Whatsapp ohne Big Brother

Verschlüsselte Messenger-Apps made in Switzerland sind nach der NSA-Abhöraffäre plötzlich gefragt. Ein Anbieter rüstet mit seiner Technik sogar die indonesische Armee aus.

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Anatol Heib@Anatol_Heib

Seit dem Prism-Skandal ist die Frage, wie gut die Kommunikation mit Smartphone-Messengern vor Dritten geschützt ist, wieder in den Fokus gerückt. Pirate-Bay-Mitgründer Peter Sunde kündigte jüngst an, er plane einen verschlüsselten Messenger für iPhone und Android. Sogar der umstrittene Megaupload-Gründer Kim Schmitz hat ähnliche Pläne. Und diese Sicherheits-Apps profitieren zusätzlich davon, dass bei Whatsapp und Co. immer wieder Sicherheitsbedenken geäussert werden.

Dabei gibts in den App Stores für iOS und Android seit längerer Zeit Messenger-Software, die den Austausch verschlüsselter Nachrichten ermöglicht. Darunter befinden sich auch zwei Schweizer Unternehmen mit Sitz in Zürich. Eines davon ist Kasper Systems, welches Anfang Jahr die kostenpflichtige App (Preis: 2 Franken) Threema für iPhone und Android lanciert hat. Der Messenger wurde seit der Lancierung circa 35'000-mal bzw. 7000-mal heruntergeladen.

Downloads merklich zugenommen

Und der Prism-Skandal zeigt bereits Wirkung. «Die Downloads von Threema sind in den letzten Wochen merklich gestiegen», sagt Manuel Kasper von Kasper Systems gegenüber berneroberlaender.ch/Newsnetz. Die Aufmachung erinnert an Whatsapp. Der Nutzer kann mit der Software Nachrichten, Bilder und Videos verschicken. Threema setzt auf die sogenannte End-to-End-Verschlüsselung: «Nachrichten werden über die gesamte Strecke zwischen Sender und Empfänger verschlüsselt», sagt Kasper. Daten sind beim Absender so codiert, dass sie nur der endgültige Empfänger, der als Einziger im Besitz des passenden privaten Schlüssels ist, wieder entschlüsseln kann. Die Server, über welche der Kommunikationsstrom läuft, stehen in der Schweiz. Die Smartphone-Kontakte werden laut Kapser Systems bei der Synchronisierung nicht gespeichert.

Die Frage nach der Privatsphäre

Das zweite Schweizer Unternehmen mit einer solchen Messenger-App ist Qnective mit Sitz in Zürich-Oerlikon. Man stelle generell eine vermehrte Nachfrage nach Sicherheitsdienstleistungen fest, sagt Qnective-Chef Oswald Ortiz. Das betreffe sowohl Behörden wie private Organisationen. Die Kompetenz der Firma liegt in erster Linie im Bereich der Smartphone-Sicherheitslösungen für Firmen. «Doch die weltweiten Abhörskandale führen auch dazu, dass sich auch immer mehr Konsumenten fragen, wie es denn um ihre Privatsphäre bei der mobilen Kommunikation steht», so Ortiz.

Seit März bietet Qnective sowohl Blackberry- als auch Android-Nutzern die kostenlose App My Enigma an, die soeben auch fürs iPhone erschienen ist. Nach einer Anmeldung kann man mit Kontakten, welche die App ebenfalls nutzen, Nachrichten, Bilder und Videos verschlüsselt austauschen. Zudem sind Gruppenchats für bis zu 30 Personen möglich. Auch diese App bietet eine End-to-End-Verschlüsselung, und die Server stehen in der Schweiz.

120'000 Smartphones für die indonesische Armee

Qnectives Dienste werden sogar von der indonesischen Armee in Anspruch genommen. Der Grossauftrag sieht vor, dass die Militärs bis zu 120'000 Smartphones mit der Technik ausstatten können, um ihre Handykommunikation abhörsicher zu machen. Es ist für das Unternehmen mit seinen knapp 40 Angestellten einer der wichtigsten Aufträge überhaupt.

Sowohl Threema wie auch My Enigma werden in Tests gut bewertet. Daneben buhlen auch viele ausländische Anbieter wie Hoccer und Surespot um die Gunst der Messenger-Nutzer. Die App Wickr bietet gar einen Selbstzerstörungsmechanismus an – nach dem Lesen wird die Nachricht nach einem zuvor definierten Zeitraum gelöscht. Alle diese Verschlüsselungslösungen haben ein Problem: Whatsapp und Co. sind etabliert und weitverbreitet. So muss man den Kollegenkreis zuerst einmal überzeugen, die App zu wechseln.

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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