Der neue Handy-Hype «Wizards Unite» kurz erklärt

Sie wollen mitreden können, wenn es um das neue Harry-Potter-Spiel geht. Hier 13 Fragen und Antworten für (noch) Nicht-Spieler.

  • loading indicator
Rafael Zeier@RafaelZeier

Was ist «Wizards Unite»?

Das ist ein neues Handy-Spiel für Androidund iOS, das gleichzeitig auf dem Display und in der realen Welt stattfindet. Das Spielfeld ist die tatsächliche Landkarte. Wer spielen will, kann nicht faul auf dem Sofa sitzen. Man muss raus, laufen und möglichst viele Orte in der eigenen Umgebung besuchen.

Also ein neues «Pokémon Go»?

Genau. Es stecken sogar dieselben Leute dahinter. Die Firma Niantic ist aus Google heraus entstanden und hat zuvor schon die ähnlichen Spiele «Pokémon Go» und «Ingress» lanciert. Auch diese nutzen die reale Landkarte als Spielfeld. Dieses Mal ist zusätzlich noch der Filmproduzent Warner Bros. dabei und bringt die Harry-Potter-Franchise mit.

Ist «Wizards» ein Google-Spiel?

2015 wurde Niantic mit Investments von Google, Nintendo und der Pokémon-Firma als eigenständige Firma neu gegründet. Seither sind verschiedene weitere Firmen als Investoren hinzugekommen. Darunter auch Samsung. Gleichzeitig hat Niantic verschiedene kleinere Firmen hinzugekauft, die sich mit Spielen, Augmented Reality und künstlicher Intelligenz auskennen.

Worum geht es denn beim Spiel?

«Wizards Unite» knüpft an die berühmten Bücher von J. K. Rowling an. Durch ein Missgeschick oder eine Bösartigkeit (so genau weiss man das noch nicht) wurde die Grenze zwischen Zauberwelt und realer Welt aufgehoben, und verschiedene Objekte aus der Zauberwelt sind in unsere gekommen. Ziel des Spiels ist es nun, solche Objekte zu finden und in die Zauberwelt zurückzuschicken, ehe die nicht magisch begabten Menschen Verdacht schöpfen.

Spielt man als Harry oder Hermine?

Nein. Man kann sich seinen eigenen Zaubernamen wählen und auch einen eigenen Zauberstab aussuchen. Aber ganz ohne die prominenten Jungzauberer muss man nicht auskommen. Harry arbeitet nun als Auror (eine Art Zauberpolizist) beim Zauberministerium und gibt einem während des Spiels immer wieder Tipps und bringt die Handlung voran. Auch sonst tauchen immer wieder Figuren und Gegenstände aus den Büchern und Filmen auf.

Was gibt es alles auf der Karte?

Man kann zum Beispiel virtuelle Wirtshäuser oder Festungen besuchen, die sich bei realen Sehenswürdigkeiten befinden. Dazu findet man immer wieder Gegenstände und auch Kräuter, die man für Zaubertränke verwenden kann. Dabei ist es entscheidend, dass man nicht an einer Stelle stehen bleibt, sondern umherläuft, um neue Orte und Gegenstände zu entdecken.

Macht es Spass?

Im Vergleich zu «Pokémon Go» dünkt mich (erst Level 5) «Wizards» aktuell eher schwerfällig und wie ein digitales Panini-Album. Der Schweizer Techblogger Kevin Kyburz (Level 19), der bereits an einem Buch zu «Wizards Unite» arbeitet, widerspricht. Je weiter man vorankommt, desto spannender wird es. Gerade der Team-Aspekt hat es ihm angetan: «Das Spannendste dürften die Festungen sein. Man muss dort taktisch vorgehen, um zusammen mit 5 Personen alle 20 Levels zu schaffen. Weiter kommen in näherer Zukunft Features dazu, die ebenfalls ein gutes Team benötigen.»

Ist das Spiel ein Akku-Fresser?

«Pokémon Go» war gerade zu Beginn wegen seines gewaltigen Stromhungers verpönt. Inzwischen ist die App besser geworden, und Spielerinnen und Spieler haben sich mit Zusatz-Akkus arrangiert. Inzwischen gelten Ladekabel und solche Akkupacks sogar als Erkennungszeichen unter «Pokémon»-Jägern. Auf dem eigenen Handy hat sich «Wizards» bereits einen der obersten Plätze in der Liste der stromhungrigen Apps gesichert. Das ist auch nicht überraschend. Gerade Augmented-Reality-Funktionen (das Platzieren von digitalen Objekten im Livebild der Kamera) sind äusserst anspruchsvoll für alle beteiligten Chips.

Ist «Wizards Unite» gratis?

Ja. Allerdings gibt es im Spiel einen Shop, in dem man sich allerhand unterstützende Gegenstände kaufen kann. Ähnlich wie bei «Pokémon Go» kommt man auch bei «Wizards Unite» gut voran, ohne Geld auszugeben. Dennoch dürfte der eine oder andere Frustmoment Spieler zum Griff ins Portemonnaie verleiten. Der Analysedienst Sensortower geht davon aus, dass mit dem Spiel am vergangenen Startwochenende bereits über eine Million Dollar eingenommen wurde. Die Analysten erwarten, dass mit dem Spiel in den ersten 30 Tagen über 10 Millionen eingenommen werden. Zum Vergleich: Mit «Pokémon Go» wurden in den ersten vier Tagen 28 Millionen eingenommen und das obwohl es zu Beginn nur in den USA, Australien und Neuseeland erhältlich war.

Was ist mit dem Datenschutz und der Sicherheit?

Da das Spiel auf eine Vielzahl von Sensoren (Kamera, GPS) und Daten angewiesen ist, dürften Datenschützer schon rein prinzipiell daran keine Freude haben. In der Praxis ist Unachtsamkeit im Strassenverkehr wohl das grössere Risiko. Dennoch sollte man sich bei der Installation solcher Spiele bewusst sein, dass eine Vielzahl an Daten gesammelt wird. Und wie immer empfiehlt es sich dringend, Kinder nicht unbegleitet damit spielen zu lassen.

Wird es wieder ein ähnlicher Hype wie bei «Pokémon Go»?

Das wird sich zeigen. Dass sich «Pokémon Go» auch drei Jahre nach dem fulminanten Start noch grosser Beliebtheit erfreut, hat viel mit Community-Events und den kontinuierlichen Updates und Verbesserungen zu tun. Wie es mit «Wizards Unite» weitergeht, wird sich auch erst zeigen, wenn die Starteuphorie verflogen ist. Da die App aktuell sehr langsam lädt, ist davon auszugehen, dass sie fleissig genutzt wird.

Warum konnte niemand an den Erfolg von «Pokémon» anknüpfen?

Das ist tatsächlich erstaunlich. Nach dem Grosserfolg hätten Kopien eigentlich wie Pilze aus dem Boden schiessen müssen. Abgesehen von einem lieblosen Ghostbusters-Spiel, schaffte es keines, auch nur annähernd an «Pokémon» anzuknüpfen. Spannend wird es nun diesen Sommer, wenn Microsoft das sehr beliebte Aufbau- und Experimentierspiel «Minecraft» mit «Minecraft Earth» in die reale Welt bringen wird. Erste Trailer und Vorführungen sehen vielversprechend aus. Allerdings darf man gespannt sein, ob das Spiel den hohen Erwartungen gerecht werden kann.

Was sind Alternativen, wenn man mit Harry Potter nichts anfangen kann? Oder Augmented Reality einfach mal schnell ausprobieren möchte?

Ein schönes Beispiel ist das Spiel «Arise» (iOS: gratis/1 Fr. / Android: 3 Fr.). Dabei geht es darum, durch Bewegen des Handys einen Ritter durch einen Parcours zu lotsen. Ein anderes schönes Beispiel ist die Urknall-App des Cern (gratis für Androidund iOS). Dort wird einem per Augmented Reality die Entstehung des Universums erklärt. Zusätzlich empfiehlt sich fürs iPhone die Schweizer Planetariums-App SolAR (gratis).

berneroberlaender.ch/Newsnetz

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt