Die goldige Zukunft des Laptops

Das neue Macbook zeigt, wie Notebooks in ein paar Jahren aussehen werden. Doch was ist mit der Gegenwart?

  • loading indicator
Rafael Zeier@RafaelZeier

Man kennt das Phänomen von Autoherstellern. An jeder Messe zeigen sie futuristische Prototypen und Designstudien: der Zeit voraus, kaum alltagstauglich und schon gar nicht marktreif.

Auch Techkonzerne zeigen gerne ­futuristische Konzepte und verkaufen diese nicht selten sogar. Googles smarte Brille oder Microsofts erste Surface-Tablets waren mehr Machbarkeitsstudien als fertige Produkte.

Auch das 2008 von Steve Jobs theatralisch aus einem Briefumschlag gezogene Macbook Air fiel in diese Kategorie. In erster Linie zeigte Apple damit, wie dünn ein Laptop sein kann. Bis daraus ein alltagstauglicher Computer wurde, dauerte es Jahre. Mit der Zeit sank der Preis, der Akku hielt länger, und es gab mehr ­Anschlüsse.

Mit dem neuen Macbook (ab 1399 Franken) wiederholt sich die Geschichte. Apple nennt es die Zukunft des Notebooks und dürfte damit in vielen Bereichen recht behalten. 13 Millimeter dick und 900 Gramm schwer, erfüllt der neue 12-Zoll-Laptop das Mantra von dünner und leichter.

Nicht so leicht, wie es aussieht

Auch optisch sticht das Gerät ins Auge. Nicht zuletzt wegen der Farboptionen. Nebst dem inzwischen Apple-typischen Silber gibt es das Macbook auch in Dunkelgrau und einem matten, fast kupferfarbenem Gold. Wer das Notebook sieht, will es in die Hände nehmen und staunt, wie dünn es ist. Ganz so leicht, wie man vermuten würde, fühlt es sich aber nicht an.

Die dünne Bauweise verlangt nach Kompromissen. Wie schon beim ersten Macbook Air spart Apple auch beim neuen Macbook bei den Anschlüssen. Nebst einem Kopfhörereingang gibt es wie damals gerade noch einen USB-Anschluss. Allerdings nicht USB 2.0 wie 2008, sondern den neuen USB-C-Standard.

Über diesen einen Anschluss wird das Notebook geladen und mit anderen Geräten verbunden. Wer alte USB-Geräte, Bildschirme oder Beamer per Kabel nutzen möchte, braucht einen Adapter. Bei Apple kosten die zwischen 20 und 90 Franken. Da USB-C aber ein offener Standard ist, bleibt es nur eine Frage der Zeit, bis andere Hersteller günstigere Optionen anbieten werden.

Erfahrene Macbook-Nutzerinnen und Nutzer werden zudem das magnetische Ladekabel mit der Leuchtdiode vermissen. Trotzdem dürfte sich der neue Standard in den nächsten Jahren durchsetzen und dem Ladekabel-Chaos zu Leibe rücken. Nebst Apple gibt es unter anderem von Google und Nokia Geräte mit dem neuen Stecker.

Gewöhnen muss man sich an die neue Tastatur. Auch hier hat Apple Kompromisse gemacht, um den Laptop so dünn wie möglich zu machen. Die Tasten sinken weniger weit ein, als man sich das von früheren Modellen gewohnt ist. Nach etwas Eingewöhnungszeit ist das aber schnell vergessen.

Zukunftsweisende Illusion

Das Zukunftsweisendste am neuen Macbook ist aber das Touchpad. Das gaukelt einem durch gezielte Vibrationen vor, man würde klicken oder einen mechanischen Knopf drücken. Tatsächlich bewegt sich die Glasplatte aber nur minimal. Der Eindruck ist eine Illusion.

Dass es tatsächlich so ist, merkt man, wenn man das Macbook ausschaltet. Ohne Strom klickt das Touchpad nicht mehr. Mit dieser Technologie könnte es dereinst sogar möglich sein, auf Touch­screens den Eindruck zu erwecken, man würde auf einer Tastatur mit richtigen Tasten schreiben.

Beim Bildschirm gibt sich Apple ­weniger experimentierfreudig. Mit 2304×1440 Pixeln ist die Auflösung zwar angenehm hoch, ein Touchscreen ist es nicht. Ob der bei einem Laptop Sinn macht, darf bestritten werden. Wer sich allerdings Tablets und Smartphones gewohnt ist, wird sich früher oder später dabei ertappen, mit dem Finger auf den Bildschirm statt aufs Touchpad zu tippen. Freilich ohne Wirkung.

Effizienter Prozessor und grosser Akku

Im Inneren des Macbook kommen Intels Core-M-Prozessoren zum Einsatz. Die sind besonders effizient und kommen ohne lärmige Kühlung aus. Dafür sind sie nicht ganz so leistungsstark wie andere Modelle. Aber solange man keine aufwendigen Multimediaarbeiten verrichtet oder Games spielt, dürfte das im Alltag kaum auffallen. Der Speicherplatz beträgt entweder 256 oder 512 GB.

Was steckt sonst noch im neusten Macbook? Akkus. Wenn man den Querschnitt des Geräts anschaut, sieht man eine kleine Computerplatine, das Touchpad und vor allem Akkuplatten. Apple verspricht, dass das Macbook 9 Stunden durchhalte. Das ist zwar nicht so viel wie die zwölf Stunden des aktuellen Macbook Air, reicht im Alltag aber für einen längeren Ausflug abseits von Steck­dosen. Aber auch hier musste Apple mit dem neuen Bildschirm und der dünnen Bauweise Kompromisse machen.

Fazit: Das neue Macbook zeigt, wie in ein paar Jahren Notebooks aussehen und funktionieren werden. Aktuell ist das Macbook in erster Linie ein Design-Statement. Wer einen schönen und handlichen Laptop sucht, beim Budget flexibel ist und nicht zu hohe Ansprüche an Akku und Leistung hat, kann damit nichts falsch machen. Wer heute einen flexiblen Arbeitslaptop braucht, sollte sich anderweitig umsehen.

berneroberlaender.ch/Newsnetz

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt