Die EDU und das Rotlichtmilieu

In den Wahlen geben sich die Bürgerlichen einig und stänkern hintenherum. Die EDU drückt sich derweil etwas unklar aus.

Ungewollt zweideutig: Das Rotlicht sorgte im Kantonsrat für Gelächter, obwohl der motorisierte Verkehr auf dem Programm stand. Foto: Steffen Schmidt / Keystone.

Ungewollt zweideutig: Das Rotlicht sorgte im Kantonsrat für Gelächter, obwohl der motorisierte Verkehr auf dem Programm stand. Foto: Steffen Schmidt / Keystone.

Ruedi Baumann@Ruedi_Baumann

Eigentlich ging es im Kantonsrat um eine Bus-Spur zwischen Unterwetzikon und Hinwil. Weil Bushaltestellen auf der Fahrbahn und Rotlichter vorgesehen sind, sperrten sich SVP und EDU dagegen. Der Grüne Robert Brunner nahm den Widerstand mit Humor: «Dass die EDU Mühe hat mit Rotlicht im Kreis 4, ist bekannt – dass sie ihren Kampf nun auch auf Strassen im Oberland ausdehnt, ist aber neu.» Trotz Gelächter im Saal verteidigte sich EDU-Kantonsrat Heinz Kyburz nach bestem Gewissen: «Uns geht es um den Individualverkehr.» Das Lachen wurde noch lauter. All jenen, die noch immer keine schmutzigen Hintergedanken hatten, half Rico Brazerol (BDP) auf die Sprünge: «Heinz, du hast beim Verkehr das ‹Motorisiert› vergessen.»


Vor den Regierungsratswahlen 2015 ­mimen die fünf bürgerlichen Kandidaten Markus Kägi und Ernst Stocker von der SVP, Carmen Walker Späh und Thomas Heiniger von der FDP sowie Silvia Steiner von der CVP unter dem Titel «Top 5» Einigkeit. Hintenherum dagegen herrscht zwischen SVP, FDP und CVP weder Friede noch Freude, noch ­Eierkuchen. So schrieb der Stadtzürcher SVP-Präsident Roger Liebi gestern auf Facebook: «Hat jemand den Zürcher (CVP-)Stadtrat Gerold Lauber gesehen? Habe von ihm seit den Wahlen weder etwas gesehen noch etwas gehört.» CVP-Fraktionschef Philipp Kutter konterte mit gleicher Münze: «Lauber ist eben ein stiller Schaffer und kein ‹Herumplagöri› wie Roger Liebi.»


Der CVP und ihren Kandidaten bläst der Gegenwind auch von anderer Seite entgegen. Regierungsratskandidatin und Staatsanwältin Silvia Steiner hat von Dig­nitas-Gründer Ludwig A. Minelli ein «Einschreiben mit Rückschein» erhalten. «Sehr geehrte Frau Kollega», schreibt dieser in einem vierseitigen Brief und bezieht sich auf ein Votum, das Steiner Ende Oktober im Kantonsrat gehalten hatte zum Thema Kostenverrechnung bei Todesfällen, die durch Sterbehilfeorganisationen verursacht werden. Steiner ist nicht grundsätzlich gegen Sterbehilfe, setzt sich aber für einen würdigen Rahmen ein. Im Rat erzählte sie, dass es immer wieder Fälle gebe, «die nicht sauber ablaufen». So sei sie schon an Fälle ausgerückt, bei denen das Opfer nicht tot war. Weiter sagte Steiner, dass Sterbewillige vom Flughafen «im Karacho» zu einem Arzt «rasen» und «fliessbandmässig dem Tod zugeführt» würden. Minelli will nun unter anderem von Steiner wissen, ob sie sich nicht einer Verletzung des Amtsgeheimnisses schuldig gemacht habe und ob sie wisse, was das spanische Wort «carajo» bedeute. Auf Deutsch nennt der Duden als Synonyme für Karacho «grosse Geschwindigkeit, Rasanz». In Spanien ist «carajo» hingegen ein derbes Schimpfwort. Steiner will die ihr von Minelli bis zum 1. Dezember angesetzte Frist verstreichen lassen und seine Eingabe «nicht noch mit einer Antwort adeln». Sie fühle sich nur ihren Wählern verpflichtet. Frankiert war Minellis Brief übrigens mit fünf 2.20er-Briefmarken aus dem Jahre 1963, die das Kloster Einsiedeln zeigen – vier davon im tadellosen Viererblock. Sammlerwert eines 2.20er--Viererblocks: 5 Franken.


Wenn sich SVP-Fraktionschef Jürg Trachsel an die Medien wendet, geht es meistens um knallharte Politik. Bei seinem gestrigen Infomail dagegen waren starke Muskeln das Thema. Der 25-jährige Julian Strickler, wie Trachsel aus Richterswil, wurde an den World-Natural-Bodybuilding-Weltmeisterschaften inden USA Weltmeister. Trachsel trainiert im selben Club wie Strickler und kommt im Bankdrücken auf ähnliche Werte – Trachsel 100 Kilo, Strickler 130 Kilo. Wettkämpfe allerdings strebt Trachsel nicht an. «Warum ein Sixpack, wenn ich mir ein ganzes Bierfass leisten kann?»

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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