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AnalyseDer Umbruch steht Wacker gut an

Mindestens drei wichtige Spieler verlassen die Thuner nach der Saison. Das ist nicht annähernd das Debakel, für das es einige halten.

Augen zu – und durch: Nicolas Suter legt sich mit gleich zwei Gegenspielern an.
Augen zu – und durch: Nicolas Suter legt sich mit gleich zwei Gegenspielern an.
Bild: Christian Pfander

Es klingt, als steckten sie in grossen Schwierigkeiten. Thomas Lanz, Phillip Holm sowie Nicolas Suter und damit drei Leistungsträger verlieren die Thuner im Sommer. Die Stammspieler erzielten am Samstag beim 29:22-Sieg über Suhr je fünf Tore und waren damit addiert für mehr als die Hälfte aller Wacker-Treffer besorgt.

Möglicherweise werden weitere wichtige Kräfte die Berner Oberländer verlassen. Bloss drei Aufbauer besitzen einen Vertrag über die Saison hinaus. Gewöhnlich beschäftigt ein Club sieben Rückraumakteure. Und die überwiegende Mehrheit der Konkurrenz hat die Planung für die mittelfristige Zukunft längst abgeschlossen. Es dürfte demnach schwierig werden, Leute zu finden, welche die Mannschaft verstärken.

Anders als 2018 hat der Club nicht viel zu verlieren.

Was geschieht da gerade mit den Thunern?

Ihnen steht ein weiterer Umbruch bevor, nachdem sie 2018 bereits die Abgänge von vier zentralen Figuren verkraften mussten. Das aber ist nicht die Tragödie, für die sie im Umfeld teils gehalten wird.

Zunächst mal: Wacker spielt im Grunde eine enttäuschende Saison. Der Vorsprung auf Platz sieben beträgt zwei Punkte. Im Cup schied Martin Rubins Team im Viertelfinal aus. Im Europapokal resultierten in zwei Partien zwei Niederlagen. Anders als 2018 hat der Club nicht viel zu verlieren. Zumal er sich vor Vereinen wie Basel, GC, Endingen und Baden, das unter Umständen aufsteigt, weiterhin nicht zu fürchten braucht – dazu ist er unverändert viel zu gut aufgestellt.

Lanz ist einer der besten Flügelspieler in der Liga. Aber er wird von Luca Linder, welcher am Samstag nach langer Verletzungspause sein Comeback gab, dabei einen starken Eindruck hinterliess, und dem aufstrebenden Nino Gruber adäquat ersetzt werden. Holm ist ausgesprochen vielseitig und sehr solide – aber nie der «Ausländer» gewesen, der das Level der Equipe entscheidend angehoben hat.

Wacker muss spielstärker werden. Dabei kommt der Umbruch nicht ungelegen.

Ins Gewicht fallen wird der Abgang Suters. Er ist mehr als lediglich Stammspieler. Er ist: der Wortführer, der Mann, der vorangeht, der Regisseur und aktueller Topskorer.

Doch gerade in diesem Fall ist die Trennung, die erfolgt, eine Chance – so abgedroschen das klingen mag. Der Aargauer prägt das Spiel sehr, vieles konzentriert sich auf ihn. Er darf selbst dann auf dem Feld bleiben, wenn er seine Leistung nicht abzurufen vermag.

Suter ist ein formidabler Zweikämpfer und in der Lage, im Alleingang Tore zu werfen – was er oft tut. Aber gerade wenn er mit dem ähnlich veranlagten Damien Guignet auf dem Feld steht – und das ist häufig der Fall –, ist das Spiel sehr berechenbar, weil der Abschluss fast immer das Resultat einer Einzelleistung ist. In einigen Begegnungen ist das erfolgreich. Aber wenn sich der Gegner darauf einstellt, hat Wacker ein Problem. Und vor allen Dingen: Es ist nicht besonders schön anzusehen.

Wacker muss spielstärker werden. Dabei kommt der Umbruch nicht ungelegen. Angestrebt werden muss die Rückkehr Lukas von Deschwandens, wenngleich dieser in Chambéry theoretisch bis im Sommer 2021 in der Pflicht steht. Der mehrmalige MVP der hiesigen Liga ist im Ausland wegen vieler Ausfälle bislang nicht glücklich geworden – und auch schon 30-jährig.

Im für sie idealen Fall gehen die Thuner also mit jemandem in die Zukunft, der die so erfolgreiche Vergangenheit verkörpert.