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Frankreichs Justizminister Der wortgewaltige Gassenhauer

Eric Dupond-Moretti ist so beliebt, dass er sein eigenes Theaterstück hat. Doch als Justizminister wird er vor allem mit seinen Feinden zu tun haben. Dazu zählen die Feministinnen.

Sobald er im Fernsehen spricht, erhöhen sich die Einschaltquoten: Eric Dupond-Moretti leitet jetzt das französische Justizministerium.
Sobald er im Fernsehen spricht, erhöhen sich die Einschaltquoten: Eric Dupond-Moretti leitet jetzt das französische Justizministerium.
Foto: Francois Mori (Keystone)

Wäre die Regierungsbank das Sofa einer Talksendung, wäre Emmanuel Macron der Erfolg in den kommenden zwei Jahren seiner Amtszeit sicher. Frankreichs Präsident ist es gelungen, den Anwalt Eric Dupond-Moretti als neuen Justizminister zu präsentieren. Und Dupond-Moretti ist so etwas wie ein juristischer Gassenhauer im Land. Jeder kennt ihn. Sobald er im Fernsehen spricht, erhöhen sich die Einschaltquoten. So beliebt ist er, dass er inzwischen sein eigenes Theaterstück hat.

Seit Anfang 2019 erzählt der 59-Jährige auf der Bühne des Théâtre de la Madeleine von seiner Kindheit und davon, wie und warum er Anwalt geworden ist. Die Vorstellungen sind Monate im Voraus ausverkauft. Nach Dupond-Morettis Ernennung zum Justizminister zog der«Figaro» sofort die Parallele zum bislang vermutlich wortgewaltigsten Amtsinhaber: Georges Danton, Justizminister in Frankreichs Erster Republik vom 10. August 1792 bis zum 9. Oktober 1792.

Widerspruch und grosse Worte

Wenn man Dupond-Morettis Auftritte sieht, ob vor Kameras, Richtern oder Theaterbesuchern, kann man sich problemlos vorstellen, dass ihm einmal dasselbe widerfahren könnte wie Danton. Nein, kein Ende unter der Guillotine. Sondern die Verfilmung seiner Biografie mit Gérard Depardieu in der Hauptrolle. Allein seine Antrittsrede am Dienstag. Andere Politiker mögen sich kerzengerade hinstellen, damit keiner ihr Rückgrat übersieht. Dupond-Moretti stellt sich bucklig ans Pult und sinniert, dass er die Justiz «intim, menschlich», ja «sogar fleischlich» kenne.

Die hohe Bekanntheit des Anwalts erklärt sich dadurch, dass ihn die Medien lieben, was wiederum daher kommt, dass Dupond-Moretti Streit, Widerspruch und grosse Worte liebt. Und spektakuläre Klienten. In den mehr als 30 Jahren, in denen er als Verteidiger arbeitet, hat er Mafiabosse, bekannte Politiker, Professoren und den Bruder des Terroristen Mohamed Merah verteidigt (Mohamed Merah tötete 2012 in Toulouse sieben Menschen, darunter drei Kinder). Dupond-Moretti gehört zu den Menschen, die in der Rolle des Tabubrechers omnipräsent sind und gleichzeitig leidenschaftlich darüber schimpfen, dass man nichts mehr sagen dürfe. Er habe «seine Schwierigkeiten mit der heutigen hypermoralischen Gesellschaft», sagt Dupond-Moretti.

Feministische Aktivistinnen protestieren in Paris gegen die Ernennung des neuen Justizministers.
Feministische Aktivistinnen protestieren in Paris gegen die Ernennung des neuen Justizministers.
Foto: Julien de Rosa (Keystone)

Tatsächlich haben auch viele Schwierigkeiten mit Dupond-Moretti. Sowohl viele französische Richter als auch feministische Verbände sind schockiert von seinem Eintritt in die Regierung. Die wichtigste Gewerkschaft der Richter und Staatsanwälte, Berufsgruppen, denen Dupond-Moretti höflich gesagt kritisch begegnet, nennt seine Ernennung «eine Kriegserklärung». Die frühere sozialistische Ministerin für Frauenrechte, Laurence Rossignol, spricht von einer «Ohrfeige für alle, die gegen sexuelle Gewalt kämpfen». Dupond-Moretti macht keinen Hehl aus seiner Ablehnung der «Me Too»-Bewegung. Feministinnen protestieren nun nicht nur gegen die Ernennung Dupond-Morettis, sondern auch gegen die Berufung Gérald Darmanins zum Innenminister. Gegen Darmanin wird ermittelt; eine Frau wirft ihm vor, sie 2009 vergewaltigt und belästigt zu haben.

«Ein Ministerium des Antirassismus»

Zu Dupond-Morettis erklärten Feinden gehört auch Marine Le Pen. Der Anwalt hatte sich gegen ihre rechtsextreme Partei eingesetzt. Le Pen schrieb am Montag auf Twitter, Frankreich habe nun einen «linksextremen» Justizminister, der «Frankreichs wichtigste Oppositionspartei verbieten lassen» wolle.

Man kann es auch als Hieb gegen Le Pen verstehen, dass Dupond-Moretti bei seiner Antrittsrede erklärte, sein Ministerium werde «ein Ministerium des Antirassismus» werden. Der neue Minister bezog sich dabei auch auf seine eigene Prägung und erzählte von seiner Mutter, «die vor der Misere in dieses grosse Land geflohen ist». Dupond-Morettis Mutter ist eine aus Italien stammende Putzfrau, sie zog ihren Sohn, nach dem frühen Tod des Vaters allein auf.

4 Kommentare
    Markus Moreno

    Herr Eric Dupont-Moretti (EDM) wurde vor einiger Zeit am TV gefragt, ob er je Minister werden möchte. Niemals sagte er. Und jetzt hat er den Salat! Ihn erwarten folgende Schwierigkeiten:

    - eine Richterschaft, die er jahrzehntelang angegriffen hat und die ihn nicht ausstehen kann; so sagte er, er habe mehr Vertrauen in die französische Küche als in die Justiz;

    - er ist ein begnadeter Redner. Ob er auch ein guter Manager sein wird, ist fraglich;

    - er ist ein völliger Einzelgänger. Es wird schwierig für ihn sein, sich als Glied in die Regierung einzufügen;

    - er wird grosse Einkommensverluste haben. Ein Minister verdient gut 10'000 € pro Monat zuzüglich Spesen. Als Staranwalt hat er ein vielfaches davon verdient.

    In der französischen Presse wird heute allgemein gesagt, dass die Besetzung mit EDM ein guter Schachzug Macrons war.