Erwin und die Ahnungslosen

Ohrfeigen, Tiefflieger und Flirts: Der Schweizer Fussball hat uns ein Jahr lang unterhalten – und irritiert. Ein A bis Z.

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Awie Ahnungslose

Sein Club ging mit dem alten Trainer in die neue Saison – nach drei Runden war dann doch genug. Sein Club wollte oben sein – und steht unten. Sein Club will jetzt mehrere Spieler loswerden – bekommt aber kaum Lizenzen für Zuzüge. Und wer seine Entscheidungen hinterfragt, bekommt zu hören, was er von Kritikern hält: «Ahnungslose.»

Bwie Brüggligfeld

Das Aarauer Stadion, eröffnet 1924, hat schon vieles erlebt, aber nie eine Medienkonferenz wie diese. GC war am 9. Mai zu Gast. Vertreten durch Präsident Stephan Anliker nahm sich der Gastclub die Freiheit, die Arbeit des gerade entlassenen Sportchefs Axel Thoma im Stadionrestaurant zu beurteilen. In Kurzform, was Anliker sagte: Thoma sei ein konzeptloser, unfähiger, verschlossener Blender gewesen.

Cwie Ciao

Renato Steffen könnte auch unter «T» auftauchen, weil er zu den Spielern gehört, die sich gerne ohne Gegnerkontakt auf den Rasen legen. Doch um Albion Avdijaj Konkurrenz zu machen, fehlt ihm die Ehrlichkeit. Steffen taucht darum unter C auf, weil er YB spätestens Ende Saison «Ciao» sagt. Da liegt er nun, der Renato Steffen. Und wie gehts weiter bei ihm? Foto: Keystone

Dwie Dienstältester

Wenn Christian Constantins Trainer am drittlängsten dabei ist, bedeutet das: Es war unruhig in der Super League. Niemand ist länger beim gleichen Club als Giorgio Contini von Vaduz mit gut drei Jahren oder 1125 Tagen. Luzerns Markus Babbel schafft es mit 428 Tagen auf Rang 2, Didier Tholot von Sion mit 344 Tagen auf Platz 3.

Ewie Erwin

Eigentlich heisst er Erdin. Und eigentlich war er ein lustiger junger Mann, als er noch im Coop eine Lehre absolvierte und entspannt von der schwierigen Vergangenheit der Familie Shaqiri erzählte. Irgendwann hat er sich verändert, heute ist er der Berater des kleinen Bruders und besteht darauf, dessen Interviews gegenzulesen. Vielleicht müsste er mit der «Gazzetta dello Sport» ein ernstes Wort reden. Die nennt ihn «Erwin». Erdin Shaqiri erklärt das Wesen des Spielerberaters. Quelle: Youtube

Fwie Flirt

Sie wollten weg und sind noch hier. Franck Etoundi war Anfang August schon auf Korsika, pokerte aber so hoch, bis Bastia keine Lust mehr hatte. Der Wert des FCZ-Stürmers ist seither nicht grösser geworden. Munas Dabbur wollte zu ­Palermo, GC legte sein Veto ein, und alle können glücklich sein. Dabbur geht es in Zürich weiterhin bestens, und er hat noch einmal massiv an Wert zugelegt.

Gwie Goalgetter

Shkelzen Gashi ist der Zauberwürfel: Bei beiden braucht es ­Geduld und Denkarbeit um mehrere Ecken. Wer ihm einen Platz im Team ­erfindet, auf dem er 89 Minuten lang schleichen kann, den belohnt er mit ­Toren. Bislang scheitert Basels Urs ­Fischer an der Aufgabe mit dem Torschützenkönig der letzten zwei Saisons.

Hwie Heida

Nichts ist abgelutschter als ein Cupfinal-Text über Fendant und Raclette. Darum also Heida, ein anderer Walliser Weisswein. Auch der floss beim 13. Sieg im 13. Finalauftritt des FC Sion. Auf dem Feld wirbelten Carlitos und Freunde. Und dem FCB gebührte Dank, weil er zumindest physisch anwesend war und so das Cupfest möglich machte. Manchmal denkt man ja schon, die Walliser bauen ihren Wein nur an, damit sie nach dem Cupfinal feiern können. Foto: Keystone

Iwie Investoren

Der ausländische ­Investor im Schweizer Fussball war stets das untrügliche Zeichen, dass ein Club vor die Hunde geht. Kamerunische Bierbrauer, polnische Brillenhändler, französische Spielervermittler, tschetschenische Volkstanzfreunde, sie alle sind angetreten – und gescheitert. Jetzt versucht sich der türkische Milliardär Mehmet Nazif Günal in Wil. Die Ziele sind hoch: Aufstieg, Europacup. Die Rechnungen: bislang bezahlt. Das Gefühl: diffus.

