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Zulassung für 16 Tests erteiltDie EU überholt die Schweiz bei den Schnelltests

Während das BAG seit mehr als einem Monat Zulassungen für einfache Schnelltests prüft, sind in der EU ab sofort 16 Schnelltests auf Corona im Einsatz.

In Nachbarländern zugelassen, in der Schweiz noch nicht: Corona-Speicheltest.
In Nachbarländern zugelassen, in der Schweiz noch nicht: Corona-Speicheltest.
Foto: Michele Limina

Wissenschaft und Politik sind sich einig, wie wichtig es ist, viel mehr Menschen auf Covid-19 zu testen, um die Pandemie einzudämmen. Doch die Zulassung von einfachen Schnelltests steckt im Bundesamt für Gesundheit fest. Dort liegt schon seit einem Monat ein Zulassungsgesuch für einen günstigen Speicheltest mit 94-prozentiger Sensitivität (Lesen Sie hier die Recherche).

In zahlreichen europäischen Ländern sind solche Schnelltests bereits im Einsatz. Die Europäische Union hat nun eine Liste mit 16 Schnelltests veröffentlicht, die bereits jetzt in der ganzen EU zugelassen sind. «Antigen-Schnelltests sind entscheidend, um die Ausbreitung von Covid-19 zu verlangsamen», sagte die EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides, «und sie sind Teil unserer Reaktion auf die Pandemie.» Wenn negative Tests vorgeschrieben oder empfohlen würden, sei es wichtig, dass sie gegenseitig anerkannt würden. Dies sei vor allem im Zusammenhang mit Reisen unerlässlich, so die Kommissarin. «Unsere Bürger brauchen Klarheit und Vorhersehbarkeit.»

Mindestanforderungen festgelegt

Gleichzeitig hat die EU europaweite Mindestanforderungen an die Tests beschlossen. Sie müssen über das CE-Zeichen für die Konformität des Produkts verfügen und eine Sensitivität von mindestens 90 Prozent aufweisen. Die Tests müssen also mindestens neun von zehn erkrankten Personen entdecken. Die Rate, dass tatsächlich Gesunde, die nicht an der betreffenden Erkrankung leiden, im Test auch als gesund erkannt werden, muss sogar 97 Prozent betragen. Zudem hat die EU verfügt, dass ein Test, der in einem Land zugelassen wird, automatisch in allen zugelassen ist. Die neue Vorschrift tritt sofort in Kraft.

Mit Speicheltests können viel mehr Personen einfach und schnell auf Covid-19 getestet werden.
Mit Speicheltests können viel mehr Personen einfach und schnell auf Covid-19 getestet werden.
Foto: Michele Limina

Bei den im Moment auf der Liste stehenden Schnelltests handelt es sich mehrheitlich um Tests, bei denen mit einem Stäbchen tief im Rachenraum eine Probe genommen werden muss. Sie gelten deshalb als fehleranfällig, weil viel von der richtigen Probeentnahme abhängt. Gleichzeitig drängen Tests auf den Markt, bei denen der Speichel analysiert werden kann, nicht mit der PCR-Methode im Labor, sondern direkt mit einem mitgelieferten Analyse-Kit. Mit der einfachen Zulassung könnten sie rasch in den Verkauf gelangen.

In der Schweiz gibt es zwar auch schon Schnelltests, allerdings arbeiten sie mehrheitlich mit einer Probe aus der Nasenhöhle. Ebenso gibt es bereits Speicheltests, allerdings nur mit einer anschliessenden Auswertung der Probe in einem spezialisierten Labor. Speicheltests, die ohne Labor innert Minuten ein Resultat liefern, sind noch nicht zugelassen. Das Bundesamt für Gesundheit sagte auf Anfrage, dass die Tests eingehend geprüft werden müssten.

55 Kommentare
    Marie Andermatt

    Was ist die unerlässliche Notwendigkeit, dass die BAG alles erneut testet?

    in USA, etwas mehr Einwohner als in der Schweiz, prüft FDA aufwendig

    in UK, etwas mehr Einwohner als in der Schweiz, prüft die MHRA aufwendig.

    für die EU, etwas mehr Einwohner als in der Schweiz, prüft die EMA aufwendig.

    Ist es schon jemals vorgekommen, dass BAG plötzlich was ganz anderes, als die oben erwähnten "Zwerginstitutionen" entdeckt hätte?

    Ist es nun Nationalstolz, oder der Bedarf, genügend Geld zu verheizen der Grund, dass man nicht willens und/oder fähig ist, zwecks Effizienz international zusammenzuarbeiten?