Die Street-Parade bekommt Flügel

Ab sofort zwitschert ein ganz besonderer Vogel über alles, was sich rund um den Techno-Event so tut – ohne dabei ein Blatt vor den Mund zu nehmen.

Das Maskottchen wird gesprächig: Ab sofort hat Kronentoko Stripi einen eigenen Twitter-Account.
Tina Fassbind@tagesanzeiger

Der Lärm in der Voliere am Zürcher Mythenquai ist ohrenbetäubend. Ohne Unterlass schreit das Kronentokopaar in seinem Gehege. «Sie sehen, dass im Haus Feuer brennt. Das ist für diese afrikanische Vogelart ein Alarmzeichen», sagt Elisabeth Kehl, Präsidentin der Voliere-Gesellschaft Zürich.

Die Flammen züngeln aus einem Rechaud unter heissen Häppchen: Im Vogelhaus findet an diesem Montagmittag ein Apéro riche statt, zu dem die Organisatoren der Street-Parade eingeladen haben. Gefeiert wird die Geburt von drei jungen Kronentokos, von denen einer auf den Namen Stripi getauft wurde. Es ist das neue Maskottchen des Techno-Events, denn Stripi und seine Geschwister sind just an der letzten Street-Parade zur Welt gekommen. Damit die Vögel diesen heiklen Moment schadlos überstehen konnten, haben die 29 Love-Mobiles an jenem Tag die Musik vor der Voliere kurzzeitig abgestellt. Einzig ein paar «Happy Birthday»-Ständchen waren zu hören, wie Kehl sagt.

1500 Franken und ein Account für Stripi

Stripi hat es dem Technovolk angetan. 700 Franken wurden im VIP-Bereich der letztjährigen Parade für den Vogel gesammelt. Das Organisationskomitee hat den Betrag auf 1500 Franken erhöht und den Check heute an Kehl überreicht. «Mit Stripi hat die Parade Flügel bekommen», freut sich Joel Meier, Präsident des Vereins Street-Parade, über das neue Maskottchen. Er will noch weitere Aktionen starten, um das Vogelhaus zu unterstützen. «Sicher wollen wir aber an der nächsten Street-Parade Vogelfutter verkaufen und den Erlös der Voliere stiften.»

Die Kronentokos kommentieren das Ganze mit lautem Gekrächze. Stripi macht nicht nur in seinem Gehege mächtig Lärm. Ab heute Montag zwitschert er auch per Twitter. «Er singt, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Frech, direkt, schnörkellos», heisst es auf seinem Account. «Stripi ist die inoffizielle Stimme der Street-Parade», sagt Pressesprecher Stefan Epli. Er werde neue Diskussionen anregen und Medienberichte kommentieren und hinterfragen. Wer die Stripi-Statements publiziert, will Epli nicht verraten. Das Organisationskomitee stecke jedenfalls nicht dahinter.

Stripi bald im Zoo?

Elisabeth Kehl freut sich über die gute Zusammenarbeit und die Unterstützung durch die Macher der Street-Parade. «Wir haben seit der letzten Parade deutlich mehr Besucher. Sie wollen alle die jungen Kronentokos sehen», sagt sie gegenüber berneroberlaender.ch/Newsnetz. Die zusätzliche Publicity sei sehr hilfreich. «Wir arbeiten zwar alle ehrenamtlich. Trotzdem sind wir sehr auf Spenden angewiesen. Allein für das Tierfutter müssen wir monatlich bis zu 3500 Franken ausgeben.»

Hinzu kommt gemäss Kehl, dass die Zahl der Wildvögel, die zur Pflege in der Voliere abgegeben werden, jährlich um 20 Prozent ansteigt. «2013 waren es insgesamt rund 1600 Vögel. In diesem Jahr haben wir schon im Juli gleich viele Vögel bei uns aufgenommen.» Um all diese Aufgaben bewerkstelligen zu können, benötige die Voliere jährlich rund 200'000 Franken. «In diesem Jahr haben wir 20'000 Franken von der Stadt Zürich bekommen. Die erste finanzielle Unterstützung seit sechs Jahren.» Ob dieser Betrag auch im kommenden Jahr gesprochen werde, sei noch unklar.

Auch die Zukunft der jungen Kronentokos ist ungewiss. In der freien Wildbahn vertreibt der Vater die Jungtiere, wenn sie ausgewachsen sind. Das dürfte im kommenden Frühling der Fall sein. Kehl ist derzeit im Gespräch mit dem Zoo Zürich, ob dort allenfalls ein Teil der Jungtiere aufgenommen werden könnte – damit Stripi auch noch in Zürich sein wird, wenn am 29. August 2015 die nächste Parade anrollt.

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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