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Virusfrei in NeuseelandDie Premierministerin tanzt vor Freude

Als erste Nation mit mehr als tausend Covid-19-Fällen hat Neuseeland am Montag erklärt, das Coronavirus besiegt zu haben. Regierungschefin Jacinda Ardern hat das Ende des Lockdowns erklärt.

Sichtlich erfreut: Jacinda Ardern an der Medienkonferenz am Montag, an der sie die Aufhebung aller Einschränkungen ausser des Einreiseverbots für Ausländer verkündete. Foto: Mark Mitchell , «New Zealand Herald» ( AP, Keystone )
Sichtlich erfreut: Jacinda Ardern an der Medienkonferenz am Montag, an der sie die Aufhebung aller Einschränkungen ausser des Einreiseverbots für Ausländer verkündete. Foto: Mark Mitchell , «New Zealand Herald» ( AP, Keystone )

Sie habe die Nachricht ihrer Tochter Neve gezeigt und sei im Wohnzimmer herumgetanzt. «Sie hatte keine Ahnung, warum ich das tat, aber sie hat mitgemacht und sich darüber gefreut», sagte Jacinda Ardern an der Pressekonferenz am Montag, an der sie verkündete, dass Neuseeland virusfrei sei. Es war typisch Ardern: Die 39-Jährige, seit 2017 Premierministerin, scheut sich nicht, Gefühle anzusprechen und zu zeigen, ist nahbar und empathisch, findet nach Naturkatastrophen und Attentaten die richtigen Worte.

Was die Regierungschefin und ihre zweijährige Tochter zum Tanzen brachte: Die letzte mit dem Coronavirus infizierte Person im Land, eine Frau in den Fünfzigern aus Auckland, zeige seit 48 Stunden keine Symptome mehr und gelte als geheilt. Neue Infektionen hatte es seit 17 Tagen nicht mehr gegeben. Der Tag, auf den Wissenschaftler und Regierungsvertreter hinfieberten, war 101 Tage nach dem ersten Fall gekommen, früher als erwartet.

Strikte Grenzkontrolle bleibt

Das Gesundheitsministerium hatte ursprünglich den 15. Juni als «Ausrottungstag» im Visier, weil dann 28 Tage verstrichen wären, seit die letzte Quarantäne im Land endete. Doch da diese Frist gemäss Nick Wilson, Spezialist für Volksgesundheit an der Universität von Otago, erstens sehr vorsichtig und zweitens vom Ministerium selbst gesetzt worden war, stieg in den letzten Tagen der politische Druck auf Ardern, den Lockdown zu beenden.

Seit Montag, null Uhr, ist er es, alles ist wieder erlaubt, einzig die strikte Grenzkontrolle bleibt bestehen: Nur Neuseeländer und ihre engsten Angehörigen dürfen einreisen, und sie müssen sich 14 Tage lang in Quarantäne begeben, organisiert und bezahlt von der Regierung. Das betraf am Anfang des Lockdown, der am 25. März begann, auch etliche Touristen, die gerade noch einreisen konnten. Sie wurden in Hotels untergebracht und so gut verpflegt, dass ein Paar aus den USA sogar einen Foodblog darüber startete.

Neuseeländer sollen Tagebuch führen

Der Lockdown wurde verhängt, nachdem 200 Infektionen registriert worden waren. Die Zahl der Infizierten stieg nie über 1500, an Covid-19 starben 22 Menschen. Die Neuseeländer hielten sich an den Hausarrest: Laut Google-Daten hätten sie sich viel weniger ausser Haus bewegt als die Menschen in Australien, Grossbritannien oder den USA, schreibt «Guardian Australia». Jacinda Ardern drückte es so aus: «Unser kollektives Resultat spricht für sich. Dafür hat unser Team von fünf Millionen dieses Opfer gebracht – um uns gegenseitig sicher und gesund zu halten.»

Das «Team von fünf Millionen» war Arderns Bezeichnung für ihre Landsleute während der Corona-Krise. Sie wollte damit Gemeinsinn schaffen und für die Einhaltung der Lockdown-Regeln werben. Tatsächlich ergab eine Befragung im April 88 Prozent Zustimmung der Bevölkerung für die Massnahmen. Ardern hat daran keinen geringen Anteil. Sie wandte sich fast jeden Tag an die Bevölkerung, auch auf Facebook, und endete all ihre Ansprachen mit den Worten: «Seid stark. Seid freundlich.» Jetzt forderte sie ihre Landsleute auf, Tagebuch zu führen, um Ansteckungen zurückverfolgen zu können. Denn es werde wieder Infektionen geben, sagte sie, das liege in der Natur des Virus. Doch mit geschlossenen Grenzen sei es derzeit kein Thema mehr, die Menschen sollten rausgehen, Spass haben, ihr Land besser kennenlernen - und die Wirtschaft ankurbeln.

14 Kommentare
    peter frei

    alle politiker unmd politikerInnen, die nicht den standard von premierministerin Ardern erreichen sollen zuruecktreten oder abgesetzt werden. leider sind die menschen zu dumm und zu bloed dazu.