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Veranstalter haben SorgenDie Schwingsaison könnte bis Oktober dauern

Organisatoren von Kranzfesten droht im Fall einer Absage der Konkurs. Der Kalender dürfte angepasst werden.

Vorerst wird kein Sägemehl aufgewirbelt: Mindestens bis Ende April ist Schwingen verboten.
Vorerst wird kein Sägemehl aufgewirbelt: Mindestens bis Ende April ist Schwingen verboten.
Foto: Christian Pfander

Nichts geht mehr, bis Ende April. In den nächsten sechs Wochen finden keine Schwingfeste statt, die Schwingkeller sind geschlossen, alle Teamtrainings gestrichen. Schwingen kann nur, wer privat über einen Sägemehlring verfügt. Und weil die Fitnesscenter geschlossen sind, könnten selbst die korpulentesten unter den korpulenten Hünen tatsächlich das Joggen entdecken.

Hält sich bei den gestrichenen regionalen Vorbereitungswettkämpfen der finanzielle Schaden in Grenzen, so sind die Sorgen bei den Veranstaltern der Kranzfeste (ab 3. Mai) riesig. Die sechs Berner Gauverbandsfeste sollten zwischen dem 10. Mai und dem 14. Juni stattfinden, deren Durchführung ist unsicher. Bei Budgets von 500’000 bis 750’000 Franken wären die Konsequenzen enorm. Viele Leistungen (Land, Infrastruktur, Catering) sind gebucht – mehrere organisierende Vereine müssten im Falle einer Absage Konkurs anmelden. Aus rechtlichen Gründen dürfte es daher im Bernbiet vorerst kaum Absagen geben. Bereits gestrichen wurden hingegen das Zürcher Kantonale (17. Mai) und das Baselstädtische (21. Mai). Die ersten Feste in der Westschweiz wurden verschoben.

Grabers verspäteter Abschied

«Geisterschwingen» vor leeren Rängen sind keine Option, ohne Einnahmen aus der Konsumation geht die Rechnung nicht ansatzweise auf. Anders als etwa im Fussball oder Eishockey ist der Faktor Fernsehen vernachlässigbar: Zuletzt zahlte SRF dem eidgenössischen Schwingerverband (ESV) für die Übertragungsrechte pro Jahr 172’000 Franken.

Und so befassen sich viele Veranstalter mit einem Ersatzdatum. Beim Emmentalischen in Trubschachen (10. Mai), dessen Arena mit 6000 Plätzen beinahe ausverkauft ist, soll ein Termin im Juli zur Diskussion stehen. Das Seeländische in Oberwil (24. Mai) könnte im August aber auch erst 2022 nachgeholt werden. Ersatzlos gestrichen würde das Bern-Jurassische in Corgémont (14. Juni).

Der eidgenössische Schwingerverband garantiert trotz vollem Kalender Flexibilität.

Rein organisatorisch dürften Verschiebungen kompliziert sein, der ESV garantiert trotz an und für sich vollem Kalender zumindest Flexibilität. Ein Gauverbandsfest könnte theoretisch gleichzeitig mit einem Bergfest mit Berner Beteiligung stattfinden. Denkbar ist eine verkürzte Saison, nicht auszuschliessen ist zudem, dass auch nach dem Höhepunkt, dem eidgenössischen Jubiläums-Schwinget in Appenzell (30. August), Kranzfeste stattfinden werden. Dem Vernehmen nach könnte die Saison bis Oktober dauern.

Willy Graber wird dannzumal nicht mehr dabei sein. Der Publikumsliebling, Gewinner von 110 Kränzen, hätte am 4. April daheim in Bolligen Adieu vom Schwingsport sagen wollen. Der Hallenschwinget wurde nun auf den 19. September verschoben. Kranzfeste wird Graber (35), der im Juli zum vierten Mal Vater wird, keine mehr bestreiten.

Ende im Herbst: Willy Graber wird in Bolligen letztmals in die Zwilchhosen steigen.
Ende im Herbst: Willy Graber wird in Bolligen letztmals in die Zwilchhosen steigen.
Foto: Raphael Moser