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Freibad Grosshöchstetten eröffnetEin glückliches Ende beim «Gstürm» um die Badi

Neues Becken, neue Garderoben, neues Volleyballfeld: Für 3,5 Millionen wurde das Freibad Grosshöchstetten saniert. Eine Investition für die Zukunft.

Bereit für den Sprung ins kühle Nass: So präsentiert sich das sanierte Freibad Grosshöchstetten.
Bereit für den Sprung ins kühle Nass: So präsentiert sich das sanierte Freibad Grosshöchstetten.
Foto: Raphael Moser

Noch ist die Wasserfläche unberührt. Nur vereinzelt drückt ein Sonnenstrahl durch die Wolkendecke; ein kühler Wind zieht über Grosshöchstetten hinweg. Statt in Badehose und Bikini stehen die Gäste der Eröffnungsfeier in Jacke und Jeans am Beckenrand.

Und doch vermag es das sanierte Freibad, dass sogar an diesem kühlen Frühsommermorgen Badistimmung aufkommt. Die neue Infrastruktur wirkt einladend: Glänzende Edelstahlbecken, Liegeflächen aus Holz, hellblaue Türen und Schliessfächer wirken modern. Den Kontrast dazu bildet das ländliche Panorama. Grosse Bäume werfen ihre Schatten über die grossen Liegeflächen, ein Traktor fährt auf der nahen Hauptstrasse vorbei.

«Das Freibad gehört zu Grosshöchstetten», sagt Gemeindepräsidentin Christine Hofer (EVP), während sie die zahlreichen Gäste begrüsst. Die Freude über die gelungene Sanierung ist den Anwesenden anzumerken. Das lange «Gstürm» um die Badi findet ein glückliches Ende.

Begrüsst die Gäste der Eröffnungsfeier: Gemeindepräsidentin Christine Hofer (EVP).
Begrüsst die Gäste der Eröffnungsfeier: Gemeindepräsidentin Christine Hofer (EVP).
Foto: Raphael Moser

Initiative der Bevölkerung

Bereits vor zehn Jahren befasste sich Grosshöchstetten mit dem Freibad. Anfang der 70er- Jahre errichtet, wurde es zwar immer instand gehalten, eine Sanierung wurde aber immer dringender. Die Betonbecken waren undicht, das Bassin beim Sprungturm nicht lang genug, und die Technik hatte die besten Jahre bereits hinter sich.

2016 schliesslich entschied der Gemeinderat: Auf die Sanierung des Freibads soll verzichtet werden. Zu präsent waren die Erinnerungen an die Sanierung des angrenzenden Hallenbads: Hier überstiegen die Arbeiten das Budget um über 50 Prozent, 5,3 statt wie ursprünglich geplant 3,7 Millionen Franken – ein Skandal für das Dorf am Rand des Emmentals.

Deshalb nun aber auch noch das Freibad schliessen? Ein Unding, war man sich in der Gemeinde einig. Das Komitee «Üses Freibad blybt» formierte sich und ging auf Unterschriftensammlung. Über 1000 konnten für den Erhalt der Badi gesammelt werden. Der Gemeinderat musste über die Bücher.

Im Mai 2019 kam das Projekt schliesslich vor die Stimmbürger. Diese konnten den Kredit von 3,5 Millionen Franken entweder ablehnen oder annehmen. Bei letzterer Wahl gab es schliesslich noch die Frage nach einer zusätzlichen Breitwasserrutsche für weitere 250’000 Franken, auf welche jedoch verzichtet wurde.

Das Ergebnis dieses Prozesses konnte am Montag der Öffentlichkeit präsentiert werden. Besonders erfreulich: Anders als beim Hallenbad konnte das Budget eingehalten werden. «Das Kostendach war zwar knapp», so Christine Hofer, «es half aber auch dabei, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.»

Der Blick von oben: Die neue Badi verfügt über ein grosses, kombiniertes Becken (links) sowie einen Bereich für kleine Kinder (rechts).
Der Blick von oben: Die neue Badi verfügt über ein grosses, kombiniertes Becken (links) sowie einen Bereich für kleine Kinder (rechts).
Foto: Raphael Moser
Das Planschbecken, samt dem bunten Tatzelwurm, befindet sich nun unmittelbar neben dem Badibeizli.
Das Planschbecken, samt dem bunten Tatzelwurm, befindet sich nun unmittelbar neben dem Badibeizli.
Foto: Raphael Moser
Und schliesslich folgte noch der lang ersehnte Sprung ins Wasser. Fünf Menschen aus fünf Generationen wagten ihn unter dem Jubel der Anwesenden.
Und schliesslich folgte noch der lang ersehnte Sprung ins Wasser. Fünf Menschen aus fünf Generationen wagten ihn unter dem Jubel der Anwesenden.
Foto: Raphael Moser
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Steuern könnten steigen

Heute sieht im Freibad kaum etwas so aus wie noch vor einem Jahr. Statt drei getrennten Becken verfügt die Badi jetzt über ein grosses, in dem sowohl die 25-Meter-Bahnen, das Springerbecken, als auch jenes für Nichtschwimmer kombiniert sind. Daneben, am Ort des ehemaligen Sandkastens, spannt sich ein grosses Sonnensegel über das neue Kinderparadies – zwei Planschbecken samt Rutschbahn, Springbrunnen und Tatzelwurm.

Ein Hingucker ist die lange Garderobenanlage aus Holz mit ihren hellblauen Türen und Schliessflächern. Früher befanden sich Garderoben und Duschen im Untergeschoss: Räume, die heute für die neue Technik des Schwimmbads genutzt werden. Diese befanden sich einst im benachbarten Hallenbad. So rückten Pumpen, Filter und Motoren näher an ihren Einsatzort, und es mussten weniger Kabel und Rohre verlegt werden. So konnte man zusätzliche Kosten sparen.

Trotzdem wird sich die Investition ins neue Freibad wohl auch auf die Gemeindekasse auswirken. Bereits im Vorfeld der Abstimmung 2019 war die Rede von einer Anhebung des Steuerfusses. Dieser wurde letztes Jahr erst von ursprünglich 1,42 auf 1,52 angehoben. «Noch ist es aber zu früh, Genaueres zu sagen», sagt Gemeindepräsidentin Hofer beim anschliessenden Apéro. Mit der Steuerfrage werde man sich an der Gemeindeversammlung im Dezember beschäftigen.

Vorerst wolle man den Sommer im neuen Freibad geniessen. Und so folgte am Montag dann doch noch der lang ersehnte Sprung ins neue Becken: Unter dem Jubel der Anwesenden sprangen fünf Personen unterschiedlichen Alters – vom kleinen Mädchen bis zur Seniorin – gleichzeitig ins Becken. Als Zeichen dafür, dass die Badi ein Treffpunkt für alle Generationen, für das ganze Dorf sei.