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SDA-Redaktion droht mit Streik

Die SDA versorgt die Schweiz mit den wichtigsten Nachrichten. Jetzt steht ihr eine Massenentlassung bevor.

Die Nachrichtenagentur SDA streicht 40 von 180 Stellen. (Archivbild)
Die Nachrichtenagentur SDA streicht 40 von 180 Stellen. (Archivbild)
Gaetan Bally, Keystone
Damit reagiert sie nach eigenen Angaben auf die Medienkrise. Mitarbeiter der SDA in der Redaktion am Sitz in Bern. (Archivbild)
Damit reagiert sie nach eigenen Angaben auf die Medienkrise. Mitarbeiter der SDA in der Redaktion am Sitz in Bern. (Archivbild)
Gaetan Bally, Keystone
Der Abbau erfolgt unabhängig von der Fusion mit der Bildagentur Keystone. (Archivbild)
Der Abbau erfolgt unabhängig von der Fusion mit der Bildagentur Keystone. (Archivbild)
Marcel Bieri, Keystone
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Medienpolitisch redet das Land derzeit nur über die No-Billag-Initiative. Doch im Schatten dieser Auseinandersetzung wird ein weiteres bedeutendes Medienunternehmen von einer grossen Restrukturierung erschüttert. Am 8. Januar hat die Schweizerische Depeschenagentur (SDA) eine Massenentlassung angekündigt: 40 von 150 Vollzeitstellen auf der SDA-Redaktion sollen gestrichen werden.

Diese Woche haben sich die Abbaupläne nun konkretisiert: 90 Prozent der Kündigungen sollen noch in diesem Monat ausgesprochen werden. Das sagte der SDA-CEO, Markus Schwab, laut mehreren anwesenden Personen am Montag an internen Informationsveranstaltungen. Bisher war man davon ausgegangen, dass sich der Abbau über zwei Jahre verteilen werde. Bis jetzt weiss die Redaktion aber nicht einmal, wer gehen muss und wer bleiben kann. Schon im Oktober war bekannt geworden, dass die SDA im Laufe des Jahres 2018 mit der Fotoagentur Keystone fusionieren will. Der geplante Stellenabbau betrifft nun aber nur die SDA.

«Überwältigende Mehrheit»

Gegen diesen Abbau von über einem Viertel der Redaktion geht die Belegschaft nun auf die Barrikaden. Am Dienstagabend haben 100 Redaktionsmitglieder an einer vierstündigen Sitzung ihren Widerstand organisiert; 35 weitere Redaktoren liessen sich von Kollegen vertreten. Sie haben ihrer Redaktionskommission – das entspricht einer Personalkommission – das Mandat erteilt, Kampfmassnahmen wie Streiks auszurufen, falls die Direktion der SDA ihre Forderungen nicht erfüllt. Das erfuhr diese Zeitung aus dem Umfeld der Redaktion. Zeitpunkt und Art der Kampfmassnahmen wollen die Redaktionsmitglieder derzeit nicht verraten, damit die Führungsspitze der SDA sich nicht darauf vorbereiten kann. Das Mandat für Kampfmassnahmen sei «mit überwältigender Mehrheit» beschlossen worden, heisst es aus dem Umfeld der Redaktion.

Die Hauptforderung der Redaktion ist ein Verzicht auf den Stellenabbau im angekündigten Ausmass. Die Geschäftsleitung begründet den geplanten Abbau mit einem Defizit, das sich für 2018 abzeichnet. Die Redaktion kritisiert jedoch, dass die Geschäftsleitung die schlechte wirtschaftliche Lage der SDA selber verursacht habe, indem sie ihren Kunden – das sind fast alle Schweizer Verlage – für 2018 unverständlicherweise einen Rabatt von rund 10 Prozent gewährt habe. Ausserdem verschenke sie teilweise ihre Dienstleistungen, etwa indem sie den Verlagen seit kurzem Gratis-Videos anbiete.

Brief an den Bundesrat

Bei ihrem Ruf nach weniger Stellenabbau lässt es die Redaktion aber nicht bewenden. Sie will sich auch selber mit eigenen Lösungsvorschlägen einbringen. Weil es sich um eine Massenentlassung handelt, musste die Geschäftsleitung der Belegschaft ohnehin Gelegenheit zur Konsultation geben. Die dafür eingeräumte Frist von nur zehn Tagen müsse zwingend verlängert werden, verlangt die Redaktion. Zudem soll die Geschäftsleitung der Redaktionskommission Einsicht in wichtige Dokumente geben. Falls diese Forderungen nicht erfüllt würden, würden die Kampfmassnahmen ausgerufen, heisst es aus dem Umfeld der Redaktion.

Noch im Verlaufe des heutigen Mittwochs will sich die SDA-Belegschaft mit einem offenen Brief auch an den Bundesrat, den Bundeskanzler und die Regierungen der Kantone wenden. Damit soll die Öffentlichkeit über die Vorgänge bei der einzigen Schweizer Nachrichtenagentur sensibilisiert und politischer Druck aufgebaut werden.

Die Schlüsselrolle der SDA

Die SDA ist in der Öffentlichkeit wenig bekannt, ist aber so etwas wie das Rückgrat der Medienlandschaft. Sie bedient praktisch alle Schweizer Medien – Zeitungen, Radios, Fernsehen, Online-Plattformen – mit einem kontinuierlichen Strom von Nachrichten. Kein anderes Medienunternehmen deckt das Geschehen in der Schweiz derart umfassend ab wie die SDA. Seit der Übernahme der Konkurrenzagentur AP ist die SDA die einzige Schweizer Nachrichtenagentur verblieben. Pro Jahr verbreitet sie über 179’000 Nachrichten- und 50’000 Sport-Meldungen. Ohne die SDA wären viele Schweizer Medien, vor allem kleinere, praktisch leer. Aber auch grosse Medienkonzerne wie die NZZ, die Tamedia-Redaktionen oder die SRF-Medien stützen sich bei ihrer Berichterstattung stark auf die SDA – auch wenn sie dies nicht immer deklarieren. Die Kunden der SDA sind gleichzeitig ihre Eigentümer. Auch Tamedia, die diese Nachrichtenplattform herausgibt, zählt zu den Aktionären.

Diese umfassende Nachrichtenversorgung der Schweiz sei jetzt in Gefahr, argumentiert die Redaktion. Es sei unmöglich, nach dem angekündigten Stellenabbau die gleiche Qualität der Berichterstattung aufrechtzuerhalten. Vor allem in der italienischen und französischen Landessprache stehe der Service public auf dem Spiel.

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