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Tourismus im Corona-SommerDie Romands entdecken Bern

In der Stadt Bern war in diesem Sommer öfters Französisch zu hören als in anderen Jahren. Viele Romands machten einen Ausflug in die Bundesstadt.

Im Juli stammten rund 20 Prozent der Personen, die sich beim Tourismusbüro in der Stadt Bern meldeten, aus der Westschweiz.
Im Juli stammten rund 20 Prozent der Personen, die sich beim Tourismusbüro in der Stadt Bern meldeten, aus der Westschweiz.
Foto: Franziska Rothenbühler

In diesem Corona-Sommer steuern deutlich weniger Reisecars die Stadt Bern an als in einem normalen Jahr. Da fallen die verbliebenen Reisegruppen besonders auf. So beobachtete ein BZ-Redaktor am 9. August – einem Sonntag – wie etwa um 16.30 Uhr ein Reisebus aus dem Kanton Neuenburg bei der Dampfzentrale seine Gäste auflud. Diese kamen offensichtlich vom Baden im Marzili. Von routinierten Berner Aareschwimmern ist zudem zu hören, sie hätten kaum je einen Sommer erlebt, in dem so viele Aareschwimmer nicht wussten, wo man ein- und aussteigt.

Und zahlreiche Romands wagen sich mit einem Gummiboot auf die Aare: Schon bei der Einstiegstelle in Schwäbis bei Steffisburg fallen sie auf. Ob man Münz habe, ob man einen Fünfliber wechseln könne, fragt ein Mitglied einer fünfköpfigen Gruppe an einem heissen Sommertag. Die Mittezwanziger erhalten das Kleingeld, füttern damit den Pumpautomaten und machen sich bald darauf auf den Weg Richtung Aareufer und mit dem Gummiboot den Fluss hinunter durch das Aaretal Richtung Bundesstadt.

Doch sind das nur subjektive Eindrücke oder besuchen in diesem Sommer tatsächlich mehr Romands die Stadt Bern als normalerweise?

Bern Welcome wirbt um Romands

Die kompetente Institution, um diese Frage zu beantworten, ist die Berner Tourismusorganisation Bern Welcome. Thomas Tschuor, Stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsleitung, sagt: «In unserem Tourismusbüro im Bahnhof Bern stellen wir tatsächlich ein erhöhtes Aufkommen von Gästen aus der Romandie fest.» Offenbar stehe während dieses Corona-Sommers die andere Seite des Röstigrabens bei den Westschweizern hoch im Kurs. Spezielles Interesse bei den Gästen wecken laut Tschuor die Berner Sehenswürdigkeiten, besonders die von der Unesco geschützte Altstadt.

Doch dass es nur an Corona liege oder gar ein Zufall sei, davon will man bei Bern Welcome nichts wissen. Tschuor betont: «Gemäss unserer Strategie gehört die Westschweiz zu unseren Fokusmärkten – wir achten auf Übersetzungen und sind mit unseren Angeboten rund um das Thema Savoir-vivre am Puls der Bedürfnisse. Diese Massnahmen zahlen sich aus.»

Lange Sommerferien in der Romandie

In Zahlen bedeutet dies: Im Juli stammten rund 20 Prozent der Personen, die sich beim Tourismusbüro am Berner Bahnhof meldeten, aus der Romandie, während 50 Prozent aus dem Kanton Bern und der restlichen Deutschschweiz kamen. Zum Vergleich: Im Vorjahr stammten drei Prozent der Gäste aus der französischsprachigen Schweiz. Allein: Damals kamen viel mehr Gäste aus dem Ausland. Eine Statistik zu den Tagesauflüglern, die die Stadt Bern besuchen, gibt es jedoch nicht, da sich diese nirgends registrieren müssen.

Für den Monat August erwartet Bern Welcome ähnliche Zahlen. Tschuor geht davon aus, dass wegen des frühen Ferienendes am 9. August der Anteil der Besucher aus dem Kanton Bern sinken wird. In der Westschweiz dauern die Ferien eine oder zwei Wochen länger als in Bern. So hatten die Neuenburger bis am 16. August Ferien, während die Schule in der Waadt erst am kommenden Montag beginnt. Die Westschweizer haben also ausgiebig Zeit, um die Stadt Bern zu entdecken.