Zum Hauptinhalt springen

Auf Bilderjagd – bis in den Tod

Michael Schumacher trug bei seinem Skiunfall eine Helmkamera. Die leichten Geräte werden bei Amateuren immer beliebter. Kameras, wie jene von Go Pro, haben jedoch auch ihre Schattenseite.

Sie sind wasserfest, stosssicher und klein wie eine Schachtel Zigaretten: Go-Pro-Kameras lassen sich an den eigenen Helm, ans Fahrrad, Surfboard oder auf den Rücken eines Adlers schnallen. Sie sind leicht und ab knapp 300 Franken zu haben. Kein Wunder, sind die Kameras auch bei Freizeitsportlern immer beliebter. Auch Michael Schumacher soll angeblich bei seinem Unfall im Skigebiet Trois Vallées eine Go Pro getragen haben.

Kreiert wurde sie einst für ambitionierte Sportler. Erfinder Nicholas Woodman ist selbst einer. Nachdem er mit seiner ersten Geschäftsidee, einer Onlinespiele-Plattform, in Konkurs gegangen war, wollte er sich beim Surfen ablenken. Bald begann er, über eine tragbare Kamera nachzudenken, mit der sich die Action des Surfens auch ohne professionelles Kamerateam einfangen liesse. Laut «Spiegel online» arbeitete Woodman dann 18 Stunden pro Tag an der Umsetzung. Und schnallte sich – ganz unsportlich – einen Trinkrucksack um, um den Weg zum Getränkeautomaten zu vermeiden.

Boom der Extremsportarten

Der Einsatz hat sich gelohnt: 2002 wurde die Firma gegründet, 2012 verkauften sich 2,3 Millionen Modelle. Der Umsatz in jenem Jahr lag laut Woodman bei 521 Millionen Dollar. Der Sohn einer wohlhabenden kalifornischen Familie wurde so auf eigene Faust zum Milliardär. Ähnlich wie Red Bull profitiert Go Pro vom grossen Interesse an Fun- und Extremsportarten. Die Medialisierung des Sports scheint grenzenlos. Jeder kann das Video seiner Ski- oder Mountainbikeabfahrt mit einer Go Pro filmen und auf Youtube mit anderen teilen.

Es gibt aber auch eine Schattenseite der millionenfach angeklickten Videos. Traurige Berühmtheit erlangte Victor Kovats im Oktober 2013, als er bei einem Wingsuit-Sprung verunfallte und starb. Das Go-Pro-Video seines letzten Sprungs ging um die Welt. Laut «Spiegel online» wächst die Sorge, dass Go-Pro-Benutzer sich auf der Jagd nach spektakulären Bildern selbst überschätzen und verunfallen. 22 Menschen sind im Jahr 2013 beim Wingsuit-Fliegen gestorben, mehr als je zuvor.

Kritik an der Youtube-Kultur

Wingsuit-Sportler Ludovic Woerth äusserte sich gegenüber dem Magazin der «Süddeutschen Zeitung» kritisch: «Ich denke schon, dass die Youtube-Kultur und die vielen Toten zusammenhängen. Gerade Jüngere gehen zu schnell zu grosse Risiken ein.»

Abseits der riskanten Extremsportarten werden die etwa 100 Gramm leichten Go Pros aber auch oft einfach an alles geschnallt, was sich bewegt: Geparden, Schildkröten, Delfine, das eigene Auto und so weiter. Felix Baumgartner trug bei seinem Sprung aus der Stratosphäre gleich fünf Go Pros am Körper. Der Zuschauer ist stets nahe am Geschehen, ob der Held nun mit Löwen kuschelt oder gerade mit dem Snowboard über eine Klippe springt.

Dass das Go-Pro-Prinzip aufgeht, zeigte sich auch im Dezember 2012. Damals kaufte der taiwanische Apple-Zulieferer Foxconn einen Go-Pro-Anteil von 8,9 Prozent – und zahlte dafür 200 Millionen Dollar.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch