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«Hey, wir ruderten über den Atlantik!»

Als erstes Schweizer Ruderteam überquerte Swiss Mocean den Atlantik. Am Samstag kamen die vier Freunde auf Antigua an. Luca Baltensperger schaut zurück auf ein Abenteuer, das kaum besser hätte laufen können.

Swiss Mocean auf den letzten Metern zum dritten Platz der Talisker Whisky Atlantic Challenge.
Swiss Mocean auf den letzten Metern zum dritten Platz der Talisker Whisky Atlantic Challenge.
Facebook.com/Atlantic Campaigns
Yves Schultheiss und Laurenz Elsässer an den Rudern meistern die letzten Wellen.
Yves Schultheiss und Laurenz Elsässer an den Rudern meistern die letzten Wellen.
Facebook.com/Atlantic Campaigns
Laurenz Elsässer, 26-jährig, Helikopterpilot in Ausbildung.
Laurenz Elsässer, 26-jährig, Helikopterpilot in Ausbildung.
Talisker Whisky Atlantic Challenge
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Als Luca Baltensperger vor rund vier Jahren in einer Berghütte auf die Idee kam, in einem Ruderboot den Atlantik zu überqueren, hätte er sich die Kulisse im Ziel wohl nicht schöner vorstellen können. Alle waren da: Familien, Freunde, Konkurrenten und Hunderte Zuschauer empfingen den 26-Jährigen und seine drei Kollegen Marlin Strub, Yves Schultheiss und Laurenz Elsässer am späten Samstagnachmittag (MEZ) in Antigua. 30 Tage und 6 Stunden davor hatten die vier Schweizer von der Kanareninsel La Gomera aus als eines von 27 Teams die 4800 Kilometer lange Strecke in Angriff genommen. Und nach einer Nacht zurück auf dem Festland war Jurastudent Baltensperger bereit für ein Interview.

Platz 3 an der Atlantic Challenge, schaukelt es noch unter den Füssen?

Wir sind extrem happy mit dem Resultat. Und heute ist es mit dem Schaukeln schon besser als gestern, als wir wie ­Betrunkene herumgelaufen sind, obwohl wir keinen Alkohol getrunken ­hatten. Dafür schmerzen die Gelenke, und Muskelkater plagt uns. Das hatte ich auf dem Ozean nie.

Sie haben gerade die erste Nacht seit einem Monat wieder in einem richtigen Bett geschlafen. Die war sehr geil! Ich konnte endlich wieder neun Stunden durchschlafen. Und die erste Dusche nach der Ankunft war noch besser. Wir essen auch sehr viel und gut hier, werden nie satt.

Was hätten Sie geantwortet, wenn Ihnen vor dem Start jemand gesagt hätte, Sie würden schon am 13. Januar in Antigua eintreffen?

(lacht) Ich hätte gesagt: «Schön, bist du so optimistisch, aber ich bereite mich auf 35 oder 40 Tage vor.»

Realisieren Sie schon, was Sie ­erreicht haben?

Nur langsam. Heute Morgen war so ein Moment, als ich aufgewacht bin und der Kollege nebenan sagte: «Hey, wir ruderten über den Atlantik.» Die Challenge war drei Jahre immer in unseren Köpfen und Teil unseres Lebens. Jetzt ist dieser Abschnitt vorbei. Aber wir sind nicht wehmütig, die schönen Erlebnisse überwiegen.

Sie haben während 30 Tagen nur Ihre drei Kollegen gesehen. Der Empfang mit Hunderten Leuten in Antigua muss überwältigend gewesen sein.

Ja, das war unglaublich schön. Anzukommen, die Familie wieder zu sehen, all diese Leute. Das Timing war aber auch gut. Wir kamen zwei Stunden nach Team Antigua an. Die hatten wohl den grössten Empfang in der Geschichte der Challenge. Man sagte uns, dass sie aus dem Boot gestiegen seien, nur schnell etwas gegessen und dann auf uns gewartet hätten. Auch die Briten, die ­gewonnen haben, waren da.

So wurde Swiss Mocean in Antigua empfangen.

