Zum Hauptinhalt springen

So werden Fotokameras und Handys zu Partnern

Smartphones und Fotokameras ergänzen sich besser denn je. Diese Apps machen aus den zwei einstigen Rivalen ein harmonisches Gespann.

... Dritthersteller bieten Apps an. Dank Cascable lässt sich die Kamera nicht nur am Handy fernsteuern. Automatismen ermöglichen zum Beispiel auch Zeitraffer-Aufnahmen.
... Dritthersteller bieten Apps an. Dank Cascable lässt sich die Kamera nicht nur am Handy fernsteuern. Automatismen ermöglichen zum Beispiel auch Zeitraffer-Aufnahmen.
Samuel Schalch
1 / 1

Ein grosser Techkonzern hat gerade sein wichtigstes Produkt für die nächsten zwölf Monate vorgeführt. Schon auf dem Rückweg vom Medienanlass überspiele ich die dabei gemachten 154 Fotos per WLAN aufs Handy und von dort zu Google Fotos in meinen Internetspeicher.

Ambitionierte Hobbyfotografen und Profifotografen sowieso dürfte sich bei dem Gedanken der Magen umdrehen. Wie kann man Fotos, die mit einer Kamera und einem Objektiv geschossen wurden, die für sich mehr kosten als ein Top-Smartphone, derart verunstalten und auf ein solches Mini-Dings überspielen? Tatsächlich fotografiere ich seit rund zwei Jahren genau so und komplett PC-frei. Es ist grossartig.

Ich profitiere dabei von zwei Trends. Einerseits werden Smartphonekameras Jahr für Jahr besser und machen immer teureren Kameras in immer mehr Kategorien Konkurrenz. Im Gegenzug schrumpft der Kameramarkt, was die Hersteller zu Höchstleistungen und Preissenkungen motiviert. Eine Vollformatkamera, die vor ein paar Jahren noch absoluten Profis vorbehalten war, gibt es inzwischen für unter 1000 Franken.

Diese zwei Trends haben zahlreiche Entwickler auf den Plan gerufen, die Apps und Dienste programmiert haben, die als Schnittstelle zwischen Fotokamera und Smartphone dienen.

Übermitteln und fernsteuern

Kein Kamerahersteller traut sich, in Zeiten von Instagram einen Fotoapparat auf den Markt zu bringen, der Bilder nicht an ein Handy übermitteln kann. Mal wählt man die gewünschten Fotos auf der Kamera aus, mal in der App auf dem Handy. Per WLAN werden sie dann ans Smartphone übermittelt. Je nach Kamerahersteller funktioniert der Prozess ein bisschen anders.

Die Apps der Kamerahersteller haben aber häufig noch eine weitere Funktion: Man kann mit ihnen die Kamera fernsteuern. Das ist praktisch für Selbstporträts, Tieraufnahmen, Zeitraffer oder Langzeitbelichtungen, um nur die prominentesten Beispiele zu nennen. Nebst den offiziellen Apps der Kamerahersteller findet man in den App Stores auch zahlreiche weitere Fernbedienungs-Apps.

Besonders gut gefällt Cascablefürs iPhone, iPad und die Apple Watch (gratis mit In-App-Käufen). Die App bietet nebst einem schönen Design verschiedene Automatismen und Berechnungsfunktionen, die man in den offiziellen Apps vergebens sucht. Es empfiehlt sich bei solchen Apps aber, vor dem Kauf genau zu kontrollieren, ob die eigene Kamera unterstützt wird.

Archivieren

Einmal auf dem Smartphone angekommen, kann man die Fotos nicht nur viel besser anschauen als auf einer Kamera, deren Bildschirm kleiner und qualitativ kaum gleichwertig ist. Man kann die Fotos auch gleich sichern und archivieren. Welche Variante man wählt, ist Geschmackssache. Lokal auf dem Handy zu speichern, braucht bei den nicht gerade kleinen Dateigrössen einiges an Platz.

Bequemer sind da verschiedene Cloudlösungen. Ob man sich für Google Fotos, Onedrive, iCloud, das bei Fotografen beliebte Smugmug oder gar einen eigenen Server entscheidet, ist Geschmackssache. Besonders bequem ist dabei die Möglichkeit, Fotos automatisch im Hintergrund zu sichern. Ein WLAN oder das entsprechende Handy-Abo vorausgesetzt, braucht man schon ein paar Minuten, nachdem man die Fotos überspielt hat, um keine Verlustängste mehr zu haben.

Noch ein Wort zu einer weiteren Archivierfunktion. Dank Apps wie Fotoscanner (gratis für Androidund iOS) lassen sich auch Fotos auf Papier digitalisieren. Die App übernimmt den Zuschnitt und entfernt Verzerrungen.

Bearbeiten

Profifotografen schwören zum Bearbeiten von Fotos auf einen möglichst grossen Bildschirm und Programme wie Adobes Lightroom. Den grossen Bildschirm können Smartphones freilich nicht bieten. Aber ansonsten können sie dank immer schlaueren Apps mit der Profisoftware mithalten.

