Das toxische Erbe von Trump

Der Hass vieler Amerikaner auf das Establishment und die Einwanderer aus dem Süden wird nach der Wahl nicht abnehmen.

Gestörtes Weltbild: Donald Trump während eines Wahlkampfauftritts. Foto: Evan Vucci (Keystone)

Gestörtes Weltbild: Donald Trump während eines Wahlkampfauftritts. Foto: Evan Vucci (Keystone)

Hubert Wetzel@hubert_wetzel

Die zweite Fernsehdebatte zwischen Donald Trump und Hillary Clinton zeigte: Donald Trump ist nicht nur ein Lügner, sondern auch rachsüchtig und bedrohlich. Wäre er ein Oberst in irgendeiner Bananenrepublik, müsste man befürchten, dass er mit ein paar Panzern die Hauptstadt besetzt, sich selbst zum Generalísimo befördert und seine politischen Gegner allesamt einsperren lässt. Die Drohung des republikanischen Präsidentschaftskandidaten, seine demokratische Rivalin Clinton ins Gefängnis zu werfen, geäussert vor einem Millionenpublikum, sagt viel aus über das gestörte Weltbild dieses Mannes.

Alle, die Trumps paranoide, autoritäre Ansichten teilen, werden begeistert gewesen sein von dessen Auftritt. Die meisten Amerikaner aber sahen vermutlich etwas anderes: einen Kandidaten, den nichts antreibt ausser seinem persönlichen Ehrgeiz, der nichts zu bieten hat ausser leeren Sprüchen. Man ahnt nach dieser Debatte: Trump wird verlieren. Hillary Clinton ist zwar eine schwache Kandidatin, die reichlich eigene Probleme mitbringt; es gibt viele amerikanische Wähler, die Clinton abgrundtief hassen oder sich eine Gestalt wie Trump im Weissen Haus wünschen. Am Ende aber werden die Hasser und die Fans nicht ausreichen, um Trump zum Präsidenten zu machen.

Doch Trump wird nicht anständig verlieren. Er wird bis zum Wahltag um sich schlagen, und es ist ihm egal, wen er trifft und was er zerstört. Von der einst stolzen Republikanischen Partei ist kaum noch etwas übrig. Trump hat die Legitimität von amerikanischen Wahlen infrage gestellt, was sich noch rächen könnte. Vor allem aber hat Trump einem wesentlichen Teil der Wähler eingeredet, alle ihre Probleme würden gelöst, wenn man eine hohe Mauer baut und jeden rauswirft, den man irgendwie nicht mag. Das war demagogisch, aber es funktionierte, weil sehr viele Amerikaner tatsächlich prekäre Leben führen und weil sich das Washingtoner Establishment, zu dem Clinton gehört, tatsächlich seit Jahrzehnten nicht darum gekümmert hat. Diese Menschen werden auch nach Trumps Niederlage an dessen Sündenbockgerede glauben. Das ist Trumps toxisches Erbe.

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