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Flückiger Frischprodukte HuttwilDie zehn schönsten Tage fallen aus

Käthy Flückiger und Elisabeth Liechti freuten sich auf ihre 30. BEA. Doch nun wurde diese abgesagt.

Im Laden in Huttwil statt an der BEA (v.l.): Elisabeth Liechti, Käthy Flückiger und Barbara Röthlisberger.
Im Laden in Huttwil statt an der BEA (v.l.): Elisabeth Liechti, Käthy Flückiger und Barbara Röthlisberger.
Foto: Christian Pfander

Dass man Käthy Flückiger gegenwärtig im Frischprodukteladen ihres Familienbetriebes antrifft, ist nicht selbstverständlich. Denn für sie und die langjährige Mitarbeiterin Elisabeth Liechti wären eigentlich die zehn schönsten Tage des Jahres angesagt, wie sie die BEA in Bern in Anlehnung an die «drei scheenste Täg» der Basler für ihre Fasnacht nennen.

Doch die BEA ist wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Dabei wäre diese für die beiden Frauen eine ganz besondere gewesen: Zum 30. Mal wollten sie dort ihr Wursthüsli aufstellen. «Ich wollte unbedingt nochmals dabei sein», sagt Elisabeth Liechti, die dieses Jahr ihren 70. Geburtstag feiert.

Es passte alles

Als sich Käthy und Rudolf Flückiger 1990 Gedanken machten, an der Berner Messe teilzunehmen, habe alles zusammengepasst, sagt sie. «Man machte uns keine grossen Hoffnungen», erinnert sie sich. Denn die Warteliste sei lang gewesen. «Doch ausgerechnet, als wir uns bewarben, war ein Aussteller unzufrieden mit seinem Nachbarstand.» Dieser bot Thaifood an, er selbst Kassetten mit Volksmusik. Er beschwerte sich bei der Messeleitung, drohte, ohne Veränderung der Ausstellung fernzubleiben.

Die Huttwiler mit ihren Würsten und Sandwiches waren der perfekte Ersatz und kamen zum Zug. «Wir waren froh, denn wir waren auf zusätzliche Einnahmen angewiesen.» Das stellt Käthy Flückiger fest, denn eben hatten sie und Rudolf die Metzgerei von seinen Eltern übernommen. Sie erweiterten sie nicht nur mit weiteren Frischprodukten, sondern bauten mit Partnern wie der Post, der Berner Kantonalbank und Denner ein neues Geschäftszentrum.

«Die Hypotheken waren hoch, der Zins mit heute unvorstellbaren sieben bis acht Prozent ebenfalls», sagt die heute 60-jährige Geschäftsfrau. Der angebotene Platz auf dem Berner Messegelände erwies sich als ideal: gleich beim Eingang Allmend und vor der grossen Halle. Der Betrieb lief bereits am Morgen auf Hochtouren, wenn die Aussteller eintrudelten. «Viele deckten sich bei uns mit Zwischenverpflegungen ein, und wenn sie am Abend in den Feierabend gingen, nahmen sie gleich nochmals etwas mit.» Dazwischen strömten die Besucherinnen und Besucher vorbei.

Gefragtes Angebot: Flückigers Wursthüsli an der BEA.
Gefragtes Angebot: Flückigers Wursthüsli an der BEA.
Foto: PD

Besonders ist den beiden Frauen die BEA 2014 in Erinnerung geblieben. Damals fand das Mittelländische Schwingfest nach 1985, 1988, 1993 und 2004 zum fünften Mal an der BEA statt. Aber erstmals nicht auf dem Aussengelände, sondern in der Postfinance-Arena.

Das Fest begann um acht Uhr, die ersten Zuschauer trudelten jedoch bereits um halb acht Uhr ein. «Als um neun Uhr die Ausstellung regulär öffnete, waren die Sandwiches bereits praktisch ausverkauft, und wir mussten Nachschub organisieren», erinnert sich Käthy Flückiger.

Stets mehr als ein Werbeauftritt

Für Flückiger Frischprodukte sei die BEA stets mehr gewesen als ein Werbeauftritt, um auf den Laden in Huttwil aufmerksam zu machen, hält Käthy Flückiger fest. Der Erfolg ermunterte sie zu weiteren Aussenauftritten wie im Tivoli Spreitenbach, an der Luga in Luzern oder der Basler Herbstmesse. Die «schönsten Tage» aber blieben jene in Bern.

Das liege daran, dass die BEA auch unter dem Dach der MCH Group ihren traditionellen Charakter behalten habe, erklärt Käthy Flückiger. Zu diesem tragen der starke Bezug zur Landwirtschaft und die ergänzende Ausstellung Pferd bei. Für sie und Elisabeth Liechti jedenfalls sei die BEA mit ihren Organisatoren, Ausstellenden und Besuchenden zu einer grossen Familie geworden.

Doch hält diese Familie auch der Digitalisierung stand, setzt doch die BEA-Leitung nach der Absage für dieses Jahr auf «künstliche Intelligenz und ein innovatives Online-Erlebnis», wie sie schrieb. Auf dem Online-Portal www.portal.bea-messe.ch könnten die Aussteller ihre Produkte und Angebote auf neuartige Weise inszenieren.

«Die Menschen brauchen die Begegnung. Sie gehen dorthin, wo diese geboten wird.»

Käthy Flückiger

Für Käthy Flückiger und Elisabeth Liechti ist jedoch klar, dass dies nicht die Zukunft der Messe ist. Das zeige gerade die aktuelle Krisenzeit: Die Menschen brauchten die Begegnung. Sie gingen dorthin, wo diese geboten werde. Für sie ist deshalb klar, dass sie ihre 30. BEA nächstes Jahr nachholen werden. Das wird zugleich die 70. BEA sein, nachdem die erste 1951 über die Bühne gegangen war. Das wären dann zusammen 100 Jahre BEA.

Nur ein Zwischenspiel

Auch für die Ausstellungsverantwortlichen ist die virtuelle BEA offensichtlich nur ein pandemiebedingtes Zwischenspiel. Für nächstes Jahr planen sie ein Feuerwerk von Ideen, wie es Mediensprecher Adrian Erni formuliert. Allerdings weniger wegen des Jubiläums, denn streng genommen werde es wegen des diesjährigen Ausfalls ja erst die 69. BEA sein. Sondern vielmehr, um den Besucherinnen und Besuchern einen Ersatz für die ausgefallene Ausstellung zu bieten. Mehr dazu kann er im Moment noch nicht verraten, denn noch befinde man sich erst im Stadium der Ideensammlung.

Käthy Flückiger jedenfalls ist bereits ganz kribbelig, wenn sie nur daran denkt. Mit Barbara Röthlisberger steht zudem eine Kollegin in den Startlöchern, um Elisabeth Liechti zu ersetzen. Auch für sie werden die zehn Ausstellungstage der BEA wohl schnell die zehn schönsten im Jahr sein.