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Millionen suchen am PC nach Flug MH370

Teams aus 26 Staaten suchen seit über einer Woche vergeblich nach Flug MH370. Auf der Webseite DigitalGlobe kann man sich an der Suche nach der Boeing beteiligen - und zuhause Satellitenbilder durchforsten.

Resultate der Suche durch die Massen: Karte von Tomnod zeigt, wo Suchende auf Satellitenbildern mögliche Hinweise fanden.
Resultate der Suche durch die Massen: Karte von Tomnod zeigt, wo Suchende auf Satellitenbildern mögliche Hinweise fanden.

Eine Fläche etwas grösser als Australien umfasst inzwischen das Gebiet, in dem der seit dem 8. März mysteriös verschwundene Passagierjet der Malaysia Airlines gesucht wird. Dutzende Schiffe und Flugzeuge aus 26 Staaten brachten bislang keine Gewissheit darüber, was aus Flug MH370 geworden ist. Unterstützt werden die Fahnder von Millionen Internetnutzern, die von zuhause aus Satellitenbilder auswerten.

Auf der Webseite der US-Satellitenfirma DigitalGlobe können Satellitenbilder des Suchgebiets angeschaut werden, mutmassliche Objekte können markiert werden. Wer meint, ein Flugzeug oder einen Ölteppich auszumachen, setzt eine Markierung und hilft damit, das Suchgebiet weiter einzugrenzen.

Beim sogenannten Crowdsourcing übernimmt die «crowd», also die Masse, bestimmte Tätigkeiten - das können Restauranttests für Webseiten sein oder eben die Auswertung von Unmengen von Daten, die von Behörden nicht in den Griff zu bekommen sind.

Drei Millionen Nutzer helfen bei Suche

DigitalGlobe stellt immer wieder seine Satellitenbilder zur Verfügung, zuletzt etwa nach dem Taifun Haiyan, der im November auf den Philippinen wütete. Die Beteiligung an der Suche nach dem Flugzeug der Malaysia Air war seit der Aktivierung der Online-Plattform Tomnodam 11. März so gross, dass zeitweilig der Server zusammenbrach. Mehr als drei Millionen Nutzer beteiligten sich seit vergangener Woche an der Online-Suche, wie DigitalGlobe mitteilte.

«Es gab zwar Projekte mit so vielen Teilnehmern wie jetzt, aber eher nicht in so einem kurzen Zeitraum», sagt Lea Shanley, die beim Woodrow Wilson International Center for Scholars das Phänomen Crowdsourcing erforscht. «Auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass das Flugzeug durch dieses Crowdsourcing gefunden wird, so hilft es dabei herauszufinden, wo es nicht ist.» Dadurch werde den professionellen Auswertern der Bilder wichtige Zeit geschenkt.

Mit einem Programm namens CrowdRank filtert DigitalGlobe die vielversprechendsten Hinweise aus, etwa, wenn es an einem Ort mehrere Markierungen gibt.

Gesunkene Bäume und eine Jesus-Statue

Die Kommunikation zwischen den Hobby-Forschern ist indes rege. Einige meinten auch bereits, ein Flugzeug gefunden zu haben: «Sieht wie die Form eines Flugzeugs aus, aber ich habe Zweifel. Ähnliche Form auf Kartenausschnitt 112075, auch in der Nähe eines Flusses...denke, es sind gesunkene Bäume», schreibt ein Nutzer mit den Namen Rasande Tyskar Youness Mikou. «Youness, es sieht ein bisschen klein aus, aber es hat definitiv die Form eines Flugzeugs», antwortet jemand mit dem User-Namen Alice von Malice.

Manche Nutzer markierten Stellen, an denen sie im Meer schwimmende Flugzeugsitze oder Wrackteile, ein Boot oder sogar «eine Jesus-Statue» entdeckt haben wollen. Andere meinten, Ölflecken auf dem Wasser gesehen zu haben. Einige Besucher der Seite verwiesen darauf, dass Satellitenbilder lediglich Schnappschüsse seien, also anders als Überwachungskameras nur einen kurzen Moment einfingen - es müsse also grosser Zufall sein, das Flugzeug zu finden.

Studie spricht für Crowdsourcing

Doch Wissenschaftler halten das Crowdsourcing für eine wichtige Unterstützung in der Forschung: Laut einer vergangene Woche veröffentlichen Studie fanden Freiwillige bei der Auswertung von Mondbildern der Nasa ebenso viele Krater wie die Wissenschaftler der US-Raumfahrtbehörde. Das beweise, dass das Crowdsourcing dazu beitrage, zuverlässigere Daten zu erhalten, sagt der Leiter der Studie, Stuart Robbins von der Universität Colorado.

Das Crowdsourcing wird - wie nach dem Hurrikan Sandy an der US-Ostküste oder dem Sturm Hayian - zunehmend auch bei der Bewältigung von Naturkatastrophen eingesetzt. Es bedürfe aber auch guter Programme, die brauchbare von unbrauchbaren Informationen trennen könnten, sagt Forscherin Shanley. Das Crowdsourcing entwickle sich vom einfachen Datensammeln immer mehr zu einer Datenanalyse durch die «crowd».

AFP/kpn

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