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Gärten mit AussichtDie volle Pracht der Alpenblumen

Wenn im Unterland die erste Blütezeit der Pflanzen vorbei ist, locken in der Schweiz die alpinen Gärten mit ihrer reichen Alpenflora.

Enziane gehören zu den bekanntesten Blumen im Alpenraum.
Enziane gehören zu den bekanntesten Blumen im Alpenraum.
Foto: Pixabay

Kaum zu glauben, dass die Schweiz im 19. Jahrhundert ein beliebtes Reiseziel für Pflanzenliebhaber war. Besonders die damals entstandenen Alpengärten lockten Touristen aus aller Welt an. Diese Gärten bestehen zum Teil immer noch, viele neue sind dazugekommen. Denn die Alpenflora interessiert auch heute noch – vor allem, wenn im Unterland der erste Blütenrausch vorbei ist und die Hitze unerträglich wird.

Die schönste Zeit in der Höhe sei der Bergfrühling, sagen so manche Blumenliebhaber. Ab Mitte Juni ist die ideale Zeit dafür. Dann zeigen sich die genügsamen Spaltenbewohner und farbenprächtigen Stauden von ihrer schönsten Seite. Ein Besuch im Alpengarten hilft auch, sein Wissen aufzufrischen, damit man bei der nächsten Wanderung weiss, was da so blüht.

Und wer weiss, vielleicht findet man auch noch ein paar Ideen für den eigenen Garten.

Alpengarten Hoher Kasten (AI)

Im Alpengarten auf dem Hohen Kasten findet man über 300 Pflanzenarten.
Im Alpengarten auf dem Hohen Kasten findet man über 300 Pflanzenarten.
Foto: ZVG

Wer zu Fuss oder per Bahn auf den Hohen Kasten steigt, hat nicht nur eine wunderbare Aussicht übers Rheintal, das Appenzellerland und den Alpstein (laut dem Geologen Albert Heim «das schönste Gebirge der Welt»). Auch botanisch gesehen, gehört der Alpstein zu den artenreichsten der ganzen Alpenregion. Deshalb lohnt es sich, durch den schön angelegten Alpengarten mit über 300 Pflanzenarten zu spazieren. Dort wachsen nicht nur Glockenblumen, Feuerlilien, Seidelbast und Enziane, sondern noch weitere Raritäten. Zudem erfährt man auf den 15 Erlebnisstationen noch vieles mehr über die alpine Natur und die Flora und Fauna.

Alpengarten Schynige Platte (BE)

Wer nach zottigem Habichtskraut oder hahnenfussartigem Hasenohr sucht, wird auf der Schynige Platte fündig.
Wer nach zottigem Habichtskraut oder hahnenfussartigem Hasenohr sucht, wird auf der Schynige Platte fündig.
Foto: ZVG

Gleich neben der Bergstation der Schynige Platte-Bahn befindet sich ein Alpengarten, der nicht nur für Wander- und Pflanzenfreunde angelegt wurde. Auf 1967 Höhenmetern und einer Fläche von rund 8000 Quadratmetern wird in diesem Garten auch geforscht. 1928 inmitten der Berglandschaft von Eiger, Mönch und Jungfrau angelegt, wachsen heute in dieser vielfältigen Topografie mit verschiedenen Expositionen rund 690 Arten. Diese wurden in kleinen Einpflanzungen angereichert durch Arten, die andernorts in der Schweiz in diesen Pflanzengesellschaften gedeihen, wie etwa Zottiges Habichtskraut, Alpen-Wundklee, Hufeisenklee, Hahnenfussartiges Hasenohr oder Clusius Enzian.

Botanischer Alpengarten Meyrin (GE)

Man muss nicht immer in die Höhe ziehen, um die Pflanzenwelt der Alpen zu betrachten. Manchmal steigen die Pflanzen auch von den Berggipfeln hinab und landen mitten im urbanen Raum. In der Gemeinde Meyrin bei Genf befindet sich direkt an der Grenze zu Frankreich ein Alpinum mit gegen 3000 alpinen Pflanzen-Arten. Der Textilhändler Amable Gras liess sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts diese idealisierte Darstellung der alpinen Welt anlegen. Bis heute ist der Garten ein lebendiges Museum, das die Sammlung und Sicherung von alten Pflanzensorten sowie die biologische Vielfalt zum Ziel hat.

Botanischer Garten Alpinum Schatzalp (GR)

Im Garten auf der Schatzalp gibt es Pflanzen aus der ganzen Welt zu sehen.
Im Garten auf der Schatzalp gibt es Pflanzen aus der ganzen Welt zu sehen.
Foto: ZVG

Ursprünglich wurde der Alpengarten auf der Schatzalp 1907 für die Tuberkulose-Patienten des Sanatoriums angelegt, damit sie sich trotz Krankheit an der alpinen Flora erfreuen konnten. Mitte der 1950er-Jahre verwilderte die Anlage und wurde erst mit dem Hotelumbau 1972 wieder gepflegt und stetig ausgebaut. Heute gedeihen im Alpinum auf rund fünf Hektaren 3500 Alpenpflanzen in verschiedenen Waldtypen, Weiden, Felspartien und Quellsümpfen. Sie stammen nicht nur aus den Schweizer Alpen, sondern aus der ganzen Welt – vom Atlasgebirge über Drakensberge und dem Himalaya bis zum Kaukasus, den Pyrenäen und den Rocky Mountains. Besonders speziell ist die Edelweiss-Sammlung, die grösste der Welt.

