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Terror-Video: Plattformen kommen mit Löschen nicht nach

Millionen Kopien des Livevideos von Christchurch wurden verbreitet. Facebook nennt die Zahlen des Grauens, Youtube griff zu ungewöhnlichen Massnahmen.

Jannis Brühl und Anna Ernst
Die Such-Vorschläge zu «Christchurch» bei Youtube sprechen Bände. (Screenshot Youtube / 19. März 2019)
Die Such-Vorschläge zu «Christchurch» bei Youtube sprechen Bände. (Screenshot Youtube / 19. März 2019)

Nach dem rechtsextremistischen Terroranschlag im neuseeländischen Christchurch reagiert Facebook auf internationale Kritik. In dem sozialen Netzwerk war ein Video des Täters zu sehen gewesen, der seine Tat unter anderem mit einer Helmkamera filmte und live übertrug. Wie Facebook jetzt in einer Pressemitteilung schreibt, wurde das originale Video nur rund 4000 Mal angeschaut, bevor es aus dem sozialen Medium entfernt wurde. In Kopien wurde es aber millionenfach weiterverbreitet.

Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern übte bei einer Rede im Parlament harsche Kritik an Facebook: Man könne sich «nicht einfach zurücklehnen und akzeptieren, dass diese Plattformen existieren», sagte Ardern. Sie sieht die sozialen Medien in der Verantwortung: «Sie sind der Herausgeber und nicht nur der Briefträger.» Einen Fall des «kompletten Profits ohne Verantwortung» könne es nicht geben, sagte sie.

Auch Australiens Premierminister Scott Morrison hatte Konsequenzen für soziale Medien gefordert. Es müsse ein gemeinsames Abkommen über die Folgen für Medien geben, die terroristische Angriffe übertragen, forderte Morrison in einem Schreiben an den japanischen Ministerpräsidenten und Vorsitzenden der G-20-Gruppe, Shinzo Abe.

Von 200 auf Millionen in wenigen Stunden

In seiner Stellungnahme beteuert Facebook, rund um die Uhr daran zu arbeiten, dass solche Inhalte von der Seite verschwinden. Sowohl Personal als auch entsprechende Technik würden dafür eingesetzt. Wie der Konzern erklärt, sollen 200 Nutzer das Video des mutmasslichen Attentäters bereits während der 17-minütigen Liveübertragung angeschaut haben. Keiner dieser Nutzer fand den Inhalt beanstandungswürdig. Erst zwölf Minuten nach Ende des Livestreams sei das Video bei Facebook zum ersten Mal gemeldet worden.

Video: Schüler gedenken Terroropfer mit Haka

Haka ist ein traditioneller neuseeländischer Tanz, der Kraft und Eintracht symbolisiert. (Reuters)

Noch bevor man auf das Video aufmerksam gemacht worden sei, habe sich der Inhalt aber auch schon ausserhalb des sozialen Mediums im Internet verbreitet. So sei der Clip auf einer File-Sharing-Plattform hochgeladen worden. Ein Nutzer habe den entsprechenden Link dann auf 8chan geteilt, jenem Onlineforum, in dem mutmasslich auch der Attentäter ein rechtsextremes Manifest verbreitete.

Wann genau Facebook das Video aus dem Netz nahm, teilt das Unternehmen nicht mit. Es räumt aber ein, dass es auch von der neuseeländischen Polizei auf den Inhalt aufmerksam gemacht worden sei. Minuten später habe man dann das Video gelöscht, heisst es in der Stellungnahme. Der persönliche Facebook- sowie Instagram-Account des mutmasslichen Täters sei entfernt worden.

Youtube nutzt Filter, um Masse an Videos zu löschen

Zudem habe Facebook mit technischen Möglichkeiten versucht, Videos mit gleichem Inhalt aufzuspüren und zu löschen. Mehr als 1,5 Millionen Kopien der Aufnahme seien innerhalb der ersten 24 Stunden nach dem Anschlag gelöscht worden. Bei weiteren 1,2 Millionen Kopien habe man bereits das Hochladen verhindern können.

Nicht nur Facebook hatte Probleme, die Verbreitung des Videos einzudämmen. Auf Youtube sei das Video in der Hochphase jede Sekunde einmal hochgeladen worden, berichtet die «Washington Post». Das habe Youtube zu einem ungewöhnlichen Schritt veranlasst. Das Sicherheitsteam entmachtete seine menschlichen Inhalts-Kontrolleure, die Inhaltserkennung und Löschung wurde komplett auf Algorithmen übertragen, um der Masse an Uploads Herr zu werden.

