Was das neue Fairphone 3 kann – und was nicht

Die dritte Generation des nachhaltigen Smartphones verspricht zahlreiche Verbesserungen.

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Rafael Zeier@RafaelZeier

Heute wurde in Berlin das Fairphone 3 vorgestellt. Wie die ganz Grossen der Smartphone-Branche hat sich auch die kleine holländische Firma hinter dem Fairphone für eine Präsentation noch vor dem Herbstbeginn (und damit ideal fürs Weihnachtsgeschäft) entschieden. Samsung hat schon vorgelegt, und Apple wird voraussichtlich in der zweiten Septemberwoche nachziehen.

Anders als bei den Marktführern stehen auch beim dritten Fairphone nicht technische Superlative im Vordergrund. Die Firma mit ihren aktuell rund 70 Mitarbeitern hat es sich zum Ziel gesetzt, Fairness rund um die Smartphoneherstellung zum Thema zu machen, als gutes Beispiel voranzugehen und so die ganze Industrie zu verändern.

Rezyklierbar und bessere Arbeitsbedingungen

Besonderes Augenmerk legen die Holländer denn auch auf Rezyklierbarkeit, nachhaltigen Abbau von Metallen und bessere Arbeitsbedingungen für Mineure und Montagearbeiter.

Um dabei auch wirklich die ganze Industrie beeinflussen zu können, braucht es Grösse. So will das Unternehmen mit dem neusten Handy weiter wachsen. Vom ersten Modell seien rund 60'000 Stück verkauft worden, vom zweiten schon 110'000. Verglichen mit den Millionen von Handys, die die Grossen der Branche verkaufen, ist das freilich erst ein Tropfen auf den heissen Stein.

Und das Handy?

Bei allen guten Absichten dahinter muss am Ende aber auch das Handy selbst überzeugen. Was nützt das nachhaltigste Smartphone, wenn man schon nach kurzer Zeit mit der Kamera oder dem Tempo unzufrieden ist und doch wieder ein neues kauft.

Da kommt dem Fairphone das aktuelle Technologieplateau zu Hilfe. Grosse Leistungssprünge sind in den letzten Jahren rar geworden. So können auch Hersteller ohne grosse Forschungsabteilung gute bis sehr gute Smartphones zu tiefen Preisen anbieten.

Modular und erweiterbar

Zudem setzt die Firma auf ein modulares Konzept. Schon beim Fairphone 2 konnte man zum Beispiel die Kamera gegen eine bessere austauschen. Dieses modulare Konzept dient aber in erster Linie der Reparatur und nicht der Verbesserung. Man kann sich für das Fairphone 3 wieder alle möglichen Ersatzteile vom Bildschirm (90 Euro) über die Kamera (50 Euro), den Lautsprecher (20 Euro) bis zum Akku (30 Euro) kaufen.

Optional verspricht die Firma auch Kabel-Kopfhörer bei denen man das Kabel ersetzen könne, sollte es mal kaputtgehen. Wer schon einmal einen ansonsten tadellosen Kopfhörer entsorgen musste, nur weil das Kabel gerissen war, wird das zu schätzen wissen.

Andererseits ist das in Zeiten von kabellosen Kopfhörern in vielen Fällen gar kein Problem mehr. Und das zeigt auch das Hauptproblem des Fairphone. Die Firma verspricht zwar, es biete alles, was man von einem aktuellen Smartphone erwarten könne, und es würde selbst fortgeschrittene Anwender glücklich machen.

Mittel- bis unterklassige Komponenten

Wie gut und flink das Fairphone 3 (520 Franken) heute schon läuft und was die Kamera taugt, wird ein ausführlicher Test zu einem späteren Zeitpunkt zeigen müssen.

Aber gerade dem Versprechen, dass man das Handy auch in fünf Jahren noch verwenden können soll, stehen die mittel- bis unterklassigen Komponenten im Weg. Der Prozessor etwa stammt von 2018 und findet sich aktuell in Billig-Handys für 200 Franken wieder. Ob und wie gut der von künftigen Apps und Android-Versionen noch unterstützt wird, ist offen.

Gerade wenn man sieht, dass im Alltag immer noch bald zehnjährige iPhone 4 im Einsatz sind und dass es für das weniger alte Fairphone 1 bereits kein Zubehör mehr gibt, wird deutlich, dass die Firma noch einen steilen Weg vor sich hat – so löblich der Ansatz auch ist.

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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