Zahl der Toten nach Erdbeben in Japan steigt auf 35

Dutzende Todesopfer hat das schwere Beben auf der japanischen Nordinsel Hokkaido gefordert – und noch immer werden Menschen vermisst.

So gingen die Lichter aus: Die Stromausfälle auf Hokkaido während dem Erdbeben. (6. September 2018) Video: Reuters

Nach dem schweren Erdbeben in Japan ist die Zahl der Todesopfer auf 35 gestiegen. Wie die Behörden am Samstag mitteilten, gab es die meisten Toten in der Kleinstadt Atsuma auf der nördlichen Insel Hokkaido, wo das Erdbeben mehrere Erdrutsche ausgelöst hatte.

Zehntausende Einsatzkräfte suchten mit schweren Gerät und Spürhunden nach weiteren Verschütteten. Japans Ministerpräsident Shinzo Abe sagte den Katastrophengebieten Hilfsgelder zu. Mittlerweile seien 35 Todesopfer gefunden worden, berichtete der öffentlich-rechtliche Sender NHK. Etwa fünf Menschen würden in Atsuma noch vermisst. Zudem hätten mehr als 600 Menschen leichte Verletzungen erlitten.

Suche in der Nacht

Rund 40'000 Einsatzkräfte, darunter Soldaten der japanische Selbstverteidigungstruppen, suchten mit Räumfahrzeugen, Helikoptern und Spürhunden nach weiteren Verschütteten, wie der japanische Regierungssprecher Yoshihide Suga vor Journalisten sagte. «Sie tun rund um die Uhr ihr Bestes.» Auch in der Nacht auf Sonntag werde die Suche fortgesetzt.

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«Wir hatten hier noch nie Erdrutsche», sagte Akira Matsushita, der seinen Bruder in Atsuma verlor, dem Fernsehsender Asahi. «Ich konnte es nicht glauben, bis ich es mit meinen eigenen Augen sah. Als ich es sah, wusste ich, dass niemand erleben konnte.» Ein anderer Bewohner von Atsuma sagte dem Sender NHK: «Ich möchte glauben, dass das Erdbeben in einem Traum passiert ist und ich aus diesem Alptraum aufwachen werde.»

Das Beben der Stärke 6,6 hatte sich am Donnerstag ereignet. Auf Fernsehbildern von Sapporo, dem Verwaltungssitz von Hokkaido, waren aufgerissene Strassen und schwer beschädigte Hausfassaden zu sehen.

Kein Strom und kein Wasser

Weil durch das Erdbeben auch ein Wärmekraftwerk beschädigt worden war, fiel zunächst bei allen rund drei Millionen Haushalten auf der Insel der Strom aus. Mittlerweile sei die Stromversorgung weitgehend wiederhergestellt worden, sagte Regierungschef Abe bei einer Kabinettssitzung zu den Folgen des Erdbebens. Nur noch 20'000 Haushalte hätten keinen Strom.

Von der Wasserversorgung waren laut Abe 31'000 Haushalte abgeschnitten. Zirka 16'000 Menschen seien noch in Notunterkünften untergebracht. Der Flugverkehr in Sapporo konnte am Samstag wieder aufgenommen werden.

Viele Naturgefahren

Abe sagte Hilfszahlungen zu, um die Erdbebengebiete mit Lebensmitteln, Trinkwasser und Treibstoff für die Stromgeneratoren in Krankenhäusern zu versorgen. Am Sonntag wollte der Ministerpräsident Katastrophenopfer auf Hokkaido besuchen, wie die Nachrichtenagentur Jiji berichtete.

Japan liegt auf dem sogenannten Pazifischen Feuerring. Dort stossen tektonische Platten aufeinander, so dass sich besonders häufig Erdbeben und Vulkanausbrüche ereignen. Erst am Dienstag hatte Taifun «Jebi» in Teilen Japans für schwere Verwüstungen gesorgt. Es war der stärkste Taifun in Japan seit 25 Jahren. Mindestens elf Menschen kamen ums Leben. Im Juli waren in Japan etwa 220 Menschen bei Überschwemmungen und Erdrutschen ums Leben gekommen, weitere 119 Menschen starben wegen einer Hitzewelle.