Revolten gegen Hightech-Deals mit der Armee

Immer wieder protestieren Mitarbeiter grosser Konzerne gegen militärische Geschäfte.

Die Hololens von Microsoft, hier bei einer Präsentation der Nasa im Oktober 2016, lässt sich nicht nur zivil, sondern auch militärisch einsetzen.

Die Hololens von Microsoft, hier bei einer Präsentation der Nasa im Oktober 2016, lässt sich nicht nur zivil, sondern auch militärisch einsetzen.

(Bild: Reuters Mike Blake)

Matthias Schüssler@MrClicko

An der grossen Telecom-Messe in Barcelona hat Microsoft diese Woche die Hololens 2 vorgestellt. Das ist die zweite Ausgabe der Mixed-Reality-Brille, mit der sich im Sichtfeld des Trägers virtuelle Objekte einblenden lassen. Das ergibt viele Anwendungsfälle fürs Gaming und die Unterhaltung, aber auch für Forschung und Produktentwicklung.

Und fürs Militär. Microsoft hat Ende November 2018 einen Vertrag über 480 Millionen US-Dollar mit dem US-Militär an Land gezogen. Die Armee will die Brille für Kampfeinsätze und fürs Training. Schon bevor Microsoft die Offerte unterbreitet hatte, kam aus der Belegschaft Kritik: Viele Microsoft-Mitarbeiter wollen nicht, dass ihre Arbeit für Kriegszwecke genutzt wird.

Microsoft-Chef Satya Nadella hatte in einem Interview mit CNN widersprochen: Es entspreche den Prinzipien des Unternehmens, demokratisch gewählte Institutionen zu unterstützen, die unsere Freiheit beschützen.

Die Microsoft-Mitarbeiter gaben sich mit dieser Ansage des Chefs nicht zufrieden. Über Twitter haben sie letzte Woche einen offenen Brief mit drei Forderungen veröffentlicht: Microsoft solle den Vertrag mit dem Militär wieder künden, sich öffentlich gegen die Entwicklung von Waffentechnologien stellen und einen Ethikrat einsetzen.

Tödlicher dank Hololens

Die Unterzeichnenden kritisieren die Vorgabe im Vertrag, die virtuell ausgebildeten Soldaten müssten nicht nur bei der Mobilität und Lageerfassung, sondern auch bei der «Letalität» zulegen. Ferner stören sie sich daran, dass die Ingenieure erst nachträglich vom militärischen Verwendungszweck erfahren haben. Deswegen sei auch der Lösungsvorschlag von Microsofts oberstem Juristen nicht umsetzbar: Brad Smith hatte versprochen, Mitarbeiter mit ethischen Bedenken könnten sich zu anderen Projekten versetzen lassen.

In diesem Video zeigt die US-Armee, was sie unter «taktischer Augmented Reality» versteht.

Microsoft ist nicht das einzige Unternehmen, in dem die Mitarbeiter gegen Militärprojekte opponieren. Auch Sundar Pichai, der Chef von Google, hat im letzten April einen offenen Brief erhalten. In dem haben sich Tausende Unterzeichner gegen das «Project Maven» gestellt und verlangt, das Unternehmen solle sich nicht am «Geschäft des Krieges» beteiligen.

Google stoppt Armeeprojekt

Das Projekt des Pentagon hat das Ziel, in Drohnenvideos mittels künstlicher Intelligenz Objekte und Personen zu erkennen. Die Kritik hat offenbar gewirkt, denn gemäss der Newsplattform «Gizmodo» will Google den Vertrag nicht verlängern, wenn er nächsten Monat ausläuft.

Auch Amazon-Chef Jeff Bezos gehört zu den Empfängern eines offenen Briefes. Bei ihm richtete sich der Protest gegen die Lieferung einer Gesichtserkennungssoftware an Polizeibehörden.

Zumindest wenn es um Kriegsmaterial geht, ist für einen prononcierten Teil der Tech-Branche eine moralische Grenze überschritten.

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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