Jwie Jeggings

Er hat den FC Basel mit pendelnden Viererketten und Schlafüberwachung der Spieler modernisiert. In der Freizeit umarmte er Bäume, was so ähnlich ausgesehen haben mag, wie wenn ein eher klein gewachsener «S» seinen gross gewachsenen Trainer zu herzen versucht. Ewig in Erinnerung bleiben wird Paulo Sousa aber wegen seiner ­Hosen im Duell mit GC am 2. Februar. Jeggings! Eine Mischung aus Stretch und Jeans, aufregender als fast alle Spiele des FCB unter dem Portugiesen.

Kwie Kritiker

Reinhard Fromm ist als Verpackungsunternehmer vermögend geworden. Von seiner Art, gerne zu ­geben, profitieren Stan Wawrinka oder auch GC. Und solange er bei GC im Verwaltungsrat sass, war er auch dankbar für Journalisten. Weil er mit seiner Meinung nicht zurückhielt und zum Beispiel die Führungskrise beim Rekordmeister als «penibles Trauerspiel» beschrieb. Im Juni trat er zurück. Der Zufall will es, dass seither bei GC Ruhe herrscht. Fromm und GC, das war einmal eine erquickliche Geschichte. Foto: Keystone

Lwie Liederabende

Fredy Bickel mag gesellige Abende, Edith Piaf, Schlager, Rock und alte Weggefährten, die er bei YB gerne um sich hat. Er mag auch Francine Jordi. Zumindest hat er in einem Interview gesagt, sie sei «eine tolle Frau». Was nun die Frage zulässt, was er sich mehr wünscht: einen Liederabend mit Jordi oder doch einen Titel mit YB?

Mwie Maulwurf

Die «Aargauer Zeitung» berichtete jüngst von einem «Balkangraben» im Nationalteam. Ihr Erfindergeist ging so weit, dass sie sogar auch schrieb, ihr Informant sei nicht Valentin Stocker gewesen. Selten ist jemand mehr als Maulwurf gebrandmarkt worden als der Basler von Hertha. Der arme Kerl hat keine Ahnung, welch schlechtes Image er über dem Boden hat. Foto: iStock

Nwie Niemand

Niemand wird Meister, ausser Basel.

Owie Ohrfeige

Warum David Da Costa im April als Goalie des FCZ durch Yanick Brecher ersetzt werden musste, bleibt weiter rätselhaft. Ein Gerücht, das unter Fussballprofis kursiert: Da Costa soll Yassine Chikhaoui abgewatscht haben – wortwörtlich. Unbestritten: Da Costa ist jetzt in Italien. Chikhaoui in der Wüste. Und Brecher auf der Bank. Muss man sich das so vorstellen mit der Ohrfeige? Wir hoffen doch nicht. Quelle: Youtube

Pwie Party

Nach der letzten Meisterschaftsrunde am 25. Mai 2016, 22 Uhr, gibts ein Fest – wenn sich der FCZ in die Challenge League verabschiedet haben sollte. Auf Facebook haben mehr als 4100 Personen ihre Teilnahme zugesagt an der «FC Zürich Abstiegsparty».

Qwie Qualm

Zdenek Zeman gesteht ein, dass es ein grosser Fehler sei, so oft an der Zigarette zu hängen. Wer mit dem wortkargen Trainer Luganos ein Interview machen will, muss auf schönes Wetter setzen. Dann kann man es draussen führen und immerhin auf die Dauer von zehn Zigaretten hoffen.

Rwie Rot

Als Alex Frei in einem Seniorenspiel seines FC Biel-Benken immer wieder hart angegangen wird, teilt er dem Schiedsrichter mit: «Du kannst die Karte schon mal parat machen.» Gleich darauf foult er und fliegt vom Platz. «Der Schiedsrichter war übermotiviert. Gelb hätte gereicht», erklärt er. Trotzdem erhält er die längste Sperre seiner Karriere: von Oktober bis April. In Seniorenpartien umgerechnet sind das: vier Spiele.