Normalerweise schlagen die Algorithmen an, überlassen dann aber die Lösch-Entscheidung den Menschen. Im Fall des Christchurch-Videos kamen sie als automatische Löschfilter zum Einsatz. Dabei werden Dateien, auf die der im System hinterlegte digitale Fingerabdruck passt, erst gar nicht zum Upload zugelassen oder gelöscht. Doch dieses System arbeitet laut Youtube alles andere als perfekt. Laut dem Zeitungsbericht räumt Youtube ein, dass im Rahmen dieser Automatisierung nach dem Anschlag auch viele harmlose Videos fälschlicherweise gesperrt wurden.

Bilder: Terror trifft Neuseeland

Der mutmassliche Täter hat seinen Pflichtverteidiger von seinem Mandat als Anwalt entbunden. (16. März 2019)
Der mutmassliche Täter hat seinen Pflichtverteidiger von seinem Mandat als Anwalt entbunden. (16. März 2019)
Martin Hunter, Keystone
Neuseeland trauert: Gedenkstätte für die Opfer in Christchurch.
Neuseeland trauert: Gedenkstätte für die Opfer in Christchurch.
Anthony Wallace, AFP
Die Grossmutter des Täters hat sich zu Wort gemeldet. Sie ist fassungslos ob der Tat. (17. März 2019)
Die Grossmutter des Täters hat sich zu Wort gemeldet. Sie ist fassungslos ob der Tat. (17. März 2019)
Channel 9, Keystone
Der im Rollstuhl sitzende Farid Ahmad hat den Anschlag überlebt. Er soll nach eigenen Worten dem Attentäter verziehen haben. Ahmads Frau Husna ist eine der 50 Toten des Attentats.
Der im Rollstuhl sitzende Farid Ahmad hat den Anschlag überlebt. Er soll nach eigenen Worten dem Attentäter verziehen haben. Ahmads Frau Husna ist eine der 50 Toten des Attentats.
Mick Tsikas, Keystone
Die beiden Dorfpolizisten hatten den Attentäter von Christchurch 36 Minuten nach dem ersten Notruf festgenommen.
Die beiden Dorfpolizisten hatten den Attentäter von Christchurch 36 Minuten nach dem ersten Notruf festgenommen.
Twitter @ROBERT22051432, Reuters
Neuseelands Polizeichef Mike Bush sagte, er sei «ausserordentlich stolz» auf das Eingreifen der beiden Beamten.
Neuseelands Polizeichef Mike Bush sagte, er sei «ausserordentlich stolz» auf das Eingreifen der beiden Beamten.
Marty Melville, AFP
Tag der Trauer: Die Neuseeländische Flagge auf dem Parlamentsgebäude in Wellington weht auf Halbmast. (15. März 2019)
Tag der Trauer: Die Neuseeländische Flagge auf dem Parlamentsgebäude in Wellington weht auf Halbmast. (15. März 2019)
Marty Melville, AFP
Die Anteilnahme ist gross: Menschen haben Blumen und Kerzen vor der Masjid Moschee in Wellington gelegt. (15. März 2019)
Die Anteilnahme ist gross: Menschen haben Blumen und Kerzen vor der Masjid Moschee in Wellington gelegt. (15. März 2019)
Marty Melville, AFP
Eine kugelsichere Weste und Schutzausrüstung: Dieses Bild veröffentlichte der mutmassliche Täter am 12. März 2019 auf Twitter.
Eine kugelsichere Weste und Schutzausrüstung: Dieses Bild veröffentlichte der mutmassliche Täter am 12. März 2019 auf Twitter.
Twitter, Reuters
Auf den Waffenmagazinen hat der mutmassliche Angreifer Namen und Daten geschrieben: Auch seine Munition postete der mutmassliche Täter.
Auf den Waffenmagazinen hat der mutmassliche Angreifer Namen und Daten geschrieben: Auch seine Munition postete der mutmassliche Täter.
Twitter, Reuters
Tief betroffen: Anwohner von Christchurch versammeln sich vor einer Absperrung in der Nähe einer der angegriffenen Moscheen. (15. März 2019)
Tief betroffen: Anwohner von Christchurch versammeln sich vor einer Absperrung in der Nähe einer der angegriffenen Moscheen. (15. März 2019)
Tessa Burrows, AFP
Glauben vereint: Muslime beten nach ihrem Freitagsgebet auf den Strassen von Bangladesch für die Opfer der Attacken in Christchurch. (15. März 2019)
Glauben vereint: Muslime beten nach ihrem Freitagsgebet auf den Strassen von Bangladesch für die Opfer der Attacken in Christchurch. (15. März 2019)
Mohammad Ponir Hossain, Reuters
Kein Durchkommen mehr möglich: Ein bewaffneter Polizist sichert einen kleinen Park in der Nähe der Masjid al Noor Moschee. (15. März 2019)
