«Die Roaming-Tarife der Anbieter sind unverschämt»

Surfen und Telefonieren mit dem Smartphone ist im Ausland immer noch zu teuer, sagt der Telecom-Experte. Allerdings gibt es riesige Preisunterschiede.

Kann im Ausland sehr teuer werden: Touristen in einem Car surfen auf dem Smartphone. (Bild: Getty Images)

Kann im Ausland sehr teuer werden: Touristen in einem Car surfen auf dem Smartphone. (Bild: Getty Images)

Yannick Wiget@yannickw3

Fotos via Facebook und Whatsapp verschicken, Google Maps zur Orientierung nutzen, E-Mails lesen: Schweizerinnen und Schweizer nutzen ihr Smartphone im Ausland fleissig, um ihre Ferienerlebnisse zu teilen oder auf dem Laufenden zu bleiben. Viele vergessen aber, vorgängig die Roaming-Kosten abzuklären. Das ist ein grosser Fehler und führt immer wieder zu bösen Überraschungen.

Denn Kunden, die sich vor den Ferien bei ihrem Mobilfunk-Anbieter informieren und geeignete Roaming-Optionen für Internet und Telefongespräche kaufen, können 90 Prozent der Gebühren oder sogar noch mehr sparen. Je nach Anbieter sind die Roaming-Kosten aber auch mit Optionen immer noch happig, wie eine Analyse von Moneyland.ch ergeben hat.

«Die Standardtarife der Anbieter sind oft unverschämt teuer.»Ralf Beyeler, Telecomexperte

Positiv ist laut dem Vergleichsdienst, dass viele Anbieter mittlerweile wesentlich kundenfreundlicher geworden sind: Bei Abos von Swisscom, M-Budget, Coop Mobile und Wingo müssen Kunden nun aktiv ein Daten-Roaming-Paket kaufen, wenn sie im Ausland surfen wollen und tappen so nicht mehr in eine unerwartete Kostenfalle. Kundenunfreundlich sind hingegen gewisse Abos und Prepaid-Angebote von Swisscom, Salt und Sunrise, bei denen weiterhin sehr hohe Standardtarife verrechnet werden.

«Die Roaming-Standardtarife der Schweizer Telecomanbieter sind oft immer noch unverschämt teuer. Kunden, die einfach drauflos surfen, bezahlen solche hohen Gebühren», sagt Ralf Beyeler, Telecomexperte bei Moneyland. Und zwischen den Anbietern seien die Preisunterschiede enorm.

Sunrise: Teuer telefonieren, günstig surfen

Für einen Vergleich hat Moneyland zwei Kundenprofile erstellt und das jeweils günstigste Angebot pro Anbieter inklusive allfälliger Optionen herausgesucht. Nicht berücksichtigt wurden Abos, die Inklusiv-Roaming beinhalten.

Der erste Kunde weilt zwei Wochen in Spanien, nutzt während seiner Ferienzeit 1 Gigabyte (GB) Datenvolumen und führt 60 Telefonate mit einer Gesprächsdauer von je zwei Minuten. Bei den Sunrise-Marken Yallo und Lebara zahlt er dafür 40 Franken und damit am wenigsten. Die drei grossen Anbieter sind deutlich kostspieliger: Salt verlangt von seinen Abo-Kunden fast 59 Franken, Swisscom 60 Franken und Sunrise sogar 69 Franken.

Am teuersten kommt es theoretisch für Prepaid-Kunden von Talktalk (1151 Franken) und solche der Valora-Marke Ok.– (22'605 Franken). Allerdings sperren Mobilfunkanbieter in der Regel die Verbindung, sobald Kosten von wenigen Hundert Franken durch das Roaming entstanden sind. Bei diesen Tarifen handelt es sich also um theoretische Werte, die aus dem Vergleich genommen wurden.