Swie Sportchef

Er ist nicht nur Clubbesitzer. Er ist auch Sportchef. Er ist verantwortlich für die 27 Spieler, die in der ersten Saisonhälfte zum Kader gehörten. Wenn sein Trainer nun mehrere dieser Spieler loswerden will, weil er sie für leidenschaftslos, negativ und/oder fussballerisch ungenügend hält: Stellt sich dann die Frage, ob der Trainer auch ein Ahnungsloser ist?

Twie Tiefflug

Vielleicht findet Albion Avdijaj unter dem falschen Stichwort Eingang in diese Rubrik. Er könnte auch unter ? «E» wie Ehrlichkeit stehen, wenn da nicht schon Erwin wäre. Avdijaj rannte im Spiel beim FCZ allein aufs Tor zu, als er sich für die «Schwalbe entschied» und dafür verwarnt wurde. «Das war nicht clever», gab er zu. Und bot auch noch einen Einblick in sein Denken: «Ich als Fussballer schalte vor dem Spiel immer den Kopf ab. Wenn ich im Spiel bin, überlege ich nichts.»

Uwie unzimperlich

Mit dem guten, ­alten Gummiknüppel reagierten die ­Sicherheitsleute in Lugano, als ein paar GC-Anhänger im Anschluss an die Partie den Drang nach einer Rasenbegehung verspürten. Der Drang liess schnell nach.

Vwie Vera

Wer am Sonntag nach der EM-Gruppenaus­losung mit dem Zug von Paris nach Zürich fuhr, dem konnte es passieren, dass er mit einer Frau ins Gespräch kam, die neben viel ­Gepäck auch noch zwei Hunde und eine entspannte Art hat. Sie erzählte von der Korruption rund um die Olympischen Spiele in Rio, die sie so grauenhaft ­ärgert, von der Fifa, von Murphy, ihrem kleinen Allesfresser an der Leine, von ihren Geburtstags­einladungen, auf die sie gerne schreibt: «Schon wieder ein Jahr 21.» Wie es sich für eine Jetsetterin gehört, kam sie gerade von Ferien in Südamerika zurück. Was Vera Dillier nun mit der Super League zu tun hat? Gar nichts. Unter­haltend ist sie trotzdem. Und was hat jetzt Vera Dillier mit Fussball zu tun? Sie werden es kaum glauben... Foto: Keystone

Wwie weltweit

Sie schauen in Algerien, Ägypten, Bahrain. Mauretanien, Marokko, Oman. Sie schauen in England, Japan und den USA. In 46 Länder wird die Super League übertragen. Reich werden die Clubs damit nicht. Die Liga hat die Auslandrechte für 400'000 Franken an eine Agentur verkauft.

Xwie xx Millionen

Ein X reicht nicht, um die Summe zu umschreiben, die der FCB einstreichen wird, sollte Breel Embolo den Club verlassen. Im Basler Kommandozentrum sind sie sogar ziemlich ­sicher, dass die erste X eine 2 sein wird.

Ywie Yakin

Als YB und der FCZ einen Trainer suchten, wäre Murat Yakin zur Verfügung gestanden. Ein Österreicher und ein Finne bekamen den Vorzug. Yakin hat die Meisterschaft dennoch beeinflusst: Er hat GC zur Verpflichtung Kim Källströms geraten, und der ist zum einflussreichsten Spieler der Liga geworden.

Zwie Zügelferien

Es gibt Trainer, die sich nach fünf Spielen mit nur einem Sieg sofort an die Arbeit und Kurs­korrektur gemacht hätten. Sami Hyypiä nicht. Der Finne bekam zuerst noch neun Tage Zügelferien. Wer das nicht versteht, liest nochmals unter «A», woran es liegen könnte. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.12.2015, 23:25 Uhr

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36. Runde

02.06.FC Basel 1893 - FC St. Gallen4 : 1
02.06.FC Lugano - FC Luzern0 : 1
02.06.FC Sion - Grasshopper Club1 : 1
02.06.FC Vaduz - FC Thun1 : 3
02.06.BSC Young Boys - FC Lausanne-Sport2 : 0
Stand: 02.06.2017 22:38

Rangliste

NameSpSUNG:EP
1.FC Basel 189336268292:3586
2.BSC Young Boys36209772:4469
3.FC Lugano361581352:6153
4.FC Sion361561560:5551
5.FC Luzern361481462:6650
6.FC Thun3611121358:6345
7.FC St. Gallen361181743:5741
8.Grasshopper Club361081847:6138
9.FC Lausanne-Sport36981951:6235
10.FC Vaduz36792045:7830
Stand: 02.06.2017 22:39

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