Kein Durchkommen mehr möglich: Ein bewaffneter Polizist sichert einen kleinen Park in der Nähe der Masjid al Noor Moschee. (15. März 2019)
Tessa Burrows, AFP
Bei bewaffneten Angriffen auf zwei Moscheen in Christchurch sind nach Angaben der Regierung 40 Menschen getötet worden: Blutige Bandagen am Boden. (15. März 2019)
Bei bewaffneten Angriffen auf zwei Moscheen in Christchurch sind nach Angaben der Regierung 40 Menschen getötet worden: Blutige Bandagen am Boden. (15. März 2019)
Martin Hunter, Keystone
Aus Sorge vor weiteren Attacken riegelt die Polizei Schulen und andere öffentliche Gebäude ab. (15. März 2019)
Aus Sorge vor weiteren Attacken riegelt die Polizei Schulen und andere öffentliche Gebäude ab. (15. März 2019)
Mark Baker, AFP
Mehr als 20 Menschen sind nach Angaben der neuseeländischen Regierung schwer verletzt worden. Der genaue Ablauf der Attacke war auch nach Stunden noch unklar. (15. März 2019)
Mehr als 20 Menschen sind nach Angaben der neuseeländischen Regierung schwer verletzt worden. Der genaue Ablauf der Attacke war auch nach Stunden noch unklar. (15. März 2019)
Mark Baker/AP, Keystone
Der «Terroranschlag» sei «gut vorbereitet» gewesen, sagte Regierungschefin Jacinda Ardern. (15. März 2019)
Der «Terroranschlag» sei «gut vorbereitet» gewesen, sagte Regierungschefin Jacinda Ardern. (15. März 2019)
AFP
Weiter fand die Polizei an Autos zwei Sprengsätze. Diese wurden entschärft. (15. März 2019)
Weiter fand die Polizei an Autos zwei Sprengsätze. Diese wurden entschärft. (15. März 2019)
Mark Baker/AP, Keystone
Die Angriffe waren in der Masjid-al-Noor-Moschee im Stadtzentrum von Christchurch und in einer Moschee im Vorort Linwood verübt worden. Sie ereigneten sich während des Freitagsgebets. (15. März 2019)
Die Angriffe waren in der Masjid-al-Noor-Moschee im Stadtzentrum von Christchurch und in einer Moschee im Vorort Linwood verübt worden. Sie ereigneten sich während des Freitagsgebets. (15. März 2019)
Mark Baker/AP, Keystone
Eine der betroffenen Moscheen: Die Masjid-al-Noor-Moschee im Stadtzentrum von Christchurch. (15. März 2019)
Eine der betroffenen Moscheen: Die Masjid-al-Noor-Moschee im Stadtzentrum von Christchurch. (15. März 2019)
Martin Hunter, Keystone
Ein Augenzeuge sagte dem Sender Radio New Zealand, er habe Schüsse gehört und vier Menschen auf dem Boden liegen gesehen, mit «Blut überall». (15. März 2019)
Ein Augenzeuge sagte dem Sender Radio New Zealand, er habe Schüsse gehört und vier Menschen auf dem Boden liegen gesehen, mit «Blut überall». (15. März 2019)
Mark Baker/AP, Keystone
Die Polizei rief dazu auf, im Zentrum von Christchurch nicht auf die Strasse zu gehen und jedes verdächtige Verhalten zu melden. (15. März 2019)
Die Polizei rief dazu auf, im Zentrum von Christchurch nicht auf die Strasse zu gehen und jedes verdächtige Verhalten zu melden. (15. März 2019)
Mark Baker/AP, Keystone
Unklar war zunächst, wie viele Menschen sich zum Tatzeitpunkt in der Moschee aufhielten. Später berichteten örtliche Medien von rund 300 Gläubigen. (15. März 2019)
Unklar war zunächst, wie viele Menschen sich zum Tatzeitpunkt in der Moschee aufhielten. Später berichteten örtliche Medien von rund 300 Gläubigen. (15. März 2019)
Mark Baker/AP, Keystone
Die Angriffe lösten einen Grosseinsatz aus. Für den Pazifikstaat Neuseeland ist es eine der schlimmsten Gewalttaten der jüngeren Geschichte. (15. März 2019)
Die Angriffe lösten einen Grosseinsatz aus. Für den Pazifikstaat Neuseeland ist es eine der schlimmsten Gewalttaten der jüngeren Geschichte. (15. März 2019)
Mark Baker/AP, Keystone
In Neuseeland ist nur eine kleine Minderheit der Bevölkerung muslimischen Glaubens. Insgesamt gibt es dort etwa 50'000 Muslime, viele davon Einwanderer aus Staaten wie Pakistan oder Bangladesch. (15. März 2019)
In Neuseeland ist nur eine kleine Minderheit der Bevölkerung muslimischen Glaubens. Insgesamt gibt es dort etwa 50'000 Muslime, viele davon Einwanderer aus Staaten wie Pakistan oder Bangladesch. (15. März 2019)
Mark Baker/AP, Keystone
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