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Diese Grösse! Diese Probleme!

Das neue Galaxy-Smartphone wird zweifellos ein Verkaufsschlager. Dennoch ist die Zukunft des südkoreanischen Ausnahmeunternehmens weniger rosig, als es auf den ersten Blick den Anschein macht.

Die Geburt der Galaxy-Reihe: Das 114 Gramm schwere Galaxy i7500 wurde im September 2009 vorgestellt.
Die Geburt der Galaxy-Reihe: Das 114 Gramm schwere Galaxy i7500 wurde im September 2009 vorgestellt.
Keystone
Im Frühsommer 2010 lancierte Samsung das erste Galaxy-Smartphone der S-Reihe (Kategorie High End). (8. Juni 2010)
Im Frühsommer 2010 lancierte Samsung das erste Galaxy-Smartphone der S-Reihe (Kategorie High End). (8. Juni 2010)
Truth Leem, Reuters
«Wir haben vor, es ab Ende April mit 327 Mobilfunkanbietern in 155 Ländern einzuführen», sagte der Leiter der Mobilfunksparte von Samsung, J. K. Shin, bei der Vorstellung des Geräts (rechts im Bild). «Für jeden von uns ist das Leben eine Reise», sagte Shin bei der Werbeshow. «Wir wollen ein Gerät, das uns auf dieser Reise begleitet, einen Begleiter, der uns hilft, das Leben in vollen Zügen zu erfahren.» (15. März 2013)
«Wir haben vor, es ab Ende April mit 327 Mobilfunkanbietern in 155 Ländern einzuführen», sagte der Leiter der Mobilfunksparte von Samsung, J. K. Shin, bei der Vorstellung des Geräts (rechts im Bild). «Für jeden von uns ist das Leben eine Reise», sagte Shin bei der Werbeshow. «Wir wollen ein Gerät, das uns auf dieser Reise begleitet, einen Begleiter, der uns hilft, das Leben in vollen Zügen zu erfahren.» (15. März 2013)
Adrees Latif, Reuters
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134 Milliarden Dollar Umsatz, 206'000 Mitarbeiter, 100 Millionen verkaufte Galaxy-S-Smartphones, Marktanteil von 29 Prozent und damit die Weltnummer 1: Samsung Electronics ist zweifelsohne der Mobile-Hersteller der Stunde. Das vor kurzem in New York vorgestellte Galaxy S4 wird die Erfolgsgeschichte der vor dreieinhalb Jahren vorgestellten «galaktischen» Modellreihe fortsetzen.

Doch kein Technikbereich ist einem schnelleren Wandel unterworfen als die Mobileindustrie. Eine Erfahrung, die Südkoreas Konkurrenten in den vergangenen Jahren und Monaten am eigenen Leib erfahren mussten. Das taiwanesische Unternehmen HTC etwa verkaufte noch vor zwei Jahren am meisten Android-Mobiles, heute sind sie weit abgeschlagen. Oder Apple: Obwohl der iPhone-Hersteller durchwegs gute Zahlen präsentieren kann, ist die Marktkapitalisierung des Unternehmens seit September 2012 um rund 150 Milliarden Dollar gefallen. Das Apple-Papier ist seit dem Allzeithoch im vergangenen Jahr um 40 Prozent eingebrochen.

Welche Entwicklungen sind es, die Samsung Sorgen bereiten? Redaktion Tamedia hat fünf Problemfelder ausgemacht.

1. Starke Währung

Wie die Schweiz hat auch Samsungs Heimatland ein Problem mit der Währung. Südkoreas Won ist teuer, was zur Folge hat, dass die Exporte verteuert werden – und Südkoreas Hauptexportsegment sind Technikprodukte (Smartphones, Fernseher etc.). Im vierten Quartal 2012 sank der Gewinn von Samsung im Vergleich zum Vorjahr wegen der starken Währung um umgerechnet 300 Millionen Franken. Für dieses Jahr rechnet der Konzern mit einem Rückgang des operativen Gewinns um umgerechnet fast 2,5 Milliarden Franken.

2. China und Japan

Ganz anders präsentiert sich die Lage der Konkurrenten in der Nachbarschaft. Japans Hightechunternehmen, darunter der mit dem Xperia Z auftrumpfende Konzern Sony, profitieren von der lockeren Geldpolitik der Zentralbank. In China wiederum, grösster Mobilemarkt der Welt, fluten einheimische Unternehmen wie ZTE und Huawei den Inlandmarkt mit relativ preiswerten und dennoch hochwertigen Smartphones. Allerdings verkauft (noch) kein anderer Hersteller im Reich der Mitte mehr Multimedia-Handys als Samsung: 2012 gingen in China 30 Millionen Samsung-Mobiles über den Ladentisch. Doch Apple wird den Markt mit einer Milliarde Kunden nicht kampflos aufgeben. Erst kürzlich traf sich Apple-Chef Tim Cook mit der Managementspitze von China Mobile. Der über eine unglaubliche Basis von 715 Millionen Nutzerinnen und Nutzer zählende Mobilfunkprovider will mit Milliardeninvestitionen in die LTE-Technologie (4G) mehr zahlungskräftige iPhone-Nutzer anlocken.

3. Apple-Bastion USA

Die Marketingabteilung des Galaxy-Produzenten setzte mit dem S4-Anlass in New York eine Duftmarke. Das Smartphone wurde in New Yorks altehrwürdiger Radio City Hall gezeigt, begleitet von einem Mega-Anlass auf dem New Yorker Times Square – «Seht her, wir erobern die Neue Welt», lautet die Botschaft. Die USA sind indes (noch) Apple-Land. Über ein Drittel der Amerikanerinnen und Amerikaner besitzt ein iPhone. Die jüngste Entwicklung zwischen New York und San Francisco ist gegenläufig zu derjenigen weltweit: Während Samsung seinen Weltmarktanteil im Smartphone-Segment kontinuierlich ausbaut, kann sich Apple in den USA sogar etwas von der Konkurrenz absetzen. Den neusten Erhebungen des Marktforschungsunternehmens Comscore zufolge konnte Cupertino von zwischen November 2012 und Januar 2013 gegenüber dem zurückliegenden Quartal den Marktanteil von 34,3 auf 37,8 Prozent steigern. Samsung liegt mit 21,4 Prozent deutlich zurück.

4. Der Patentstreit

Stichwort Apple und Samsung: Die Branchendominatoren bekämpfen sich nicht nur auf dem freien Markt, sondern auch vor Gericht. In mehreren Ländern laufen Verfahren um Patentverletzungen (siehe das Dossier hier). Zwischensieger ist – zumindest in den USA – Apple. Erst Ende Januar hat ein Gericht im kalifornischen San Jose die Verletzung von Apple-Patenten durch Samsung bestätigt. Und was, wenn das Galaxy S4 in den Zwist miteinbezogen wird? Ausgeschlossen ist dies nicht, wie die jüngste Entwicklung zeigt: Apple hat nur darum auf eine Klage wegen des Smartphones Galaxy S3 mini verzichtet, weil Samsung sich bereit erklärt hat, die iPhone-5-Konkurrenz gar nicht erst in den USA zu verkaufen.

5. Google

So paradox es klingen mag: Nicht nur Apple, auch Google sieht Samsung als Bedrohung. Das Unternehmen also, welches mit Android das Betriebssystem entwickelt hat, welches den Galaxy-Smartphones zum Durchbruch verholfen hat. Intern warne man bei Google, so das «Wall Street Journal», vor der südkoreanischen Dominanz. Der Suchmaschinenkonzern befürchtet offenbar, dass Samsung, welches 40 Prozent aller Android-Smartphones weltweit verkauft, seine Marktmacht ausnutzt, um künftig mit Google härter verhandeln respektive sich ein grösseres Stück von Googles Mobilewerbeumsatz-Kuchen abschneiden zu können. Eine Folge könnte sein, dass Google die Nexus-Reihe nicht mehr von Samsung, sondern vom hauseigenen Hersteller Motorola fertigen lässt. Der Galaxy-Konzern darf sich demnach nicht auf ein Weiterbestehen der mächtigen Partnerschaft verlassen. Dass er dies nicht tut, zeigt die Ankündigung, bereits im August oder September erste Smartphones mit dem hauseigenen Betriebssystem Tizen lancieren zu wollen. Die Kehrseite allerdings ist eine weitere Fragmentierung.

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