Sawiris’ ­Ferienstadt aus dem Nichts

Der ägyptische Investor Samih Sawiris ist von Andermatt gen Osten gezogen. Im touristisch noch wenig bekannten Montenegro baut er eine voll funktionierende Ortschaft.

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James Bond war es, der vor zwölf Jahren Montenegro ein erstes Mal nach den Balkankriegen in Szene setzte. Der Agent 007 traf sich mit der internationalen Schurkenelite im Casino Royale in Montenegro zum Pokerspiel. Kurioserweise diente aber nur der edle Name der früheren Teilrepublik Jugoslawiens als Kulisse, die Szenen wurden in Tschechien und Italien gedreht. Unverständlich, denn Crna Gora (Schwarzer Berg), wie der Staat in der Landessprache heisst, hat mit seinen Stränden, Nationalparks und Bergen viel zu bieten.

Montenegro hat 650'000 Einwohner, praktisch ­keine Industrie und setzt seit der Unabhängigkeit 2006 ganz auf den Tourismus. Der Balkanstaat gehört zu den schnellstwachsenden Reisezielen Europas. Im Gegensatz zu den Ferienorten an den italienischen und kroatischen Adriaabschnitten hat der Massentourismus das Land noch nicht erreicht. Die Preise sind vergleichsweise moderat. Erreichbar ist die Hauptstadt Podgorica von Zürich aus in zwei bis vier Stunden (Flugzeit). Das ­Klima an der Küste ist mediterran; es lässt sich von Mai bis Oktober gut im Meer baden.

Der aktuell wohl bekannteste Unternehmer, der auf Monte­negro setzt, ist Samih Sawiris, 61. Der ägyptische Investor ist hierzulande als Bauherr von «Neu Andermatt» bekannt. Vor zehn Jahren begann Sawiris mit der Planung des Resorts Luštica Bay an der montenegrinischen Adriaküste. Das Gebiet war bis zum Spatenstich unbewohnt. Die Bucht wurde vor allem von der Marine und der Küstenwache genutzt.

Innert weniger Jahreentsteht eine ganz neue Stadt

Luštica Bay soll nicht nur Feriendestination sein, sondern zur voll funktionierenden Stadt mit permanenter Bevölkerung, Schulen und einem Spital ausgebaut ­werden. So wie das Sawiris bereits in El Gouna am Roten Meer ­vorgemacht hat. Wo früher Wüste war, steht heute eine Stadt mit 20'000 Einwohnern.

Im August ist Luštica Bay eröffnet worden. Es ist der erste ökozertifizierte Ort Montenegros und besteht derzeit aus mehreren ­Häusern, Appartements, Einkaufs­läden, einem Jachthafen sowie dem ersten von geplanten sieben Hotels. Das 5-Stern-Hotel The Chedi ist das Herzstück von ­Luštica Bay. Es ist nach dem ­Chedi in Andermatt erst das zweite Luxus­hotel der asiatischen Hotelkette GHM in Europa. Während die Chedi-Hotels in Asien mit ihrem Baustil an Anlagen aus ­Erzählungen von 1001 Nacht ­erinnern und in Andermatt Chaletatmosphäre angesagt ist, setzen die Architekten in Luštica Bay auf medi­terranes Flair. Als Baustoff dominiert Stein. Bei den Farben überwiegen helle Töne.

Auch beim Innendesign wählten die Architekten helle Farben: kalkweiss, steingrau und beige. Dazwischen sticht immer wieder ein türkisfarbenes Element hervor – sei es ein Stuhl, ein Kissen oder eine Lampe. «Riviera Style», wie ein Mitarbeiter erklärt. Das Hotel hat 111 Zimmer, zwei Bars, zwei Restaurants, einen Privatstrand, eine Spa-Anlage und zwei Swimmingpools. Neben einem neun Meter langen Schwimmbecken im Hallenbad gibt es einen 16 Meter langen Aussenpool mit Blick auf den Jachthafen. Die Hotelküche bietet neben lokalen Speisen mediterrane Spezialitäten und Gerichte mit asiatischen Einflüssen.

Berge für Wanderer, Skifahrer und Abenteuersportler

Wer mehr als nur den Hotelstrand erleben will, kann von Luštica Bay aus das Land mit dem Auto entdecken. Öffentliche Verkehrsmittel sind, was den Komfort betrifft, nur Reisenden mit sehr viel Zeit, Geduld und wenig Ansprüchen empfohlen. Dreissig Autominuten entfernt liegt die Bucht von Kotor. Die alte Handels- und ­Hafenstadt zählt zum Unesco-Weltkulturerbe. Die perfekt restaurierte Altstadt liegt zwischen Meeresbucht und einer bis zu knapp 1900 Meter hohen Berg­kette. Für die Rückfahrt von Kotor nach Luštica Bay eignet sich ein Boot. Auf der Fahrt passiert man eine Kleininsel, auf der sich der sehenswerte Wallfahrtsort «Our Lady of the Rocks» befindet.

Montenegro ist flächenmässig nur ein Drittel so gross wie die Schweiz. In einer dreieinhalbstündigen Autofahrt gelangt man zu den Nationalparks im Norden des Landes. Die Landschaft mit ihren Bergen, Wäldern und Seen erinnert an die Schweizer Alpen. Im Winter wird hier auch Skisport ­betrieben, im Sommer ist die Region bei Wanderern und Abenteuersportlern ­beliebt. So gibt es mit dem Tara-Canyon die längste und tiefste Schlucht Europas. Im Nationalpark Biogradska Gora trifft man auf einen der letzten Flecken Urwald Europas – mit über 500 Jahre alten Bäumen und frei lebenden Wölfen und Bären.

Anreise mit dem Flugzeug via Podgorica, Tivat oder Dubrovnik; The Chedi Luštica Bay, Superior-Zimmer mit Doppelbett ab 190 Fr./Nacht. www.lusticabay.com www.visit-montenegro.com. Diese Reise wurde unterstützt von Orascom Development (SonntagsZeitung)

Erstellt: 07.09.2018, 17:08 Uhr

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