Die Lust der Sauber-Piloten

Felipe Nasr und Marcus Ericsson sind bereit für die heute beginnende Saison – sind es auch Team und Auto?

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Was antwortet Monisha Kaltenborn auf die Frage, wie ernst es finanziell um ihr Team stehe? «Diese Frage stellt man uns ­jedes Jahr – und jedes Jahr sind wir da.»

Ja, Sauber ist auch beim Formel-1-­Auftakt an diesem Wochenende dabei, zum 24. Mal. Den jüngsten Schwierigkeiten zum Trotz. Den Problemen bei der Überweisung der Februargehälter, die zwei Drittel der über 300 Mitarbeiter mit knapp zwei Wochen Verspätung ­erhielten. Und auch das neue Auto ist da, auch das kam – ganz unschweizerisch – verspätet. Erst zum zweiten Teil der Tests auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya war der C35 bereit. Weg ist hingegen der Technische ­Direktor Mark Smith, der wenige Tage vor dem Start in Melbourne «aus familiären Gründen» nach Grossbritannien zurückkehrte.

Es war eine turbulente Vorbereitung für Sauber. Das kennt der Rennstall. ­Spätestens seit dem letzten Jahr, als ­Ex-Ersatzfahrer Giedo van der Garde in der Woche vor dem ersten Rennen vor Gericht zog, um sich einen Platz in einem der zwei Cockpits zu erstreiten, er recht bekam und letztlich mit 15 Millionen Euro ruhiggestellt wurde.

Sie bringen nicht nur Geld mit

Unbeeindruckt vom Trubel um ihr Team zeigten sich die Jungfahrer Felipe Nasr und Marcus Ericsson. Der eine mittlerweile 23, der andere 25 Jahre alt. Der Brasilianer ein Rookie, der Schwede vom Hinterbänkler-Team Caterham ­gekommen. Mit den Rängen 5 und 8 sorgten sie für den besten Start in der Geschichte der Schweizer. Und ja: Auch sie sind noch da. Zum Glück für Sauber, stemmen sie dank Sponsoren und Gönnern mit rund 35 Millionen Franken doch mehr als ein Drittel des Budgets.

Doch nicht nur deshalb ist man in Hinwil glücklich mit den beiden Piloten. Man schwärmt über ihre Fortschritte, ihre Zusammenarbeit mit den Ingenieuren, über ihre Professionalität. Dass Top-10-Plätze unrealistischer wurden, je länger die Saison dauerte, hing vor ­allem mit ihrem Arbeitsgerät zusammen, das wegen der knappen finanziellen ­Ressourcen während des Jahres kaum weiterentwickelt werden konnte.

Ein Schuss frei – und der sass

Darauf müssen sich Nasr und Ericsson wohl auch 2016 einstellen. Auch einen fulminanten Auftakt wie im Vorjahr ­dürfen sie nicht erwarten – nach nur vier Testtagen. Nasr kommentiert lapidar: «Es ist besser, das neue Auto zu spät zu haben als gar nicht.» Obwohl er vermutet, dass es beim Start noch nicht bei 100 Prozent sein werde, rechnet er in der Anfangsphase mit den besten Aussichten auf Punkte. Vor allem, weil die Konkurrenz dann am ehesten schwächelt. «Weil das Auto aber nach einem neuen Konzept entwickelt wurde, werden wohl auch wir Zeit brauchen, um es genau zu studieren und richtig einzustellen», sagt Nasr. Er aber glaubt, bereit zu sein. «Ich kenne jetzt die Strecken, bin voll ins Team integriert, fühle mich wohl und habe mehr Erfahrung.»

Vor seinem Premierenjahr war das noch anders. «Es gab so viele Dinge, an die ich mich gewöhnen musste. Ich musste lernen – viel und sehr schnell. Und als Zusatz hatte ich auch noch zu ­beweisen, dass ich überhaupt fähig bin, in der Formel 1 zu fahren», sagt Nasr. Dass ihm der Exploit gleich im ersten Rennen gelang, war eine grosse Erleichterung. «Wir hatten einen Schuss frei, der musste sitzen. Und der sass auch», so beschreibt es Nasr und ­erklärt: «Wir wussten, dass wir ­danach wegen der ­eingeschränkten Mittel Schwierigkeiten haben würden.»

Dass er in der Heimat gleich mit ­Nelson Piquet, Emerson Fittipaldi oder Ayrton Senna verglichen wurde, kommentiert er so: «Ein Brasilianer zu sein, heisst auch, dass die Leute Erwartungen haben. Sie wollen dich siegen sehen. Dorthin will ich natürlich kommen.» Sein Weg bei Sauber könnte daher nach dieser Saison zu Ende sein, wenn sein Vertrag ausläuft.

Ericsson fühlt sich wie zu Hause

Auch der Kontrakt von Teamkollege Ericsson endet dann. Wer den Schweden reden hört, kriegt aber nicht den Eindruck, dass es ihn bald weiterzieht. Er sagt: «Ob ich bleibe, weiss ich noch nicht. Aber ich fühle mich bei diesem Team wie zu Hause und geniesse es hier. Ich hoffe, dass wir für eine lange Zeit ­zusammenbleiben können.»