Kommt dazu, dass es von Adobe selbst eine abgespeckte Variante von Lightroom für Androidund iOSgibt. Wer die Monatsgebühr bezahlt und Adobes Cloud nutzt, kann Fotos so sogar bequem am Handy vorbearbeiten und später am Laptop oder Desktop noch den Feinschliff machen. Das ist allerdings die Luxuslösung. Wer aber sowieso schon die Adobe-Gebühr bezahlt, sollte die Handy-App unbedingt einmal ausprobieren.

Ich selbst nutze auf dem iPhone aktuell nebst den Bearbeitungsfunktionen der offiziellen Fotos-App am liebsten Darkroom(gratis mit In-App-Käufen) und das seit Jahren bewährte Pixelmator(5 Franken). Während Ersteres dazu dient, Farben anzupassen und RAW-Dateien zu bearbeiten (dazu gleich mehr), macht es Pixelmator dank der intuitiven Bedienung unglaublich einfach, kleine Korrekturen und Verbesserungen vorzunehmen.

Auf Android nutze ich nebst den umfangreichen Funktionen von Google Fotos vorzugsweise Snapseed(gratis). Auf beiden Plattformen schätze ich nach wie vor das grosse Filter-Angebot von VSCO, für das ich bereits den einen oder anderen Franken ausgegeben habe.

Zweitkamera

Smartphones sind freilich mehr als ein Bearbeitungs- und Speichergerät für Fotos. Dank den eingebauten und Jahr für Jahr immer besser werdenden Kameras sind sie längst nicht mehr nur der Juniorpartner im Kamera-Arsenal.

Im Wissen um die Smartphonekamera traue ich mich auch mal, ein gewagtes Objektiv an meine Kamera zu schrauben. Während das Smartphone vor ein bis zwei Jahren bei gutem Licht noch den Weitwinkelbereich zuverlässig abdeckte, können Smartphones dank Doppelkameras nun auch im Zoombereich mitmischen.

Wer den teils aggressiven Automatismen der Smartphonekameras nicht traut, der hat inzwischen bei allen Herstellern die Möglichkeit, das Profidateiformat RAW zu nutzen. Damit lassen sich Fotos anschliessend flexibler bearbeiten und der Übermut manches Programmierers aushebeln.

Bei Android findet man die Möglichkeit, RAW zu nutzen, in der Regel in der Standardkamera-App in den Einstellungen oder in einem Profimodus. Dort findet sich auch die Möglichkeit, die Kamera manuell zu bedienen. Wenn Ausdrücke wie Verschlusszeit, Blende oder ISO keine Fremdwörter sind, kann man damit Erstaunliches aus den Minikameras herauskitzeln.

Bei Apple gibt es solche Möglichkeiten auch. Man braucht allerdings eine App. Mein aktueller Favorit ist Halide (5 Franken). Die App gefällt dank zahlreichen manuellen Funktionen, dem RAW-Format und vor allem auch dank dem eleganten Design. Besonders gelungen ist die Wasserwaage mit haptischem Feedback.

Wenn man das Telefon gerade hält, vibriert es kurz. So spürt man blind, wenn alles richtig ausgerichtet ist, und kann sich auf den Bildausschnitt konzentrieren. Diese Vibration ist so praktisch, dass ich sie inzwischen bei meiner Fotokamera vermisse. Dort leuchtet nur ein Symbol grün, wenn ich sie gerade halte.

Spielereien

Apps decken aber nicht nur die elementaren Funktionen rund um Fotografie ab. In den App Stores finden sich zahlreiche Apps, die zwar nicht nötig wären, aber Spass machen und zum Experimentieren einladen. Dank Doppelkameras und Software-Tricks ist es inzwischen möglich, bei Fotos den Hintergrund digital unscharf werden zu lassen.

Bei Android kann man häufig bereits in den Kamera-Apps und teilweise nachträglich in der Galerie einstellen, wie unscharf man den Hintergrund gern möchte. Beim iPhone gibt es mit Slor(4 Franken) und Focos(gratis mit In-App-Käufen) gleich zwei spannende Apps, mit denen man bei Porträtfotos nachträglich die Blende und das Aussehen des Hintergrunds verändern kann.

Für Collagen, oder wenn man nur schnell zwei Fotos nebeneinander montieren möchte, empfiehlt sich PicFrame (Android1 Franken, iOS 3 Franken).

Die bekannteste Fotospielerei sind GIFs. Ein paar Fotos werden zu einem sich ständig wiederholenden Minizeichentrickfilm zusammengefügt. Entsprechende Apps finden sich in den Stores zuhauf. Bequemer ist Googles Motion Stills (Androidund iOS: gratis). Auf dem iPhone nutzt die App Apples Live Fotos und erstellt daraus nachträglich aus beliebigen Fotos GIFs. Bei Android kann man mangels Live Fotos nur Videos in GIFs umwandeln.

Eine letzte, wenn auch etwas kitschige Spielerei ist Plotaverse (Androidund iOS: gratis). Damit lassen sich auch mit der Fotokamera geschossene Bilder nachträglich animieren.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch