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Nach den neusten MassnahmenDiese Sportanlässe sind betroffen – oder bereits gestrichen

Corona zwingt den Schweizer Sport auf Monate hinaus in die Knie. Eine Übersicht über die Konsequenzen für die grössten Veranstaltungen des Landes.

Mujinga Kambundji am Diamond-League-Meeting in Lausanne 2019: Dieses Jahr wird der Wettkampf gezwungenermassen um einiges anders aussehen.
Mujinga Kambundji am Diamond-League-Meeting in Lausanne 2019: Dieses Jahr wird der Wettkampf gezwungenermassen um einiges anders aussehen.
Jean-Christophe Bott (Keystone)

Veranstaltungen mit über 1000 Personen sind bis Ende August verboten. Diese nächste, verlängerte Corona-Massnahme offenbarte der Bundesrat am Mittwoch und setzte damit auch hinter viele Sportanlässe in der Schweiz ein Fragezeichen. Eine Übersicht.

Leichtathletik

Das Diamond-League-Meeting Athletissima in Lausanne vom 20. August muss sich in diesem Jahr neu erfinden. Direktor Jacky Delapierre sagt: «Wir möchten unbedingt ein alternatives Programm bieten und haben drei oder vier Modelle, die wir diskutieren.» Die Diamond-League-Serie macht ihren Veranstaltern dabei keine Vorschriften. «Vielleicht ist es dann ein Meeting nur mit Schweizern. Und es muss finanzierbar sein, wenn die Zuschauereinnahmen wegfallen», sagt er. Für «Weltklasse Zürich» gilt das Gleiche, obwohl die Veranstaltung erst am 14. September angesetzt ist: Man arbeitet an Alternativen. Auch auf den Breitensport bezogen sagt Peter Bohnenblust, Geschäftsführer von Swiss Athletics: «Wir erarbeiten nun Wettkampfformate, mit denen wir das Schutzkonzept einhalten können. Dann sollten kleinere Wettbewerbe ab dem 8. Juni wieder möglich sein.»

Volksläufe

Viele grosse Läufe wie der Zürich Marathon mussten schon abgesagt werden.
Viele grosse Läufe wie der Zürich Marathon mussten schon abgesagt werden.
Walter Bieri (Keystone)

Der Zermatt Marathon (4. Juli) war am Dienstag der letzte Volkslauf, der wegen der Coronakrise hat abgesagt werden müssen. Reto Schorno, Präsident des Vereins Swiss Runners, hat aufgehört zu zählen, er sagt: «Es sind über 100 Laufveranstaltungen, die der Pandemie zum Opfer fielen.» Er fügt an, dass von diesen Absagen «über 200’000 Läuferinnen und Läufer betroffen» waren und errechnet den ungefähren Fehlbetrag: «Bei einem durchschnittlichen Startgeld von 40 Franken sind den Laufveranstaltern rund neun Millionen Franken entgangen.» Man arbeite derzeit an einem Schutzkonzept, mit dem die künftig geltenden Vorschriften eingehalten werden können, «der Knackpunkt ist dabei sicher der Mindestabstand», sagt er. Und weiss auch nicht, wann der nächste Lauf gestartet werden kann. Abgesagt wurde am Mittwoch auch die Premiere des Ironman in Thun, ursprünglich geplant am 12. Juli.

Tennis

Das Tennis-Turniere in Gstaad (im Bild) und Lausanne fallen aus.
Das Tennis-Turniere in Gstaad (im Bild) und Lausanne fallen aus.
Peter Schneider (Keystone)

Bis am 12. Juli, wenn Wimbledon zu Ende gegangen wäre, ist die Tennistour international auf jeden Fall unterbrochen. In den zwei Wochen danach wären zuerst das WTA-Turnier in Lausanne sowie danach das ATP-Turnier in Gstaad angestanden. Für Jeff Collet, der der Organisation beider Turniere vorsteht, kommt die Absage aufgrund des Bundesrats-Entscheids nicht überraschend; die Chance, dass im Juli Profitennisturniere stattfinden, ist ohnehin verschwindend klein. «Wir werden das aber überleben», hatte er schon Mitte Monat erklärt. Weiterhin im Schweizer Tennis-Kalender stehen die Swiss Indoors, die vom 26. Oktober bis 1. November ihr 50-Jahr-Jubiläum feiern möchten.

