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1. E-MTB-WeltcupDie Serie ist neu – Fahrer werden belächelt

In Monaco wird am Samstag erstmals ein Elektro-Weltcuprennen im Mountainbiken ausgetragen. Am Start sind auch die Berner Joris Ryf und Andreas Moser.

Andreas Moser (links) und Joris Ryf freuen sich auf die Premiere in Monaco.
Andreas Moser (links) und Joris Ryf freuen sich auf die Premiere in Monaco.
PD

Der Rad-Weltverband UCI feiert am Samstag in Monaco eine Premiere: Zum ersten Mal findet ein Elektro-Mountainbikerennen auf Weltcup-Stufe statt. Damit macht der E-Boom auch vor der UCI nicht Halt. Diese führt die im letzten Jahr lancierte World E-Bike Series (WES) neu unter ihrer Obhut durch und verhilft damit den Rennen zu einem neuen Level. Entsprechend werden neue Fahrer dazukommen. Zu ihnen zählt auch Joris Ryf. Der 22-jährige Profi aus Täuffelen nimmt nicht mehr nur am herkömmlichen Weltcup in der olympischen Cross-Country-Disziplin teil, sondern jetzt auch am E-Weltcup. «Bisher fuhren vor allem ältere, zurückgetretene Athleten Elektrorennen», weiss Ryf. Als sich die Tür öffnete, musste er nicht lange überlegen: «Als Rennfahrer suche ich neue Herausforderungen und will mit dem Trend gehen, sonst hat man irgendwann Nachteile.»

Bereits Erfahrung mit dem Elektrobike hat Andreas Moser. Der 36-Jährige aus Madiswil absolviert normalerweise Marathonrennen ohne Motor. «Im vergangenen Jahr habe ich aber ein E-Rennen bestritten und war sofort begeistert. Vor allem wie man mit hoher Geschwindigkeit bergauf fahren kann, ist faszinierend.» Aber Achtung: Für Neulinge ist das nicht ungefährlich. Ryf betont: «Ich bin mir leichtere Velos gewohnt. Das E-Bike ist rund zehn bis zwölf Kilo schwerer. Gerade in technischen Passagen spürt man diesen Unterschied. Hier lässt sich das E-Bike nicht einfach so mit einem Ruck herumreissen.» Moser verweist auf einen weiteren Unterschied: «Durch das höhere Tempo kommen auch die Hindernisse schneller auf einen zu. Die schwierigen Passagen sind noch anspruchsvoller. Höchste Konzentration ist absolute Bedingung.»

Viele Regeln

Die Technik der E-Bikes ist stark reglementiert. So darf die Anfahrtshilfe maximal 6 Stundenkilometer betragen. Die Dauerleistung des Motors ist auf 250 Watt limitiert. Und die Motorunterstützung ist nur bis 25 km/h möglich und ausschliesslich, wenn pedalt wird. Auf ebenen Passagen fahren Cracks wie Ryf und Moser schneller und deshalb ohne technischen Support. Im Rennen, das rund eine Stunde dauert, ist nur ein Akku zulässig. Es gibt zwar eine «Boxenzone», aber dort dürfen nur mechanische Probleme behoben werden. Die Wettkämpfe werden in der Disziplin Cross-Country ausgetragen.

Kein Elektro-Doping

Mit der starken Reglementierung soll sichergestellt sein, dass die Vielzahl an Hersteller mit den gleichen Bedingungen antreten. Die Motorensoftware muss offengelegt werden, Akku und Ladegerät werden vor dem Rennen plombiert. «Es wird viel unternommen, damit Elektro-Doping nicht möglich ist», sagt Moser und ergänzt: «Die Sache ist komplex, ich könnte selber auf jeden Fall nichts an den Einstellungen verändern.» Auch Ryf hält fest, dass er selber am Motor keine Anpassungen vornehmen könne. «Und ich hoffe auch, dass niemand auf dumme Gedanken kommt.»

Volle Körperkraft

Die Rennen sind eine Mischung aus Können, Strategie und Stärke. Sowohl für Ryf wie auch für Moser ist klar, dass der physisch stärkste Fahrer gewinnen wird. «Der Puls ist voll am Anschlag», weiss Ryf. Moser bestätigt: «Der Motor ist nur so stark, wie man fährt.»

Steigende Akzeptanz

Obwohl sich die körperliche Anstrengung von einem Rennen ohne Motor nicht unterscheidet, ist die Akzeptanz für E-Wettkämpfe zwar steigend, aber nicht überall angekommen. «Ich werden von anderen Fahren noch belächelt», gibt Moser zu, «und muss mich oft rechtfertigen, warum ich auch Rennen mit Motor fahre.» Doch der hauptberufliche Briefträger und Bäcker nimmt die Sprüche in Kauf, denn für ihn ist der neue Weltcup eine Bereicherung. «E-Bikes sind ein Boom. Für eine Rennserie braucht es Hersteller, die sich präsentieren wollen, und Fahrer. Beides ist vorhanden.»

Der erste E-MTB-Weltcup 2020 umfasst vier Rennen in Monaco, Ascona, Bologna und Barcelona. Ein fünfter Austragungsort kommt eventuell noch hinzu. Zudem findet im Juni in Albstadt eine Weltmeisterschaft statt.