Das Interesse der Frauen am baldigen Leuthard-Rücktritt

Tritt die CVP-Bundesrätin bald zurück, vergrössert das die Chancen auf eine weibliche Nachfolge.

Sie pflegt seit Jahren einen guten Kontakt zu den Frauenorganisationen: Doris Leuthard an einem Meeting mit allen Parlamentarierinnen, aufgenommen im September 2017 im Bernerhof.

Sie pflegt seit Jahren einen guten Kontakt zu den Frauenorganisationen: Doris Leuthard an einem Meeting mit allen Parlamentarierinnen, aufgenommen im September 2017 im Bernerhof.

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CVP-Bundesrätin Doris Leuthard plane ihren baldigen Rücktritt, berichtete am Freitag der «Blick». Sie sei müde, wolle nur noch die No-Billag-Abstimmung gewinnen und dann schon im Frühling ihren Rücktritt ankündigen. Die CVP sei daran, eine Findungskommission zusammenzustellen. Mindestens Letzteres wird von der Partei verneint. «Es gibt keine Findungskommission und es ist auch keine in Planung», sagt Parteipräsident Gerhard Pfister. Das geschehe erst dann, wenn ein Rücktritt konkret werde. Es wäre tatsächlich gegen die Gepflogenheiten, wenn die Kandidatensuche schon vorher beginnen würde.

Interesse an einem baldigen Rücktritt von Doris Leuthard gibt es aber durchaus, etwa bei den Frauen. Denn wenn der CVP-Bundesratssitz als nächster frei wird, ist der Druck auf die Partei gross, eine Kandidatin vorzuschlagen. Simonetta Sommaruga wäre ansonsten die einzige verbleibende Frau im Bundesrat. Würde hingegen der FDP-Sitz von Johann Schneider-Ammann zuerst frei und beispielsweise Karin Keller-Sutter nachrücken, wäre die CVP danach nicht mehr im selben Mass unter Zugzwang – zumal sie mit Doris Leuthard über ein Jahrzehnt lang eine Bundesrätin gestellt hatte.

Alle Parlamentarierinnen angeschrieben

Die CVP-Frauen möchten sich dazu nicht äussern. Präsidentin Babette Sigg sagt: «Der Rücktrittstermin ist allein Sache von Doris Leuthard.» Die Kandidatinnensuche der CVP-Frauen hat aber bereits begonnen: Alle elf National- und Ständerätinnen wurden angeschrieben, ebenso die fünf Regierungsrätinnen sowie CVP-Frauen in der Bundesverwaltung.

Eine bundesratsnahe Quelle sagte dieser Zeitung unlängst, Doris Leuthard würde gern der Walliser Nationalrätin Viola Amherd den Weg in den Bundesrat ebnen. Amherd war zwölf Jahre lang Stadtpräsidentin von Brig – und ist damit die einzige amtierende CVP-Parlamentarierin, die über namhafte Exekutiverfahrung verfügt. Als Vize-Fraktionspräsidentin arbeitet Amherd in sach- und parteipolitischen Fragen eng mit Leuthard zusammen. Ob Doris Leuthard tatsächlich solche taktischen Überlegungen macht? Sicher sei ihr die Frauenfrage nicht egal, sagt die Zürcher Nationalrätin Kathy Riklin. «Sie pflegt seit Jahren eine gute Beziehung zu den CVP-Frauen, kommt an alle unsere Abendessen.»

Geschlecht oder Region?

Doch nicht nur Frauen stehen bereit – es gibt auch einige CVP-Politiker, die sich in den letzten Jahren einen Namen gemacht haben und denen Ambitionen auf einen Bundesratssitz nachgesagt werden. Etwa die Ständeräte Stefan Engler, Pirmin Bischof und Konrad Graber. Nicht nur die Geschlechterfrage wird bei einer Vakanz thematisiert werden, sondern auch die Vertretung der Regionen. Vortritt hätte eindeutig die Ostschweiz, was im Fall der CVP für Stefan Engler sprechen würde. Doch auch das Wallis ist derzeit nicht im Bundesrat vertreten, ein Vorteil für Viola Amherd.

Nach der gestern publizierten Tamedia-Umfrage, die für die CVP ungünstig ausgefallen ist, wäre es aber auch möglich, dass andere Parteien den Christdemokraten den Sitz streitig machen könnten. Zum Beispiel die Grünen, die nach Verlusten der CVP nur noch unwesentlich weniger Wählersympathien haben. Sie könnten ihre alte Forderung nach einem Bundesratssitz wiederbeleben, zumal auch die Grünliberalen gemäss der Umfrage deutlich zugelegt haben. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.01.2018, 15:32 Uhr

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