Internationale Topökonomen fordern ein Ende der Steueroasen

Steuerschlupflöcher sollen für Firmen keinen ökonomischen Zweck haben – auch mit Blick auf die Panama Papiere.

Die Folgen der Panama Papers: Demonstranten in London fordern die Absetzung des englischen Premiers David Cameron.

Die Folgen der Panama Papers: Demonstranten in London fordern die Absetzung des englischen Premiers David Cameron. Bild: Will Oliver/Keystone

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300 Ökonomen haben sich heute in einem gemeinsamen Schreiben an die Staatschefs der führenden Wirtschaftsnationen gewandt. Sie kritisieren deren zu zögerliches Vorgehen gegen Steueroasen. Unter den Unterzeichnenden befinden sich mit dem Bestsellerautor Thomas Piketty, dem US-Ökonomen Jeff Sachs und dem Nobelpreisträger Angus Deaton prominente Wissenschaftler. Mit Olivier Blanchard hat auch der ehemalige Chefökonom des Internationalen Währungsfonds den Protestbrief unterschrieben.

Die Wirtschaftsexperten kritisieren, dass arme Länder die grossen Verlierer von Steueroasen seien, und fordern griffigere Regeln, um die Steuerschlupflöcher möglichst rasch zu schliessen.

170 Milliarden Dollar fehlen

Enthüllungen wie die Panama Papers zeigten auf, dass die Anonymität von Steueroasen Korruption fördere und zur Konsequenz habe, dass Staaten zu geringe Steuereinnahmen eintreiben könnten, heisst es im Schreiben. Davon betroffen seien grundsätzlich alle Staaten, doch am stärksten würden die ärmsten Regionen der Welt darunter leiden. Die Ökonomen beziffern das weltweite Steuervolumen, das durch solche Praktiken verloren geht, auf 170 Milliarden Dollar.

Die Wissenschaftler sind sich nicht einig, wie hoch die Steuersätze für internationale Unternehmen sein sollen. Doch stimmen sie darin überein, dass Firmenkonstrukte, die nur dazu dienen, um Gewinne dort zu versteuern, wo weniger Abgaben anfallen, das Wirken des globalen Wirtschaftsraums behindern. Die Rechtsstaatlichkeit werde dadurch unterwandert, dass für Grosskonzerne und besonders vermögende Personen ein anderes Steuerrecht gelte als für die meisten einfachen Steuerzahler.

Koordiniert wurde der Brief von der englischen Nichtregierungsorganisation Oxfam. Er wurde bewusst im Vorfeld des internationalen Antikorruptionsgipfels, der am Donnerstag in London eröffnet wird, veröffentlicht. An dem Treffen werden 40 Staaten sowie wichtige Organisationen wie die Weltbank und der Internationale Währungsfonds teilnehmen.

Schockierender Missbrauch

Die Ökonomen fordern neue globale Abkommen, um den Steuerschlupflöchern beizukommen. Zudem brauche es genaue Berichte über den Zustand der Steuergesetze der einzelnen Regionen. Es sei notwendig, dass auch reiche Staaten dafür sorgen würden, die Steuerschlupflöcher zu schliessen. Die Ökonomen sprechen damit Grossbritannien an. Das Land richtet den Antikorruptionsgipfel aus, trägt aber auch die politische Verantwortung für ein Drittel der weltweit wichtigsten Steueroasen. Dazu zählen etwa die Britischen Jungferninseln. Das Steuerparadies in der Karibik stand bei den Enthüllungen der Panama Papers besonders im Fokus.

«Steueroasen passieren nicht einfach», sagt der US-Ökonom Jeff Sachs. Die Britischen Jungferninseln seien bewusst dazu gemacht worden. Dazu beigetragen hätten auch die Politik von Grossbritannien und der USA sowie die Geschäftspraktiken von grossen Banken, Finanzdienstleistern und Anwaltskanzleien. Der Missbrauch von Steuerschlupflöchern sei schockierend und fände direkt vor der eigenen Haustür statt, so Sachs.

Auch die Schweiz am Pranger

Die Mehrheit der unterzeichnenden Wissenschaftler stammt aus den USA, Grossbritannien und aus der EU. Auch fünf Ökonomen aus der Schweiz haben den Brief unterschrieben. Sie sind weniger prominent. So hat beispielsweise der Freiburger Professor Sergio Rossi das Schreiben signiert.

Oxfam spart aber auch nicht mit Kritik am Schweizer Finanzplatz. So hätte allein der Steuerausfall der Offshoregelder aus dem afrikanischen Kleinstaat Malawi bei der Schweizer HSBC-Niederlassung in Genf gereicht, um im mausarmen Land 800 Krankenschwestern ein Jahr lang zu bezahlen. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.05.2016, 20:39 Uhr

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