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Kinder in den Gefahren der digitalen Welt

Allzu strikte Limiten für die Unterhaltungszeit am Computer, im Internet, vor dem Fernseher und am Handy sind oft wenig zielführend. Als Faustregel gilt, dass es darauf ankommt, was ein Kind sonst noch unternimmt: ob es Freundschaften pflegt und regelmässig an die frische Luft geht. Die ZHAW gibt in einem nationalen Leitfaden aber Richtwerte an: «Kinder unter 3 Jahren gehören nicht vor den Fernseher», heisst es darin. Okay seien in diesem Alter ab und zu altersgerechte DVDs oder Filme, ebenso Spiele über Apps. Dabei brauche es allerdings die ständige Begleitung durch Erwachsene, weil Kleinkinder mit dem Gesehenen leicht überfordert sind. Drei- bis Neunjährige sollten nicht viel mehr als eine halbe Stunde pro Tag vor dem Bildschirm verbringen. Danach gelte bis etwa 12 Jahre ein Maximum von rund zehn Stunden pro Woche. Mehr Freiraum wird Teenagern zugestanden: «Problematisch für Jugendliche ist, wenn sie in der Freizeit pro Woche mehr als zwanzig Stunden surfen und gamen.» Falls die Kinder deutlich mehr Zeit vor dem Bildschirm verbringen, sollten die Eltern mit ihnen reden oder bei Experten wie etwa der Pro Juventute Unterstützung einholen.
«Der Einstieg ins Internet ist für Kinder erst ab 9 Jahren in Begleitung der Eltern geeignet», hält der nationale Leitfaden?«Medienkompetenz» fest. Die Pro Juventute rät, dass der Computer dabei in einem Familienraum, also zum Beispiel dem Wohnzimmer, steht. So sehen die Eltern, auf welchen Seiten ihr Kind herumsurft. Zwar gibt es verschiedene Internetfilter, doch diese bieten keinen absoluten Schutz. Unbeaufsichtigtes Surfen wird erst ab 12 Jahren empfohlen. Je nachdem können Eltern mit ihren Kindern einen Vertrag aushandeln, wie viel Zeit sie online verbringen. Wichtig sei dabei ein gewisses Vertrauen, sagt Laurent Sédano von der Pro Juventute. «Totale Kontrolle ist ohnehin nicht möglich.» Eltern sollten ihrem Kind zudem vermitteln, dass es jederzeit mit ihnen reden kann, auch wenn es sich vielleicht nicht an die Regeln gehalten und sich pornografische Bilder angesehen hat.
Wenn ein Kind sich wiederholt nicht an die vereinbarten Regeln hält, dann sind Sanktionen angemessen. Laurent Sédano von der Pro Juventute rät jedoch davon ab, allzu radikal durchzugreifen. «Ein völliges Bildschirmverbot führt oft nur zu einem Machtkampf und ist nicht zielführend.» Eltern sollten Videos und Computer generell nicht als Belohnung oder Bestrafung einsetzen, denn dies mache sie nur noch attraktiver. Schliesslich kann es helfen, wenn auch Mutter und Vater ihre eigene Mediennutzung hinterfragen. «Eine Mutter erzählte mir verzweifelt, dass ihre Tochter täglich drei Stunden vor dem Computer verbringe», sagt Sédano. Als er sie gefragt habe, was sie denn in dieser Zeit mache, habe  sie geantwortet: «Fernsehen.»
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