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Kommentar: Und nun also Westminster

Es gibt keinen Schutz gegen einen Einzelgänger, der sein Auto zum Mordwerkzeug macht.

Einem Attentäter ist es gelungen, das britische Parlament im Londoner Regierungsviertel Westminster in Panik zu versetzen. Schüsse hallten über den Vorhof des Palastes. Ein Polizist wurde erstochen. Das Unterhaus musste in aller Eile seine Sitzung abbrechen, Premierministerin Theresa May wurde evakuiert.

Tausende fanden sich eingeschlossen in den Parlamentsräumen und im Halbdunkel der Abtei von Westminster. Am Abend trat das Katastrophenkabinett in Downing Street zusammen. Und nicht einmal den Einsatz von Militär schloss die Regierungschefin aus. Draussen auf der Westminster Bridge wurden Schulkinder, Touristen und Passanten verletzt und getötet aufgefunden. Mit einem Mal hat der Terror die Themse-Metropole wieder erreicht. Gerechnet hat man damit natürlich schon lange. Was Paris oder Berlin traf, konnte genauso gut London treffen. Seit Jahren befindet sich England auf der zweithöchsten Terror-Alarmstufe. Zahlreiche Anschläge wollen die Geheimdienste der Insel durch solide Aufklärungsarbeit verhindert haben. Aber es gibt keinen Schutz gegen einen Einzelgänger, der sein Auto zum Mordwerkzeug macht und mit dem Messer in der Hand auf Polizisten losstürmt.

Was den Täter bewegte, was ihn zu dieser scheusslichen Tat veranlasste: Darüber wird man in den nächsten Tagen mehr erfahren. Klar war gestern Nacht aber schon, wie verwundbar, wie leicht aus dem Gleichgewicht zu bringen Westminster ist.

So viele Betonblöcke sind ums Parlament herum aufgestellt worden, so viele Sicherheitsmassnahmen sind ergriffen worden. So viele schwer bewaffnete Polizisten sind aufgezogen. Die alten Zeiten freien Zugangs und lascher Kontrollen sind lang schon vorbei.

Dabei suchen die Briten, wie andere Demokratien auch, ein schwieriges Gleichgewicht zu wahren. Zugänglich will und muss das Parlament bleiben. Nicht einmal die Ermordung der Labour-Abgeordneten Jo Cox voriges Jahr durch einen Fanatiker hat daran viel geändert. Nun werden erste Reaktionen wieder mehr Abschottung der politischen Elite von der Öffentlichkeit verlangen. Aber dem Terror begegnet London nur mit wehrhafter Offenheit erfolgreich.

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