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Wie Postauto in Frankreich einen Journalisten drangsalierte

Ein französisches Internetportal äusserte 2014 einen Dumpingverdacht gegen Car Postal France. Die Tochter der Schweizer Post reagierte mit Klagen.

Wettbewerbswidrige Geschäfte? Wagen der Car Postal France. Foto: Twitter
Wettbewerbswidrige Geschäfte? Wagen der Car Postal France. Foto: Twitter

Das Engagement des Postauto-Konzerns auf dem französischen Markt ist in der Schweiz politisch umstritten – in Frankreich ist es mancherorts geradezu verhasst. Das trifft insbesondere auf die dortige Transportbranche zu, die mit aggressiver Konkurrenz durch die Posttochter zu kämpfen hat. Es war diese Missstimmung, die der französische Journalist Gilles Dansart 2014 auf seinem Nachrichtenportal «Mobilettre» beschrieb. Unter anderem zitierte Dansart in seinem Artikel einen Busunternehmer, der sich über auffallend günstige Offerten von Car Postal France wunderte: Wie, wenn nicht durch unlautere Subventionen, könne Car Postal zu Preisen 30 Prozent unter dem Durchschnitt offerieren? Dansart verwies zudem auf Recherchen der Zeitung «Le Matin», die über eine millionenschwere Quersubventionierung von Car Postal France durch den Schweizer Mutterkonzern berichtete. Im «Mobilettre»-Artikel wird hierzu ein namentlich nicht genannter Kadermann von Car Postal zitiert, der die angeprangerte Praxis als «vergangene Ära» abtut.

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Car Postals Reaktion auf die Publikation liess nicht lange auf sich warten, wie Dansart dieser Zeitung erläuterte: «Ohne mich je kontaktiert zu haben, lancierten sie mit einer Truppe rachsüchtiger Anwälte sofort eine Diffamierungsklage gegen mich.» Im Herbst 2015 erreichte Dansart vor einem Pariser Zivilgericht einen Entscheid zu seinen Gunsten. Aber Car Postal legte Berufung ein. 2016 siegte Dansart auch vor der nächsten Instanz. Da das französische Recht die unabhängigen Medien wirksam schütze, habe er sich nicht ernsthaft gefürchtet, so Dansart. «Es war aber trotzdem nötig, ein ernsthaftes Verteidigungsdossier zu erstellen. Für ein junges Medium ist das finanziell nicht schmerzlos.» Das Portal «Mobilettre» wurde von Dansart erst 2011 gegründet.

Ob sich die französische Postauto-Filiale effektiv wettbewerbswidrig verhalten hat, darüber wird noch immer juristisch gestritten. Tatsache ist, dass ein Gericht in Lyon den Konzern im Oktober 2016 wegen Verstosses gegen das Freihandelsrecht zu einer Busse von um- gerechnet 12 Millionen Franken verurteilte. Nur dank unlauterer Subventionen aus der Schweiz könne Car Postal in Frankreich rentable Buslinien anbieten, resümierten die Richter. Car Postal hat das Urteil weitergezogen; ein Entscheid der nächsten Instanz wird diesen Sommer oder Herbst erwartet.

Tatsache ist weiter, dass seit den Enthüllungen von letzter Woche ein Verdacht im Raum steht, der die Car-Postal-Gegner in Frankreich stützt: dass nämlich ein Teil der 78 Millionen Franken, die Postauto Schweiz widerrechtlich als Subventionen einstrich, an die französische «Schwester» geflossen ist. Bei der Post schliesst man derzeit zumindest nicht aus, dass es tatsächlich so gelaufen sein könnte. Auf die Frage, ob man die Klage gegen Gilles Dansart im Rückblick noch immer als angebracht empfinde, gibt die Medienstelle der Post keine Antwort. Dansart selber sagt: «Paradoxerweise hat dieser Fall meine Reputation als unabhängiger Journalist gestärkt.»

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