Die Stadt muss Platz für Fahrende schaffen

Fahrende sollen mehr Raum für ihre Wagen bekommen als heute – nicht irgendwo, sondern unter anderem auch in der Stadt Zürich. Das wirft vor Ort Fragen auf.

Zwischenlösung: Noch bis 2017 dürfen die Fahrenden das Zürcher Schütze-Areal beim Escher-Wyss-Platz als Durchgangsplatz nutzen. Foto: stadt-zuerich.ch

Zwischenlösung: Noch bis 2017 dürfen die Fahrenden das Zürcher Schütze-Areal beim Escher-Wyss-Platz als Durchgangsplatz nutzen. Foto: stadt-zuerich.ch

Im Kanton Zürich stehen den Fahrenden vier Standplätze und acht Durchgangsplätze zur Verfügung. Das ist nicht genug: Der kantonale Richtplan verlangt nicht nur, die bestehenden Plätze zu sichern, sondern zusätzlich einen Standplatz und fünf Durchgangsplätze im Kanton Zürich zu realisieren.

Einer dieser neuen Durchgangsplätze für die Sommermonate soll zudem in der Stadt Zürich entstehen – so steht es im regionalen Richtplan. Wo genau, ist aber noch unklar. Die Suche nach einem Areal auf Stadtgebiet habe begonnen, gestalte sich aber «nicht ganz einfach», sagt Heike Isselhorst vom Hochbaudepartement der Stadt Zürich. Sie kann momentan noch nicht sagen, wann die Suche abgeschlossen sein wird und mit welchem Ergebnis.

Am Escher-Wyss-Platz läuft die Zeit ab

Seit 2010 und bis heute stellen die Fahrenden während der Sommermonate auf dem zwischengenutzten Schütze-Areal beim Escher-Wyss-Platz ihre Wagen und Zelte auf. Damit ist aber voraussichtlich Anfang 2017 Schluss. Auf dem Areal beginnen dann die Bauarbeiten für eine Bibliothek, eine Turnhalle und ein Quartierhaus, wenn das Zürcher Stadtvolk den Kosten von rund 66 Millionen Franken zustimmt. Das bestätigt das Hochbaudepartement.

«Wir werden uns aktiv für eine Anschlusslösung bis 2017 einsetzen und dazu das Gespräch mit der Stadt Zürich suchen», sagt Urs Glaus von der Stiftung Zukunft für Schweizer Fahrende. Würde der bestehende Durchgangsplatz auf dem Schütze-Areal nicht durch einen neuen ersetzt, bedeute das für die Fahrenden einen Rückgang der Durchgangsplätze statt der im Richtplan verlangten Zunahme. Für Glaus keine Lösung. Bei der Stadt Zürich ist man sich der Problematik bewusst. «Wir sind zuversichtlich, dass wir bis 2017 eine Anschlusslösung anbieten können», sagt Isselhorst.

Zur Not auch in der Agglomeration

Für Glaus ist ein neuer Platz trotz der knappen Platzverhältnisse in der Stadt «sehr wünschbar». «Die Fahrenden legen grossen Wert darauf, auch in der Stadt präsent zu sein.» Dass dies schwierig werden könnte, sei ihm bewusst. Allerdings komme für ihn nicht nur ein Durchgangsplatz auf Stadtgebiet in Frage, sondern auch in der angrenzenden Agglomeration.

Einen Schritt weiter als in Zürich ist man in Winterthur: Dort ist vor einem Jahr ein Durchgangsplatz für Fahrende eröffnet worden, am nördlichen Stadtrand in Oberwinterthur. Die Polizei musste diesen allerdings im Sommer vorübergehend schliessen. Der Platz, gedacht für Schweizer Fahrende, war von Roma aus dem Elsass in Beschlag genommen worden. Diese verrichteten ihre Notdurft auf den Wegen rund um das Areal, was Proteste der Anwohner auslöste. Inzwischen ist der Platz wieder offen, allerdings ausdrücklich nur noch für Schweizer.

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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