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Die Ratten von Johannesburg

Sie riskieren ihr Leben für etwas Gold. Das kilometerlange Geflecht aus Stollen unter der südafrikanischen Metropole ist in der Hand der Zama Zama.

Es ist dunkel. Doch die Öffnung am Fuss der Felswand ist deutlich auszumachen. Sie ist noch schwärzer als die Nacht. Zunächst müssen wir eine Pfütze mit knietiefem Wasser durchqueren, dann schlägt uns der warme, modrige Mief einer Höhle entgegen. Meine drei Begleiter wechseln am Eingang des Stollens ihre Kleider aus: Die verschlissenen Alltagsklamotten werden durch staubverkrustete Lappen ersetzt.

Die ersten Hundert Meter können wir aufrecht gehen. Dann seilen wir uns an einem dicken Stromkabel in einen rund zehn Meter tiefen Schacht ab. Unten sind wir mit einem Nadelöhr konfrontiert, durch das wir über mehrere Biegungen hinweg auf dem Bauch kriechen – über uns Millionen von Tonnen an Gestein. Das Nadelöhr kam durch einen der Felsabbrüche zustande, die in den verlassenen und nicht mehr abgesicherten Stollen immer wieder vorkommen – zahllose illegale Minenarbeiter wurden von solchen Felsabbrüchen zerquetscht. Schliesslich weitet sich der Gang wieder zu einem begehbaren Stollen aus, und nach weiteren zweihundert Metern erreichen wir eine abschüssige Felskammer, unser Ziel. Rechts an der Wand ist eine rund dreissig Zentimeter breite Gesteinsschicht zu erkennen. Sie zeichnet sich durch ihre dunklere Tönung und eingebackene Kiesel aus. Die Schicht gehört zum Main Reef, dem ergiebigsten Goldadergeflecht der Erde, dem Johannesburg sein Dasein verdankt.

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