Radsport

Eigentlich wollte der Radweltverband UCI am Mittwoch ein erneuertes Programm für die verbleibende Saison publizieren. Er verschob dies aber auf nächsten Dienstag – primär wegen den neuen Verboten von Massenveranstaltungen bis Ende August in der Schweiz und in Frankreich. Ob die beiden UCI-Wettkämpfe, die in der Schweiz stattfinden sollten, tatsächlich durchgeführt werden, bleibt damit auch nach der Mittwochs-PK offen. Auf der Lenzerheide stünde Mitte August der Mountainbike-Weltcup auf dem Programm. «Wir sind im engen Kontakt mit der UCI und prüfen derzeit verschiedene Szenarien, von Geisterrennen bis zur Verschiebung, von denen aber noch keines spruchreif ist», heisst es von Bündner OK. Ebenfalls frühestens nächsten Dienstag wird bekannt, was mit der Strassen-WM in Aigle und Martigny von Mitte September geschieht.

Schwingen

Schwingerkönig Christian Stucki und Co. müssen mit dem Gang ins Sägemehl noch lange warten.
Schwingerkönig Christian Stucki und Co. müssen mit dem Gang ins Sägemehl noch lange warten.
Alexandra Wey (Keystone)

Geister-Schwinget sind beim Eidgenössischen Schwingerverband (ESV) kein Thema: Wenige Stunden nach der neusten Corona-Pressekonferenz, gab der Verband bekannt, dass alle Schwingfeste bis Ende August abgesagt sind. Neben sämtlichen Bergfesten schmerzt Schwingfans wohl vor allem die Absage des ESV-Jubiläumsschwingets, das am 30. August in Appenzell hätte stattfinden sollen. Wie die Organisatoren mitteilten, wird der Grossanlass auf 2021 verschoben. Damit würden nächstes Jahr, wenn sich nichts mehr am Kalender ändert, zusammen mit dem Kilchberg-Schwinget zwei Grossanlässe in einer Saison stattfinden. Ob dieses Jahr derweil überhaupt noch Feste durchgeführt werden, liegt laut dem ESV in der Verantwortung der Teilverbände.

Pferdesport

Steve Guerdat im Juni 2019 beim CSIO St. Gallen.
Steve Guerdat im Juni 2019 beim CSIO St. Gallen.
KEYSTONE

Der grösste Reitsportanlass der Schweiz findet wegen der Corona-Krise nicht statt. Der CSIO St. Gallen, der vom 21. bis 24. Mai hätte stattfinden sollen, wurde vom Organisationskomitee abgesagt. Damit müssen sich die Zuschauer in der Oschweiz gedulden, den Schweizer Weltnummern 1 und 2 im Reitsport, Steve Guerdat und Martin Fuchs, zuzuschauen.

Golf

Das Golfturnier von Crans, das vom 27. bis 30. August angestanden wäre, könnte 2020 eventuell trotzdem stattfinden. «Es gibt eine kleine Option, dass wir es im September austragen könnten», sagt Yves Mittaz, der Organisationschef. Ob man diesen Plan weiter verfolgen will, werde am Donnerstag mit Hauptpartner Omega besprochen. «Spätestens Anfang Juni müssen wir Gewissheit haben und einen Entscheid fällen.» Nicht in Frage komme eine Austragung ohne Zuschauer. Die finanziellen Folgen eines Ausfalls wären nicht dramatisch, so Mittaz. Und weil die wichtigsten Sponsorenverträge alle noch weiter laufen, sei er für die Zukunft seines Turniers sehr zuversichtlich.

Hallensport

Die Handballer und die anderen Hallensportler können wohl pünktlich in ihre neue Saison starten.
Die Handballer und die anderen Hallensportler können wohl pünktlich in ihre neue Saison starten.
Alessandro Della Bella (Keystone)

Die Handballer haben geplant, ihre Meisterschaft am 2. September zu beginnen – und sie liegen auch nach der PK vom Mittwoch im Soll (immer unter der Bedingung, dass sich die Situation so entwickelt, wie sich das der Bundesrat vorstellt): «Nur» bis Ende August sind Veranstaltungen mit über 1000 Personen verboten, die Meisterschaft könnte dann also ohne Zuschauerbeschränkungen starten. Das Gleiche gilt auch für die höchsten Ligen im Unihockey (geplanter Saisonstart im September) und Volleyball (Oktober).

Eishockey

Die National League und die Swiss League, die am 18. September in die neue Saison starten sollen, haben sich nach den neuen Massnahmen ebenfalls zu Wort gemeldet. «Für einen planmässigen Start der Saison 2020/21 ist es wichtig, dass Spiele vor Zuschauern durchgeführt werden können», schreiben die Ligen in einem knappen Statement. An einer ausserordentlichen Ligaversammlung am 11. Mai werden sie die nächsten Entscheide treffen.

Fussball

An der PK wurde nicht nur das Versammlungsverbot für über 1000 Personen bis Ende August bekannt, sondern auch einige Lockerungen im Profisport. Diese betreffen derzeit vor allem den Fussball. So darf der Ball ab dem 8. Juni in der Super League wieder rollen. Alles dazu lesen Sie hier. Länderspiele bis Ende August bleiben verschoben.

mos, rst, ebi, jch, lai