirtschaft arbeiten: die Trockenheit. So herrscht in vielen Teilen der Schweiz Waldbrandgefahr. Bereits seit dem 25. März gilt im Kanton Graubünden ein generelles Feuerverbot, ebenfalls im Tessin. Im Süden des Kantons St. Gallen sowie im Kanton Glarus darf kein Feuer in der Nähe des Waldes sowie in Wäldern entfacht werden. In den letzten Tagen kam es in verschiedenen Teilen der Schweiz zu kleineren Flur- und Waldbränden, auch an Ostern.

Schuld an den trockenen Böden sind nicht nur der seit knapp einem Monat meist ausgebliebene Regen sowie Sonne und Wärme, sondern auch die Bise. Im ersten Quartal 2020 waren die Regenmengen zwar nur leicht unterdurchschnittlich, wie SRF Meteo am Sonntag schrieb. Ab der zweiten Märzwoche habe es aber seither keinen oder kaum mehr Regen gegeben. Lokal seien am 29. und 30. März noch rund 5 Millimeter Niederschlag gefallen. Seither sei es komplett trocken.

Fischsterben und Ertragsausfälle

«Gerade jetzt in der eigentlichen Vegetationsphase fehlt das Wasser völlig», hält SRF Meteo in der Mitteilung fest. In den Bergen liegt zudem wenig Schnee. «Die Anzeichen mehren sich, dass es im Sommer zu einer grossen Trockenheit wie 2018 kommen könnte», schreibt die «NZZ am Sonntag». Das Jahr gilt als das wärmste seit 1864.

Damals kam es in der Schweiz zu grossem Fischesterben in Fliessgewässern, zudem bestand ein weitgehendes Feuerverbot, am 1. August durfte kein Feuerwerk gezündet werden und für Landwirte galt teilweise ein Wasserentnahmeverbot aus Gewässern, was zu Ertragsausfällen führte. «Die Disposition, in eine Trockenheit hineinzurutschen, ist gegeben», sagte Massimiliano Zappa, Leiter Hydrologische Vorhersagen an der eidgenössischen Forschungsanstalt WSL zur Zeitung. Bereits jetzt seien die Pegelstände einiger Flüsse tiefer als üblich.

Regen wäre ein Segen

Grosse Niederschläge sind für nächste Woche keine in Sicht. «In der Nacht auf Dienstag kann es entlang der Berge etwas Regen geben», sagt Roger Perret von Meteonews zu 20 Minuten. «Aber das ist nur ein Tropfen auf den heissen Stein.» Im Flachland sei sowieso kein Regen zu erwarten, wohl die ganze nächste Woche nicht. Die Waldbrandgefahr bleibt bestehen und dürfte sich teilweise sogar noch verschärfen.

Auch wenn es noch früh sei für eine Prognose, gibt es laut Perret doch Hinweise darauf, dass das Jahr trocken werden könnte: «Es waren dieses Jahr bereits früh Hochdrucklagen zu beobachten.»

Für die Landwirtschaft könnte 2020 ein herausforderndes Jahr werden. «Vor allem, wenn es in den nächsten zwei, drei Wochen nicht zu nennenswerten Niederschlägen kommt», so der Meteorologe. Zudem müssten die Niederschläge zünftig sein: «10 bis 50 Liter pro Quadratmeter wären sehr willkommen.»

Kommt es nicht dazu, würde sich die Situation weiter verschärfen, vor allem für die frühen Kulturen. «Spargel- und Erdbeerfelder werden jetzt schon teilweise bewässert», so Perret. «Zünftiger Regen wäre ein Segen für Landwirtschaft und Natur.» Doch leider ist dieser weder kurz- noch mittelfristig in Sicht.

Die angenehmen Seiten bei hohen Temperaturen und Trockenheit: Badespass in Pully am Genfersee. 
(Keystone/Laurent Gillieron/August 2018)

SDA

58 Kommentare
    Cardinaux Edouard

    Corona, Dürre und Bienensterben. Die Natur schlägt zurück und wir verdienen es nicht anders nach all dem was wir diesem Planeten angetan und zugemutet haben. Fertig mit Spass Gesellschaft jetzt wird es ernst. Fertig mit Massentourismus und Wachstum ohne Ende. Zeit auf die Welt zu kommen und zu handeln.