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Sterben für ein Foto

Ist es das wert? Sein Leben aufs Spiel zu setzen, nur um ein möglichst cooles Bild im Internet verbreiten zu können? Diese Frage beschäftigt Australien, nachdem ein Mann beim sogenannten Planking starb.

«Es gibt einen Unterschied zwischen einem harmlosen Vergnügen und dem, für das man sein Leben riskiert»: Planking kann gefährlich sein.
«Es gibt einen Unterschied zwischen einem harmlosen Vergnügen und dem, für das man sein Leben riskiert»: Planking kann gefährlich sein.
Peopleplanking.com

Der 20-jährige Acton Beale stürzte in den Tod, nachdem er sich in Brisbane für ein Foto-Shooting auf eine Balkonbrüstung im siebten Stock gelegt hatte. Im sozialen Netzwerk Facebook avancierte der absurde Sport in den vergangenen Tagen zum letzten Schrei - je ungewöhnlicher die Situation des Schnappschusses, desto besser.

Nach einer durchzechten Nacht war Beale auf das Geländer eines Balkons gestiegen, machte sich steif wie ein Brett und legte die Arme eng an den Körper, um sich für ein möglichst skurriles Foto ablichten zu lassen. Die Sache ging schief: Beale stürzte in den Tod.

Die Modewelle schwappt durch die Welt

Bisher war das Phänomen Planking eher eine Randerscheinung. Etwa 10'000 Fans hatten sich auf der Website Planking Australia Facebook eingetragen. Doch als die Polizei einen jungen Mann anklagte, der sich für ein Foto auf ein Polizeiauto legte, schoss die Mitgliederzahl in vier Tagen auf fast 100'000. Auf Hunderten Fotos sind meist junge Leute zu sehen, die flach mit dem Gesicht nach unten auf Eisenbahnschienen, Feuerhydranten, Motorrädern, Fahrstühlen, Autobahnbrücken, Imbisstheken oder anderen möglichen und unmöglichen Objekten posieren.

Nicht zuletzt durch die Berichterstattung über Beales Tod schwappt die Modewelle durch die Welt: Planking Germany, Planking UK, Planking USA und Planking France heissen die Facebook-Ableger. Doch die Polizei warnt, dass das Ganze ausser Kontrolle geraten könnte.

Die Polizei warnt

«Wir haben kein Problem mit dem Planking an sich», sagt der stellvertretende Polizeichef des australischen Bundesstaates Queensland, Ross Barnett. «Wenn Sie ein Foto von sich machen wollen, wie Sie auf einer Parkbank planken, dann bestehen da keine gesundheitlichen Risiken. Aber wenn Sie anfangen, das im siebten Stock zu tun oder auf einer Eisenbahnschiene, da sind wir beunruhigt» sagt Barnett. «Ist es das wert, ein Leben im Rollstuhl zu verbringen, nur um ein lustiges Foto zu haben, mit dem man jemanden im Internet beeindrucken kann, den man gar nicht kennt?»

Am Montag schaltete sich auch die australische Regierungschefin Julia Gillard ein: «Es gibt einen Unterschied zwischen einem harmlosen Vergnügen und dem, für das man sein Leben riskiert», sagte sie. «Dieser Todesfall ist wirklich tragisch - eine Familie wird heute am Boden zerstört sein. Deshalb meine Botschaft: Jeder möchte ein bisschen Spass haben, aber die Sicherheit muss vorgehen.»

Es begann als spleeniger Zeitvertreib

Sam Weckert hat die australische Planking-Seite auf Facebook gegründet. Er bestreitet, dass der Trend dazu verleitet, unnötige Risiken einzugehen. «Planking begann als witziger, spleeniger Zeitvertreib», wird er in den australischen Medien zitiert. «Wir haben zwar keine Kontrolle über das Verhalten anderer, wollen die Planker aber trotzdem bitten, auf ihre Sicherheit zu achten und verantwortungsbewusst zu handeln.» Weckert appellierte auch an die Medien, den Tod Beales nicht zur Sensation zu machen.

Auf Youtube gibt es bereits Filmanleitungen zum Planking. Auch bei Wikipedia findet sich ein Planking-Eintrag. Nach einem Bericht der Tageszeitung «Sydney Morning Herald» findet der Sport schon seit Jahren in Europa und Japan Anhänger unter dem Namen «Lying Down Game» (Hinlegspiel). Doch erst jetzt und mit dem vermutlich in Australien geprägten Begriff Planking wurde er zum Hype.

AFP/rek

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