«Da ist er der Beste der Welt»

Speed-Trainer Sepp Brunner sagt, was Beat Feuz von allen anderen unterscheidet.

«Hätte er zwei gesunde Knie, wäre er der Massstab in der Abfahrt», sagt sein Trainer über Beat Feuz. Foto: Thomas Bachun (Gepa)

«Hätte er zwei gesunde Knie, wäre er der Massstab in der Abfahrt», sagt sein Trainer über Beat Feuz. Foto: Thomas Bachun (Gepa)

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Es war der zweite Coup innert einer ­Woche: Nach Rang 2 in Kitzbühel verblüffte Beat Feuz mit dem nächsten ­Podestplatz in Garmisch – erst vor zwei Wochen war er nach einem Teilabriss der Achillessehne in den Weltcup zurückgekehrt. In Oberbayern waren nur der Norweger Aleksander Kilde (23) und der Slowene Bostjan Kline (24) schneller. Sepp Brunner (57), langjähriger Trainer von Feuz, spricht über die aussergewöhnlichen ­Fähigkeiten des 28-Jährigen und erzählt, wieso auch er noch über ihn staunt.

Beat Feuz kann sich seine Exploits nicht erklären. Können Sie es?
Ich kann nur sagen: Es ist halt Beat Feuz. Wie er immer wieder zurückgekommen ist und gerade, wie er das jetzt wieder tut, ist schon sensationell. Seine Stärke liegt im Kopf, der im Skisport 50 Prozent ausmacht. Als er sich nach Wengen entschieden hat, weitere Rennen zu fahren, war sein Ziel, in die Top 25 der Abfahrt zu kommen. Jetzt hat er diesen Platz schon nach drei Rennen auf sicher.

Sie arbeiten seit neun Jahren mit ihm. Kann er Sie noch überraschen?
Er hat mich schon so oft überrascht. Ein anderer sagt: «Mit so wenig Training, mit einem Spezialschuh gehe ich das ­Risiko nicht ein.» Er steckt das einfach weg. In Garmisch war er schnell, mit praktisch null Vorbereitung, mit schlechter Sicht. Das sind Sachen, die auch für mich fast unerklärlich sind.

Sie sagen, andere würden das Risiko nicht eingehen. Ist er unvernünftig?
Nein, er schätzt sich richtig ein. Wenn er in Kitzbühel gemerkt hätte, dass er keine Chance hat, in die Top 20 zu fahren, wäre er auch nicht gestartet.

Braucht Feuz weniger Training als andere?
Ich bin schon lange Trainer, habe viele Athleten betreut, aber ich kenne keinen, der solche Stärken mitbringt wie er. Das Gefühl, das er hat, den Instinkt für Situationen, in denen er genau weiss, wie er reagieren muss, und eben: den Kopf. Ich kenne niemanden, der mit dieser Verletzungsgeschichte so schnell wieder dort wäre, wo Beat jetzt ist. In diesen Punkten ist er der Beste der Welt.

Sie sprachen von der mentalen Stärke. Zweifelte er auch 2012 nie, nach der Infektion im linken Knie?
Es hat ihn schon brutal beschäftigt, dass das passiert ist, und auch, wie das Ganze danach gehandhabt wurde. Seine Karriere stand auf Messers Schneide. Lange sah es so aus, als ob das Knie steif ­bleiben würde. Aber als er merkte, dass er das Knie in den Griff bekommt, auch die ­Bewegungen, suchte er sofort nach Herausforderungen und Chancen. Schon war er wieder fokussiert, wusste, in welche Richtung er gehen will.

Wie war das nach der jüngsten Verletzung?
Das Erste, was er mir schrieb, war: «Du wirst sehen: Ich komme stärker zurück, als ich vorher war.» Er hatte schon wieder alles verdrängt und das Positive gesucht. Er ist ein Phänomen.

Sein Knie aber beschäftigt ihn noch. Wie gross ist dieses Handicap?
Es wird nie mehr so sein, wie es sein sollte. Er kann nicht die Umfänge trainieren wie ein Gesunder, wie es Aksel Svindal etwa vor seiner Verletzung tat. Aber dank seinem Talent braucht er das auch gar nicht zu tun.

Was trauen Sie ihm noch zu?
Wenn alles passt, traue ich ihm selbst in dieser Saison zu, um Siege mitfahren zu können. Ich bin sicher, dass er uns in ­Zukunft noch viel Freude bereiten wird.

Kann irgendwann der Gesamtweltcup wieder zum Thema werden?
Das glaube ich nicht, weil sein Knie die Belastung eines Riesenslaloms nicht mehr aushalten würde.

Denken Sie manchmal daran, was für Feuz alles möglich gewesen wäre, wenn er gesund geblieben wäre?
Ja sicher. Ich bin überzeugt, dass er wie 2011/12 um den Gesamtweltcup mitfahren könnte. Und: Hätte er zwei gesunde Knie, wäre er wohl der Massstab in der Abfahrt.

Sie waren nach der schweren Ver­letzung 2012 sein Individualtrainer. Was ist Beat Feuz für ein Schüler?
Er ist einer, der sehr gezielt arbeiten kann, der auch Stopp sagen kann, was nicht viele Athleten können. Wenn er sein Knie spürte, brachen wir ab. Er geht sehr geschickt mit seinem Körper um. Er muss das auch tun. Überreizt er sein Knie, dann fällt er schnell 14 Tage aus.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 31.01.2016, 21:23 Uhr

Sepp Brunner.

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