Für Olympische Spiele war das unwürdig

Marcel Hirscher mag der richtige Sieger sein. Doch von Chancengleichheit konnte bei der Kombination keine Rede sein.

Eine Windböe fegt vor dem Kombinationsslalom über den Hang im Jeongseon Alpine Centre.

Eine Windböe fegt vor dem Kombinationsslalom über den Hang im Jeongseon Alpine Centre. Bild: Reuters

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Der beste Skifahrer hat gewonnen. Marcel Hirscher steht nach der Kombination aus den Disziplinen Abfahrt und Slalom zuoberst auf dem Podest. Ein würdiger Sieger, klar.

Alles gut also? Nein. Das Rennen mag keine Farce gewesen sein, Olympischen Spielen aber dennoch unwürdig. Der Wind während der Abfahrt war zwar weniger heftig als befürchtet. Aber er blies kräftig und vor allem unregelmässig, einmal von vorne, einmal von hinten, einmal von links, einmal von rechts. Von Chancengleichheit konnte keine Rede sein. Zudem hatten die Verantwortlichen den Lauf verkürzt und sogar die Kurssetzung leicht verändert. Die Sprünge wurden mit zusätzlichen blauen Toren umfahren – kein Schelm, wer von einer blauen Piste sprach.

Fünf Slalomfahrer auf den ersten fünf Plätzen

Lediglich sieben Slalomspezialisten befanden sich in den ersten 30 der Startliste. Am Ende belegten fünf von ihnen die ersten fünf Plätze. Auch wenn der Slalom ebenfalls verkürzt wurde, waren die Techniker auf dem schwierigen Hang klar bevorteilt. Kein Abfahrer kam nur ansatzweise in Medaillennähe. Mauro Caviezel beispielsweise, im Weltcup in diesem Winter 4. und 6. geworden und vor Jahresfrist in St. Moritz WM-Dritter, blieb chancenlos.

Keine Ausrede hingegen hat Luca Aerni. Der Kombinations-Weltmeister war einer der Profiteure am Morgen, hielt den Rückstand mit rund zwei Sekunden in engen Grenzen, kam im Slalom zudem in den Genuss einer frühen Startnummer. Aerni aber fuhr zu stark auf den Kanten, wirkte völlig verkrampft. Ihm fehlt das Selbstvertrauen – was nach der starken Phase um Weihnachten und Neujahr, als ihm der Durchbruch auch im Weltcup geglückt war, doch ziemlich überrascht. Besonders bitter: Bronze-Gewinner Victor Muffat-Jeandet liegt in der Slalom-Weltrangliste hinter dem Emmentaler, in der Abfahrt hatte der Franzose gar Zeit auf Aerni eingebüsst. Die Medaille wäre eigentlich bereit gelegen.

Hirscher: Verblüffend gut in der Abfahrt

Mit Silber (durch Alexis Pinturault) und Bronze bewiesen die Franzosen ihre Vormachtstellung im Zweiteiler: In den letzten 15 Kombinationen stand immer mindestens ein Athlet aus Frankreich auf dem Podest. An Hirscher jedoch führte kein Weg vorbei; der Dominator in den technischen Disziplinen verblüffte in der Abfahrt alle Experten und behob den letzten Makel in seinem beeindruckenden Palmarès.

Hirschers gewaltiger und auch selbst auferlegter Druck ist bei erster Gelegenheit abgefallen. Es überraschte nicht, sollte der Österreicher auch im Riesenslalom und Slalom reüssieren und eine der ganz grossen Figuren dieser Spiele werden. Seinen Platz in den Ski-Geschichtsbüchern hatte Hirscher als bislang sechsfacher Weltcup-Gesamtsieger und sechsfacher Weltmeister längst auf sicher, nun wird er als letzter Kombinationssieger auch Teil der olympischen Historie sein. In vier Jahren in Peking wird diese Disziplin nicht mehr ausgetragen.

Doch die These sei gewagt: Hätte es die Wetterkapriolen in den vergangenen Tagen nicht gegeben und bestünde grösserer zeitlicher Spielraum, wäre das Rennen nicht durchgeführt worden. Zumal sich die FIS mit der Kursanpassung in der Abfahrt in einer reglementarischen Grauzone bewegte, gleich mehrere Nationen Einwände deponierten. Weil die Gesundheit der Athleten nicht gefährdet wurde, war das Vorgehen des Weltskiverbandes legitim. Die Kombination aber, die vermutlich durch Parallel-Rennen ersetzt wird, hätte ein schöneres Ende verdient gehabt. Würdiger Sieger hin oder her.

Erstellt: 13.02.2018, 11:03 Uhr

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