ProSpeciaRara-Schaugarten für Alpenpflanzen Rigi Kaltbad (LU)

Die Felsenkapelle auf der Rigi bei Kaltbad ist ein wahrer Kraftort und lockt wegen seiner speziellen Lage zwischen den hohen Felsen. Aber da ist noch ein weiterer Grund, den Ort zu besuchen. An diesem extremen Standort steht auch der erste ProSpecieRara-Alpengarten der Schweiz. Dank Jakob Eschmann, einem passionierten Züchter von Alpen- und Steingartenpflanzen, wächst hier eine grosse Auswahl an Eigenzüchtungen von Hauswurz, Pfingstnelken, Steinbrech oder Enzianen. Weil ein Grossteil dieser Züchtungen aus wirtschaftlichen Gründen zu verschwinden drohte, hat die Stiftung ProSpecie-Rara diese als Teil des schweizerischen Kulturgutes in die Erhaltung aufgenommen.

Juragarten Weissenstein (SO)

Der Juragarten beim Kurhaus Weissenstein gibt Einblick in die reichhaltige Flora.
Der Juragarten beim Kurhaus Weissenstein gibt Einblick in die reichhaltige Flora.
Foto: Wikimedia

Auf dem Solothurner Aussichtsberg, dem Weissenstein, befindet sich der Juragarten, der rund 200 Pflanzenarten des Jurabogens zeigt, darunter spezielle Nelken, Glockenblumen, Sonnenröschen, Wildrosen oder jurassischen Braunwurz. Der 1957 gegründete kleine, aber schön gepflegte Garten befindet sich auf 1280 Metern über Meer Höhe südlich des Kurhauses Weissenstein. Der Weg führt durch die Jura-typischen Lebensräume wie südexponierten Kalkfelsen, terrassierten Trockenmauern und schattigen Laubwäldchen und gibt Einblick in die reichhaltige Flora dieser Gegend.

Alpengarten la Rambertia Rochers-de-Naye (VD)

Der Rochers-de-Naye mit seiner exponierten Lage, der mit der Zahnradbahn von Montreux aus erreicht werden kann, ist auch die Heimat des 1896 gegründeten Alpengartens La Rambertia. Der Name geht auf den Schweizer Schriftsteller und Dichter Eugène Rambert zurück, der ein grosser Naturliebhaber und eng mit Montreux verbunden war. Die Steingärten sind zwischen den Felsen eingebettet und zeigen, dass auch auf diesem kalkhaltigen Boden mehr als tausend Pflanzenarten wie Alpen-Aurikel und Schlüsselblumen, Steinbrech und Enziane, Alpenglöckchen und seltene Edelweiss-Pflanzen wachsen können.

Alpengarten La Thomasia Les Plans-sur-Bex (VD)

Imposant ist die Lage des Alpengartens La Thomasia in Les Plans-sur-Bex. Er liegt inmitten der Weiden von Pont-de-Nant am Fuss der über 3000 Meter steil aufragenden Felswand des Grand Muveran. La Thomasia ist einer der ältesten ständig betriebenen alpinen Gärten der Alpen, wurde er doch bereits 1891 gegründet. Noch dazu beherbergt er alpine Pflanzenarten aus allen Gebirgen der Welt. Doch der Schwerpunkt im verträumt angelegten Garten gehört den Arten der Waadtländer Alpen, wie etwa die Alpen-Akelei oder spezielle Lilien.

Botanischer Alpengarten Flore-Alpe Champex-Lac (VS)

Ein wahres Bijou ist der botanische Alpengarten Flore-Alpe bei Champex-Lac. Auf dem 6000 Quadratmeter grossen Gelände kann man auf den vielen Wegen vorbei an Felsen und Bächen, durch lichte Wäldchen oder Steppenlandschaften die Welt der Alpenblumen entdecken. Denn es werden neben Pflanzenarten wie Hauswurz, Steinbrech oder Enzianen aus der näheren Umgebung auch solche aus anderen europäischen Berglandschaften und Gebirgen der Welt in ihrem jeweiligen Lebensraum gezeigt. Und wer Lust hat, noch tiefer in diese bezaubernde Pflanzenwelt einzutauchen, kann im Chalet des Alpengartens auch gleich übernachten.

Botanischer Alpengarten Bourg-St-Pierre (VS)

Der La Linnaea-Garten am Rand von Bourg-St-Pierre fügt sich so selbstverständlich in die Landschaft ein, dass man ihn fast übersehen könnte. Dabei ist er ein wichtiger Meilenstein in der Gartengeschichte der Schweiz. 1889 von Henry Correvon auf der Nordseite des Grossen Sankt Bernhards auf 1689 Metern über Meer gegründet, ist er nämlich der älteste botanische Alpengarten der Westalpen. Der Gärtner aus Yverdon war es übrigens auch, der schon 1883 die «Association pour la protection des plantes» ins Leben rief, die erste Initiative zum Pflanzenschutz in der Schweiz. Lange war der Garten verwildert, bis er 1989 zum 100-Jahr-Jubiläum komplett restauriert und nun von den Gärtnern des Konservatoriums und des Botanischen Gartens der Stadt Genf betreut wird.

1 Kommentar
    Susan Frischknecht

    Im Engadin sieht man den "Alpengarten" überall auf den Wiesen, man muss sich nur etwas zu Fuss vorwärts bewegen. Wächst dort ganz von alleine und ist wunderschön. Edelweiss, Enzian und sonst noch viel Seltenes und Interessantes.