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Kims Hacker – nur China kann sie stoppen

Der Fall Sony lässt die USA alt aussehen. Können die Cyberkrieger der Spezialeinheit 61398 in Shanghai helfen?

Sind je länger desto mehr weltweit gefragt: Chinesische Computerspezialisten. (Archivbild)
Sind je länger desto mehr weltweit gefragt: Chinesische Computerspezialisten. (Archivbild)
Keystone

Hua Chunying wartet mit ihrer Antwort. Die Sprecherin des chinesischen Aussenministeriums lässt ihren Blick über die internationalen Korrespondenten im Pressesaal des Ministeriums schweifen. Dann blättert sie durch ihre Unterlagen. Ob China dem Hilfegesuch der USA zur Abwehr von Cyberangriffen aus Nordkorea nachkommen werde, wollte ein US-Journalist von ihr wissen.

Ist stolz auf seine Angestellten: Sony-Chef Kazuo Hirai. (5. Januar 2015)
Ist stolz auf seine Angestellten: Sony-Chef Kazuo Hirai. (5. Januar 2015)
AFP
Die USA beschuldigen Nordkorea offiziell des Hackerangriffs auf Sony: Barack Obama bei einer Pressekonferenz in Washington.
Die USA beschuldigen Nordkorea offiziell des Hackerangriffs auf Sony: Barack Obama bei einer Pressekonferenz in Washington.
Keystone
Terrordrohungen bei der Premiere und Ärger mit Nordkorea: Die Hauptdarsteller von «The Interview», James Franco (links) und Seth Rogen. (11. Dezember 2014)
Terrordrohungen bei der Premiere und Ärger mit Nordkorea: Die Hauptdarsteller von «The Interview», James Franco (links) und Seth Rogen. (11. Dezember 2014)
Kevork Djansezian, Reuters
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Ihre Lippen deuten ein Lächeln an, als sie antwortet. «Natürlich ist China bereit, einen internationalen Dialog über Cyber-Sicherheit zu führen», sagt sie. Das fordere Peking ohnehin seit langer Zeit. «Aber jeder Dialog muss auf gegenseitigem Respekt beruhen.»

Anklage aus USA

Die Worte sitzen. Immer wieder musste Hua Chunying auf Hackervorwürfe aus den USA antworten. Stets wurde Peking als der Bösewicht und Drahtzieher von Cybersabotage und Industriespionage dargestellt. Im Mai hatte US-Justizminister Eric Holder Anklage gegen fünf mutmassliche Hacker der Volksbefreiungsarmee erhoben.

Wie Verbrecher wurden die Fotos der ranghohen Militärs auf Steckbriefen in einer Pressekonferenz präsentiert. Die Geste wurde in China als diplomatische Kampfansage gewertet. Peking bestellte aus Protest den US-Botschafter ein und stoppte eine Arbeitsgruppe mit den USA zur Cybersicherheit.

Der Schlagabtausch zwischen Washington und Peking ist rund ein halbes Jahr her. Jetzt plötzlich begegnen die USA China mit völlig neuen Tönen. Mutiert Peking für Washington vom Übeltäter zum umworbenen Partner in der internationalen Cybersicherheit?

Vermittlung statt direkte Hilfe möglich

Der Cyberangriff auf das Filmstudio Sony Pictures kam nach Einschätzung der USA aus Nordkorea. US-Präsident Barack Obama hat eine «angemessene» Reaktion angekündigt. Und dabei soll China, das für Nordkorea technisch das Tor zur Internetwelt ist, offenbar helfen.

Die freundlichen Töne aus Washington könnten Peking milde stimmen, sagt der aussenpolitische Experte Cheng Xiaohe von der Volksuniversität in Peking der Deutschen Presse-Agentur.

«Aber China wird keine direkte Hilfe leisten.» Peking könnte allenfalls als Mittler bei Diskussionen der USA mit Nordkorea fungieren. Dabei werden Chinas Soldaten grosse Fähigkeiten als Cyberkrieger zugeschrieben.

Modernste Cyberkrieger

Zwölf Stockwerke hat das graue Bürogebäude in Shanghai. Hier soll die Spezialeinheit 61398 der Volksbefreiungsarmee ihren Sitz haben. 61398 ist nicht irgendeine Abteilung der Streitkräfte Chinas, sondern eine Truppe der modernsten Cyberkrieger. Das behauptet zumindest die US-Sicherheitsfirma Mandiant.

In diesem Gebäude in Shanghai soll sich ein Teil der Spezialeinheit 61398 befinden.
In diesem Gebäude in Shanghai soll sich ein Teil der Spezialeinheit 61398 befinden.

61398 und andere Spezialabteilungen sollen weltweit für Angriffe und Sabotageaktionen verantwortlich sein. «China hat die Kapazität, überall auf der Welt zuzuschlagen», schreibt der US-Militärexperte David Shambaugh von der George Washington Universität.

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping hat sein Land persönlich auf eine Modernisierung der Streitkräfte eingestimmt. «Wir müssen Anstrengungen unternehmen, um unser Land zu einer Cybermacht aufzubauen», sagte Xi im Februar. Gleichzeitig kündigte er an, eine neue Führungsgruppe für Internetsicherheit zu leiten, die die Arbeit der Behörden und der Armee bündeln soll.

Es ist nicht klar, was die Gruppe bisher gemacht hat. Aber Militärexperten schreiben von Dutzenden, schnell wachsenden Cyber-Einheiten in China - bei der Volksbefreiungsarmee, der Polizei und dem Ministerium für Staatssicherheit. Xi sagt nur: «Keine Sicherheit im Internet bedeutet keine nationale Sicherheit.»

SDA

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