Dabei hat auch er keine einfache ­Saison hinter sich. Vor allem in der ersten Hälfte war er gerade gegen seinen jüngeren Kollegen abermals chancenlos. Ericsson erklärt das so: «Zu Beginn ­hatten wir ein starkes Auto, mit dem es möglich war, aus eigener Kraft in die Top 10 zu fahren. Ich wollte unbedingt zeigen, dass ich das kann – und habe es übertrieben.» Er habe den Erfolg zu ­erzwingen versuch, «und habe dabei zu sehr auf Nasr geschaut und auf andere Dinge. Ich konzentrierte mich zu wenig auf meine Leistung.»

Das sei ihm auch dank Gesprächen mit seinem Manager und seinem Fitnesstrainer danach besser gelungen. Das belegen die Zahlen: Während er in den ersten acht Qualifyings sechsmal langsamer war als Nasr, entschied er die elf folgenden Duelle mit 7:4 für sich. Auch deswegen ist Ericssons Vorfreude auf die neue Saison gross. Zudem sei er so gut in Form wie noch nie, sagt er. «Ich habe echt geschuftet und ein sehr hohes Fitnesslevel erreicht.»

Die Fahrer des Sauber-Teams also sind bereit. Zumindest sie.

Quiz: Sind Sie ein Formel-1-Experte? (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.03.2016, 02:04 Uhr

Fahrer und Teams 2016

Strecken 2016

Saison 2016

Neues Qualifying, lauter Sound

Die Saison 2016 wartet mit einzelnen Neuerungen auf. Technisch ändern sich am Auto nur Kleinigkeiten, und auch das sportliche Reglement wurde nur in einem Punkt massgeblich verändert: dem Qualifying-Modus. Zwei Wochen vor Saisonstart segnete der Weltrat einen neuen Modus ab, um dem Qualifying ein bisschen mehr Action zu verpassen. Es wird weiter in drei Teilen gefahren, allerdings im Rahmen eines Ausscheidungsrennens: Der 1. Teil dauert 16 Minuten. Nach 7 Minuten scheidet alle 90 Sekunden der hinterste Fahrer aus, bis noch 15 übrig sind. Im 15-minütigen 2. Teil beginnt die Ausscheidung nach 6 Minuten. Wieder scheidet im 90-Sekunden-Takt der Langsamste aus, bis noch 8 Fahrer übrig sind. Im 3. Teil (14 Minuten) beginnt das ­Aussortieren nach 5 Minuten, bis nur noch zwei übrig sind. Diese duellieren sich um ­ die Pole­position.

Seit die Autos von einem V6-Turbo-­Hybrid-Motor angetrieben werden, wird der laute Sound vermisst. Dem wird nun nach­geholfen. Auf dieses Jahr müssen die Autos mit bis zu zwei zusätzliche Auspuffrohren ausgestattet sein. Dadurch wird die Lautstärke der Turbo-Aggregate erhöht und den Motoren ihr Röhren wiedergegeben. (abb)

Artikel zum Thema

Fahrt am Abgrund

Eine Woche vor dem Start zur Formel-1-Saison dominieren beim Team Sauber die finanziellen Nöte – einmal mehr. Mehr...

Sauber präsentiert seinen neuen Boliden

Der C35 des Rennstalls Sauber kommt schmaler und kompakter daher. Am Dienstag findet der Roll-Out des Formel-1-Autos in Barcelona statt. Mehr...

Formel 1: GP England

NameTeamZeit
1.Lewis HamiltonMercedes 1:21:27.430
2.Valtteri BottasMercedes +14.063
3.Kimi RaeikkoenenFerrari +36.570
4.Max VerstappenRed Bull +52.125
5.Daniel RicciardoRed Bull +1:05.955
6.Nico HuelkenbergLotus Renault +1:08.109
7.Sebastian VettelFerrari +1:33.989
8.Esteban OconForce India+ 1 Runde
9.Sergio PerezForce India+ 1 Runde
10.Felipe MassaWilliams+ 1 Runde
Mehr...
Stand: 17.07.2017 07:35

Formel 1: WM-Stand Fahrer

NameTeamP
1.Lewis HamiltonMercedes72861
1.Lewis HamiltonMercedes381
3.Sebastian VettelFerrari72871
3.Sebastian VettelFerrari278
4.Kimi RaeikkoenenFerrari72871
4.Kimi RaeikkoenenFerrari150
5.Valtteri BottasMercedes72867
5.Valtteri BottasMercedes136
6.Felipe MassaWilliams72867
6.Felipe MassaWilliams121
Mehr...
Stand: 11.04.2016 10:40

Service

Auf die Lesezeichenleiste

Hier lesen Sie unsere Blogs.

Kommentare

Blogs

Mamablog Mit Kindern über Flüchtlinge reden

Sweet Home Kommen Sie mit auf die rosa Wolke

Abo

Immer die Region zuerst. Im Digital-Light- Abo.

Den Berner Oberländer digital im Web oder auf dem Smartphone nutzen. Für nur CHF 17.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Volle Lippen: Indische Künstler verkleiden sich während des Dussehra Fests in Bhopal als Gottheit Hanuman. (19.Oktober 2018)
(Bild: Sanjeev Gupta/EPA) Mehr...