Die Wertschätzung unter den Konkurrenten ist also gross. Sie haben ja auch noch auf den holländischen Soloruderer Mark Slats gewartet.

Genau. Zuerst gab es eine Dusche im ­Hotel, danach gingen wir direkt zurück zum Hafen. Wir hatten es in La Gomera schon sehr gut untereinander. Das Boot der Antiguaner und unseres waren im Hafen nebeneinander, und mit Slats tauschten wir uns vor dem Start oft aus. Umso schöner, dass man sich jetzt wieder sieht. Vor dem Rennen waren viele angespannt, jetzt ist die ganze Last von den Schultern gefallen.

Was waren die schönsten Erlebnisse im vergangenen Monat?

Die Ankunft war natürlich etwas vom Besten. Dann gab es Nächte mit wunderschönem Sternenhimmel. Die ganze Kuppel voll mit Sternen. Und einmal schwamm ein Wal an unserem Boot vorbei, das war sehr speziell.

Gab es auch kritische Momente?

Das waren klar die technischen Probleme nach dem Sturm nach einer Woche (das Steuerruder war defekt und musste mit Tauchgängen repariert werden). Das Bedrückende daran war die Einsicht, dass wir einige Dinge nicht ändern können. Wenn ich merke, dass ich wegen Müdigkeit nicht mehr rudern kann, ist das eine Sache. Doch die Technik kann ich nur zu einem gewissen Grad beeinflussen. Danach haben wir uns oft gefragt, was passieren würde, wenn etwas ­ausfällt.

Haben Sie je ans Aufgeben gedacht?

Nein. Das hätte ich vor dem Rennen nicht geglaubt. Ich war fast sicher, dass es Momente geben würde, in denen wir uns überlegen aufzugeben. Das stand aber nicht einmal zur Debatte.

Sie und Ihre Kollegen waren schon vor dem Start gute Freunde. Wie wichtig war das rückblickend?

Sehr wichtig. Ich denke, das ist auch ein Grund, warum es während des Rennens so gut funktioniert hat. Mit diesen drei Jungs verbringe ich unglaublich viel Zeit. Wir wussten, dass wir sehr aufeinander angewiesen sind. Wenn es einmal kleine Diskussionen gab, entschuldigten wir uns bald beieinander.

Sie ruderten und schliefen im 2-Stunden-Rhythmus. Konnten Sie den bis zum Ende durchziehen?

Ja. Wir haben auch die Ruderpaare beibehalten, und mussten nie wechseln, weil es Streit gab. Doch der Rhythmus war sehr mühsam. Ich konnte mich nie daran gewöhnen.

Würden Sie etwas anders machen?

Wir haben natürlich einige Lehren gezogen. Beim ­­Essen machten wir Fehler, es war nicht immer geniessbar. Wir hatten auch eher grosse Batterien dabei und weniger starke Solarpanels. Eigentlich müsste es umgekehrt sein.

Sie hatten keine Erfahrungen auf dem Meer. Machte sich das auf dem Atlantik bemerkbar?

Gegen Schluss waren wir abgebrühter. Am Anfang wurden wir von den Wellen überrascht und machten uns sehr viele Sorgen. Wir fragten uns, wie ­gefährlich es ist und ob das Boot gleich auseinanderbricht. Mit der Zeit konnten wir alles besser einschätzen.

Wie geht es weiter für das Team Swiss Mocean?

Wir erholen uns von unseren Muskel- und Gelenkschmerzen. Das Boot muss geputzt werden. Es wäre schön, wenn wir es danach einem Schweizer Team vermachen könnten. Das Boot war 30 Tage lang unser Zuhause, eine emotionale Bindung entsteht da schon. Jetzt geniessen wir aber die Zeit mit Familien und Freunden. Und es kommen laufend Teams an, die wir empfangen wollen.

Zurück in der Schweiz wartet ­wieder ein anderes Leben auf Sie.

So ist es, ich muss meine Masterarbeit im Mai abgeben. Zum Glück waren wir so schnell, jetzt kann ich hier mit gutem Gewissen rumhängen (lacht). Das Rennen hat viel Energie gefressen, die ich nun wieder ins Studium stecken kann.

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