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Aufregung um den Geächteten

Lebenslang gesperrt, dennoch wieder mitdabei: Wie Lance Armstrong bei der Tour de France für Aufruhr sorgt – statt ignoriert zu werden.

Lance Armstrong (43) am Wohltätigkeits-Rennen der Tour de France 2015.
Lance Armstrong (43) am Wohltätigkeits-Rennen der Tour de France 2015.
Fred Lancelot, Reuters

Der Mann mit den grauen Schläfen, dem Dutzendhelm und Sonnenbrille, wirkte wie ein Hobbyvelofahrer. Einer, der sich einer guten Sache verpflichtete: einer Wohltätigkeits-Tour, die alle 21 Etappen der Tour de France abfährt, jeweils einen Tag vor den Profis.

Warum also warteten Heerscharen von Journalisten in aller Frühe auf einem Parkplatz, um darüber zu berichten? Weil der Mann Lance Armstrong war, der lebenslang Gesperrte und Geächtete. Der 43-Jährige schloss sich für die Etappen gestern und heute dem ehemaligen Fussballer Geoff Thomas an, der mit dieser Rundfahrt Geld für Leukämiekranke sammeln will.

Schon im Vorfeld hatte das Wellen geworfen, Weltverbandspräsident Brian Cookson warf Armstrong «Mangel an Respekt für die Tour, die anderen Fahrer, die UCI und alle Leute, die das Doping bekämpfen» vor. Nun zeigte sich wieder einmal, dass Armstrong nur ein Teil des Problems ist. Viele Medien lieben kaum etwas mehr, als sich immer wieder auf ein Neues über den gestürzten Rekordsieger zu enervieren – statt ihn zu ignorieren.

Nichts zeigte das besser, als die Verwertung von Armstrongs Äusserungen, die dieser auf Twitter nach der ersten Bergetappe und Froomes Demonstration abgesetzt hatte. «Offensichtlich sind Froome/Porte/Sky sehr stark. Zu stark um sauber zu sein? Fragen Sie nicht mich, ich habe keine Ahnung», schrieb er. Das Gros der Medien beendete sein Zitat nach dem Fragezeichen – so liess sich eine knackige Dopinganschuldigung an Sky in die Aussage hineininterpretieren. Da half es auch nicht, wenn er genau diesen Vorwurf wenig später dezidiert in Abrede stellte.

Armstrong gab, bevor er sich aufs Rad setzte, noch eine treffende Ein­schätzung des Radsports der Gegenwart ab. Der Sport stecke den Kopf in den Sand, verweigere sich dem Problem, wie er mit einer ganzen Generation (von Dopern) umgehen solle. Er spielte damit auf seine Ächtung an – und die Tatsache, dass viele andere Ex-Doper sehr wohl weiterhin geduldet sind.

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