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Wikipedia-Gründer macht Verlegern Mut

Jimmy Wales sieht in kostenpflichtigen Apps und der Bezahlung von Kleinstbeträgen einen Hoffnungsschimmer für Medienhäuser. Büchern und Zeitungen prophezeit er noch eine lange Zukunft.

Buch statt E-Reader: Jimmy Wales liest Bücher lieber auf Papier.
Buch statt E-Reader: Jimmy Wales liest Bücher lieber auf Papier.
Keystone

Wikipedia-Gründer Jimmy Wales sieht Licht am Ende des Tunnels für die in der Krise steckenden Nachrichten-Medien. «Die steigende mobile Nutzung des Internets und von kostenpflichtigen Apps auf Smartphones oder anderen tragbaren Geräten könne genau das sein, worauf die Verleger gewartet hätten», sagte Wales im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP.

Gerade das Apps-Modell biete Zeitungen neue, interessante Möglichkeiten. Darüber hinaus könne auch das Micropayment, die Bezahlung von Kleinstbeträgen für einzelne Artikel, interessant werden. Einige Zeitungs- und Zeitschriftenverleger haben die elektronischen Lesegeräte, die E-Reader, schon als Möglichkeit entdeckt, Abonnements zu verkaufen. Andere testen die Verwendung von Micropayment-Systemen, bei denen der Leser für jeden Artikel bezahlt. Das Geld wird entweder von Prepaid-Guthaben abgezogen oder über die Mobilrechnung abgerechnet. Den Durchbruch schaffte dieses System bislang aber noch nicht.

Bezahlung muss einfach sein

Wales zeigte sich überzeugt, dass beiden Modelle funktionieren könnten, die Bezahlung müsse vor allem einfach sein. «Ich ziehe doch nicht immer meine Kreditkarte aus dem Portemonnaie. Das ist zu viel Aufwand, sagt Wales. «Aber wenn ich nur darauf klicken muss und eine Kleinigkeit dafür bezahle, damit ich bekomme, was ich will, dann ist das in Ordnung. Die Bereitschaft, für Smartphone-Apps zu zahlen, sei aber nicht unbedingt auf Inhalte auf Internet-Webseiten zu übertragen», schränkt Wales ein. Bei allem, was nicht so einfach sei wie eine Telefonrechnung, habe er Zweifel, ob es funktionieren könne.

Vorbild «Wall Street Journal»

Am erfolgreichsten mit dem Vorhaben, Geld für den Zugang zur Website zu verlangen, war bislang das «Wall Street Journal», das zu Rupert Murdochs News Corp gehört. Das Modell wurde erst kürzlich auf die Londoner «Times» ausgeweitet. Wie erfolgreich es dort ist, ist bislang nicht bekannt. Ganz optimistisch ist der Internet-Pionier, was die Zukunft des Buchs und der Zeitungen angeht. Sie würden länger überleben, als es die Schwarzseher erwarteten. Das Gedruckte sei eine faszinierende Technik, sagte Wales. «Es ist billig, leicht, wegwerfbar und man hat keine leeren Batterien. Er nehme lieber ein Buch mit an den Strand, ein elektronisches Lesegerät würde schnell vom Sand zerstört.

Wikipedia wird nicht kommerzialisiert

Während die traditionellen Medien noch versuchen, online Geld zu verdienen, ist Wales entschlossen, dass die von ihm ins Leben gerufene und äussert populäre Online-Enzyklopädie Wikipedia, offen und werbefrei bleibt. Wikipedia war im Mai nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Nielsen die Nummer 6 weltweit hinter Google, Yahoo, Microsoft, Facebook und Ebay. In Englisch gibt es dort inzwischen mehr als drei Millionen Einträge, weit mehr als bei jeder traditionellen Enzyklopädie. Das Vermögen von Wales ist nicht mit denen von anderen Internetpionieren wie den Gründern von Google, Amazon oder eBay vergleichbar. Das heisst aber nicht, dass er ein ideologischer Gegner einer gewinnorientierten Wirtschaft ist. Seine neueste Unternehmung, Wikia, finanziert sich über Werbung. Wikipedia aber sei zum Lernen da, sagt Wales. «Die brauchen wir nicht zu kommerzialisieren.»

dapd/Alessandra Rizzo und Dan Perry

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