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«Hilfe! Jemand folgt mir ;-)»

Staatschefs wollen Wähler über Twitter für sich gewinnen. Laut einer neuen Studie setzen aber nur 30 Regierungschefs ihre Tweets selbst ab.

Fleissiger Twitterer: US-Präsident Barack Obama.
Fleissiger Twitterer: US-Präsident Barack Obama.
AFP

Die Regierungen von fast zwei Dritteln der 193 UN-Mitgliedsstaaten twittern. Die zwitschernden Regierungschefinnen und -chefs setzten einer neuen Studie zufolge insgesamt mehr als 350'000 Tweets ab, die insgesamt fast 52 Millionen Menschen verfolgten. Deutschland gehört zu einem der wenigen Länder, in denen weder der Regierungschef noch das Staatsoberhaupt Twitter nutzen. Drei Viertel der europäischen Regierungen seien auf Twitter aktiv, fand die PR-Firma Burson-Marsteller in einer Studie heraus.

Allerdings schreibt der deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert seit Frühjahr 2011 regelmässig Nachrichten und beantwortete bereits Fragen anderer Nutzer. Auch Umweltminister Peter Altmaier, SPD-Chef Sigmar Gabriel und einige Bundestagsabgeordnete setzen regelmässig eigene der höchstens 140 Zeichen langen Nachrichten ab.

Für die Politiker hat es durchaus Vorteile, sich auf dem sozialen Netzwerk zu tummeln. Hier können sie sich direkt an Wähler wenden, ohne Umweg über die klassischen Medien. Nicht umsonst entdecken grade Wahlkämpfer das Twittern gerne für sich.

Nur wenige schreiben selbst

Die PR-Firma Burson-Marsteller analysierte für ihre Studie im Juli die Twitter-Profile von 264 Staats- und Regierungschefs und ihrer Institutionen in 125 Ländern. Twitter war an der Studie mit dem Titel «Twiplomacy» nicht beteiligt, wie Matthias Lüfkens von Burson-Marsteller erklärte. Insgesamt hat das sechs Jahre alte soziale Netzwerk nach eigenen Angaben 140 Millionen aktive Nutzer.

Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass nur 30 Regierungschefs ihre Tweets selbst absetzen, bei anderen schreiben meist Mitarbeiter. Insgesamt verschickten sie Nachrichten in 43 Sprachen. Englisch lag mit 90 Twitter-Konten vor Spanisch mit 41. Französisch und Arabisch folgten.

Die meisten Anhänger auf Twitter verbucht US-Präsident Barack Obama. 17,9 Millionen Menschen verfolgen die Nachrichten, die sein Wahlkampfteam regelmässig verschickt. Nur Stars wie Britney Spears und Lady Gaga haben noch mehr sogenannte «Follower», die ihre Nachrichten per Klick auf einen «Folgen»-Knopf abonniert haben.

Obama schreibt selten selbst, aber wenn er es tut, unterzeichnet er die Äusserungen mit seinen Initialen «BO». So tat er es in einer Nachricht an seine Ehefrau am Valentinstag. Obamas Rivale, der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney, nutzt ebenfalls Twitter und Facebook im Wahlkampf. Seine Nachrichten verfolgen 826'000 Twitternutzer - im Vergleich zu Obama wenige.

Twittern vor allem zu Wahlkampfzeiten

Die beliebteste Nachricht von Obamas Wahlkampfteam war ein Tweet vom 9. Mai mit der Aussage des Präsidenten, dass gleichgeschlechtliche Paare heiraten können sollten. Die Nachricht wurde mehr als 62.000 Mal von anderen Nutzern an ihre eigenen Freunde weitergeleitet.

Immerhin 4'444 Mal wurde die Warnung des malaysischen Ministerpräsidenten Najib Razak weitergegeben: «An meine Twitter-Freunde, ein Feiertag ist für das Land sehr teuer. Wir dürfen nicht übertreiben. Wir müssen hart arbeiten.»

In der Studie hiess es, Politiker erinnerten sich anscheinend während des Wahlkampfes gerne an Twitter. Nach der Wahl verstummten sie dann häufig. Dies gelte zum Beispiel für die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff und den französischen Staatspräsidenten François Hollande. Auch die deutsche SPD-Politikerin Hannelore Kraft, nicht Teil der Studie, entdeckte den Internetdienst im Wahlkampf für sich. Seit ihrer Wiederwahl zur Ministerpräsidentin Nordrhein-Westfalens ist es auf ihrem Profil ruhig geworden, die letzte Nachricht stammt von 1. Juli.

Mancher Politiker hat jedoch auch Spass an der Sache. So twitterte der estnische Präsident Toomas Hendrik Ilves am 15. Mai zum ersten Mal und erklärte: «Hilfe! Jemand folgt mir ;-)» Seitdem schickte er weitere 152 Nachrichten.

(Studie im Internet: )

( ist Korrespondent der AP)

Bildhinweis: 204472APLASW118

dapd/T2012073051663/712/ng/jbi

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