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«Ich hatte zwölf Tage lang die Augen verbunden»

Der Ägypter Wael Ghonim war tagelang verschollen, am Sonntag gab das Regime zu, den Google-Manager verhaftet zu haben. Gestern kam er wieder frei. Der Internetexperte ist die neue Symbolfigur des Widerstands.

Eine junge Symbolfigur: Wael Ghonim auf dem Tahrir-Platz in Kairo.
Eine junge Symbolfigur: Wael Ghonim auf dem Tahrir-Platz in Kairo.
Keystone
Ein undatiertes Bild von Wael Ghonim.
Ein undatiertes Bild von Wael Ghonim.
Keystone
Soziale Netzwerke wie Facebook verleihen der jungen Generation eine grosse Macht.
Soziale Netzwerke wie Facebook verleihen der jungen Generation eine grosse Macht.
Keystone
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Ein vor knapp zwei Wochen in Ägypten festgenommener Google-Manager ist wieder frei. Wenige Stunden nach seiner Freilassung gab der junge Ägypter am Montag ein emotionales Fernsehinterview, in dem er beschrieb, wie er vor 12 Tagen von vier Männern auf offener Strasse überwältigt und zur ägyptischen Staatssicherheit gebracht worden war.

«Auf der Strasse sind alle Helden»

Während seiner gesamten Inhaftierung seien ihm die Augen verbunden gewesen, gefoltert sei er aber nicht geworden. Der zweifache Familienvater bezeichnete seine Verhaftung als Entführung und ein Verbrechen, gab sich aber versöhnlich. Dies sei nicht die Zeit, Rechnungen zu begleichen, es sei die Zeit von Ägypten. Zugleich verwahrte er sich wiederholt dagegen, der Held der Demonstranten zu sein. Es gebe keine Helden, alle auf der Strasse seien Helden, erklärte der Marketing-Manager.

Der junge Mann, der in Dubai lebt, steckt nach eigener Aussage hinter der Facebook-Seite «Wir sind alle Khaled Said», auf der die Jugendlichen des Landes seit dem 25. Januar zu den täglichen Demonstrationen am zentralen Tahrir-Platz in der Kairoer Innenstadt aufgerufen werden. Der Name der Seite bezieht sich auf einen 28-jährigen Blogger, der im Juni des vergangenen Jahres in Alexandria von zwei Polizisten in Zivil auf offener Strasse zu Tode geprügelt wurde.

Verhaftung erst am Sonntag bestätigt

Seit dem 27. Januar, zwei Tage nach Beginn der Proteste, galt der Google-Manager als vermisst. Seine letzte Twitter-Nachricht lautete: «Betet für Ägypten. Wir befürchten, dass die Regierung Kriegsverbrechen gegen das eigene Volk verübt. Wir sind alle bereit zu sterben.»

Erst am (vergangenen) Sonntag bestätigte ein bekannter ägyptischer Geschäftsmann, dass der junge Mann inhaftiert sei, seine Freilassung aber kurz bevorstehe.

Unterdessen sagte die Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch am Montag der Nachrichtenagentur AP, die zweiwöchigen Proteste hätten bislang mindestens 297 Menschen das Leben gekostet. Die Zahl der Todesopfer werde aber vermutlich noch steigen.

dapd/rek

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