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«Was machst du? Stimmst du nicht für Katar?»

Beim Fifa-Prozess in New York sagt ein Zeuge unter Eid, Katar habe die WM 2022 mit Millionenzahlungen gekauft.

Und der Gewinner ist ... Katar. Sepp Platter bei der Verkündung. Foto: Philippe Desmazes (AFP)
Und der Gewinner ist ... Katar. Sepp Platter bei der Verkündung. Foto: Philippe Desmazes (AFP)

Der Fifa-Korruptionsprozess in New York hat gerade erst begonnen. Und schon liefert der Zeuge Alejandro Burzaco brisante Aussagen. Der Argentinier, der einräumt, über seine Firma Torneos y Competencias mehr als eine Dekade lang Schmiergelder für TV-Rechte an Topleute des Südamerika-Verbands Conmebol gezahlt zu haben, berichtete am Dienstag von gekauften Stimmen für die WM 2022 in Katar. Unter Eid vor einem Schwurgericht – so konkret gab es das noch nicht.

Sollten sich die Vorwürfe erhärten, hat nicht nur der künftige WM-Veranstalter ein Problem. Dann geriete die Fifa unter Handlungsdruck. Die New Yorker Verfahren laufen im Rahmen der amerikanischen Anti-Mafia-Gesetzgebung ab, und der Weltverband hat dort den wackeligen Status als vorläufiges Opfer inne. Die Organisation gilt als betrogen und ausgeraubt: von eigenen Spitzenkräften, Marketing- und Veranstaltungspartnern. Daher muss sie alles tun, um den an ihr bewirkten Schaden zu heilen. Dazu zählt nicht nur bedingungsloser Kooperationswille. Sondern auch, jeden überführten Sünder zur Rechenschaft zu ziehen – andernfalls kehrt sich der Opferstatus rasch in einen Täterstatus. Und das könnte das Ende der Fifa bedeuten.

Bilder: Die WM in Katar

Schon am ersten Tag werden schwere Vorwürfe erhoben: Der Fifa-Prozess in New York hat begonnen. (15. November 2017)
Schon am ersten Tag werden schwere Vorwürfe erhoben: Der Fifa-Prozess in New York hat begonnen. (15. November 2017)
Don Emmert, AFP
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Burzacos Vorwürfe im Katar-Kontext richten sich gegen die langjährigen Funktionärspaten Südamerikas. Der Brasilianer Ricardo Teixeira, der Paraguayer Nicolás Leoz und der 2014 verstorbene Argentinier Julio Grondona, langjährige Nummer zwei der Fifa ­hinter Sepp Blatter, sollen bei der WM-Vergabe am 2. Dezember 2010 in Zürich ihre ­Voten verkauft haben.

Konkrete Beweise für seine Schilderungen hat Burzaco nicht, er will die Vorgänge aber miterlebt oder von ihnen aus erster Hand erfahren haben. Er behauptet, sein Landsmann und langjähriger Geschäftspartner Grondona habe für die Katar-Stimme mindestens eine Million Dollar erhalten – und wartet dazu mit netten Details auf. Demnach habe der damals 82-jährige Leoz während der ersten beiden Abstimmungsrunden im Fifa-Exekutivkomitee zunächst Japan, dann Südkorea, nicht aber Katar gewählt. Weshalb ihn sich Teixeira und Grondona kräftig zur Brust genommen hätten. «Sie schüttelten ihn», berichtete Burzaco, «sie fragten: Was machst du? Stimmst du nicht für Katar?»

Ein Todesfall in Buenos Aires

Erfahren haben will er das im Januar 2011 von Grondona selbst in Buenos Aires. Dort habe der Fussballpatron, Spitzname «Don Julio», auch eine Million Dollar Schmiergelder, die aus einem anderen Korruptionsdeal um die Copa-América-Rechte für Teixeira waren, an sich selbst umgeleitet – weil er der Meinung gewesen sei, das stehe ihm wegen der Stimme für Katar zu. Ob oder wie weit die Geschichten zutreffend sind, werden nun die US-Behörden ermitteln.

Immerhin sind solche Aussagen nicht abwegig. Welche Brisanz die Aussagen eines der vormals mächtigsten Fussballrechtehändler Südamerikas besitzen, zeigte sich am Dienstag. Burzaco hatte neben jährlichen Fixzahlungen an Teixeira, Grondona und andere auch ­erwähnt, er habe vier Millionen Dollar Schmiergelder an Pablo Paladino und Jorge Delhon ausgeschüttet, die mit dem staatlichen Programm Fútbol para Todos (Fussball für alle) befasst seien. Dieses verwaltete unter der Regierung Kirchner die nationalen Fussballrechte. Stunden später gab die Polizei in Buenos Aires den Tod von Delhon bekannt. Der 52-jährige Anwalt hat offenbar Suizid ­begangen.

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