Günstiger fährt man allgemein mit einem Abo. Prepaid-Tarife sind immer höher – auch dann, wenn man ausschliesslich Internetverbindungen nutzt und nicht mehr telefoniert. Das machen ohnehin immer mehr Schweizerinnen und Schweizer im Ausland. Moneyland hat deshalb für einen zweiten Kunden die Kosten für das Daten-Roaming ohne Telefonie verglichen.

Am teuersten ist 1 GB Datenvolumen in Europa bei UPC, wo man 300 Franken zahlt. Wingo hingegen unterscheidet bei dieser Datenmenge nicht zwischen der Schweiz und der EU. Und so kostet dasselbe Angebot nur 5 Franken und damit sechzigmal weniger als bei UPC. Auch bei einem Volumen von 3 GB ist Wingo am günstigsten. Nicht mithalten kann der Anbieter bei 10 GB. Bei Sunrise gibt es für 19.90 Franken sogar das Vierfache an Volumen – das ist mit Abstand der günstigste Tarif.

Absurde Beträge müsste man theoretisch als Kunde von Talktalk- oder Ok.– zahlen. 10 GB würden 10'000 respektive 225'000 Franken kosten, also fast eine Viertelmillion. Grundsätzlich fällt aber auf, dass Daten-Roaming in Europa inzwischen bezahlbar geworden ist. Bei sieben Anbietern gibt es so viel Volumen für unter 100 Franken.

Gleich viele Anbieter haben im Vergleich zum Vorjahr auch ihre Preise gesenkt. Bei der Hälfte blieben die Tarife allerdings gleich, und bei drei Anbietern gab es sogar Preiserhöhungen. Teurer wurde es vor allem für Coop-Mobile-Kunden, was mit dem Wechsel des Angebots von Salt zu Swisscom zusammenhängt. Dennoch haben viele Konsumenten den Eindruck, dass die Roaming-Preise ständig sinken. «Konsumenten lassen sich offensichtlich von den Botschaften einiger weniger Anbieter täuschen», so die Erklärung von Ralf Beyeler.

«Die Anbieter sollten endlich Roaming-Pakete ohne Verfallsdatum einführen.»Ralf Beyeler, Telecomexperte

Schweizer Kunden müssen gemäss dem Experten immer noch aufpassen, dass sie nicht in unangenehme Kostenfallen tappen. Ein leidiges Beispiel sind Roaming-Datenpakete, die nur begrenzt lange – meist 30 Tage nach Aktivierung – gültig sind. Bis jetzt bietet einzig Coop Mobile entsprechende Angebote, die nicht verfallen. Bei Qynamic beträt die Gültigkeit neu 90 Tage, bei Mucho Mobile immerhin das Doppelte.

«Wann ziehen Swisscom, Sunrise und Salt endlich nach?», fragt Telecomexperte Beyeler. «Sie sollten endlich Roaming-Pakete ohne Verfallsdatum einführen.» Speziell kundenunfreundlich sei Salt, wo die Optionen «Talk Europe/World» und «Internet Europe/World» nur bis zum 9. Tag eines Monats gültig seien.

Automatische Verlängerung

Eine weitere Kostenfalle ist die automatische Verlängerung vieler Roaming-Optionen. Konsumenten dürfen deshalb nicht vergessen, eine entsprechende Option immer rechtzeitig zu künden. Ansonsten werden laufend weitere Roaming-Gebühren verrechnet.

Auch bei sogenannten Sorglos-Paketen mit «unlimitiertem» Roaming müssen Kunden vorsichtig sein und das Kleingedruckte lesen. Bei Swisscom und Sunrise bedeutet «unlimitiertes Roaming» zum Beispiel, dass bei 40 GB pro Monat Schluss ist mit schnellem Internet. Ausserdem sind längst nicht alle europäischen Länder inklusive. Für den typischen Touristen, der einmal pro Jahr bis zu zwei Wochen in den Ferien ist, sind diese Abos mit Inklusiv-Roaming in der Regel nicht geeignet, so das Fazit von Moneyland.

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