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Das Relikt aus der C64-Ära

Pixelheld für einen Tag: Im Animationsfilm «Ralph reichts» steckt ein Computerspiel-Schurke in der Sinnkrise.

Das junge Publikum wird sich an flotten Sprüchen und den plastischen 3-D-Bildern erfreuen: «Ralph reichts» ist der mittlerweile 52. abendfüllende Trickfilm aus dem Hause Disney.
Das junge Publikum wird sich an flotten Sprüchen und den plastischen 3-D-Bildern erfreuen: «Ralph reichts» ist der mittlerweile 52. abendfüllende Trickfilm aus dem Hause Disney.

Seit 30 Jahren ist es stets der gleiche Ablauf: Ralph versucht als Bösewicht eines Spielautomatenklassikers ein Hochhaus zu zertrümmern, und der kleine Felix flickt es wieder zusammen. Felix ist am Ende des Tages der strahlende Held. Ralph hingegen wird gemieden und muss auf einer Müllkippe hausen.

Doch damit soll nun Schluss sein. Der bärenstarke Schurke möchte auch endlich als Held gefeiert werden – wenigstens für einen Tag. Ralph bricht daher aus seinem Automaten aus und versucht in anderen Computerspielen sein Glück.

«Ralph reichts» ist der mittlerweile 52. abendfüllende Trickfilm aus dem Hause Disney. Zugleich ist der Streifen ein geschickter Schachzug, um in der Vorweihnachtszeit ein möglichst breites Publikum mit einer schrillen Geschichte anzusprechen. Das junge Publikum wird sich an flotten Sprüchen und den plastischen 3-D-Bildern erfreuen.

Für ältere Computerspieler gibt es jede Menge Nostalgie. Die frustrierte Titelfigur stammt immerhin aus einem Konsolenspiel, das nicht von ungefähr an Klassiker wie «Donkey Kong» erinnert. Ralph ist das Relikt aus einer Zeit, in der die Heimcomputer noch C64 hiessen und alles etwas pixeliger und zweidimensionaler anmutete.

Gute alte Computerspielzeit

Der Kinofilm knüpft an diese veraltete Optik trotz modernster 3-D-Animationstechnik vorzüglich an. Ralph und seine Kollegen bewegen sich bisweilen etwas ruckelig, während es bei den Figuren aus moderneren Spielen wesentlich detaillierter und flüssiger zur Sache geht.

Das gilt vor allem für eine Sequenz, in der sich Ralph in einem «Call of Duty»-Klon wiederfindet, wo er in einem apokalyptischen Zukunftsszenario gegen ausserirdische Invasoren kämpfen muss. Die antiquierte Konsolenfigur weiss in diesem Augenblick kaum, wie ihr geschieht. So viel Stress und Hektik ist Ralph nicht gewohnt.

Aber keine Sorge, das kriegerische Kapitel hält sich in Grenzen und ist in erster Linie eine bewusste Reizüberflutung. Den Grossteil des Films versucht Ralph vielmehr, in einem Autorennspiel, einer Art Zuckerwatteversion von «Mario Kart», zum Helden des Tages zu werden.

Dort trifft er unter anderem auf die rotzfreche Göre Vanellope, mit der er sich trotz ihres vorlauten Mundwerks anfreundet. Der Film verwandelt sich dabei fast unmerklich in einen klassischen Disney-Weihnachtsfilm, in dem Themen wie Freundschaft, Mut und Loyalität im Vordergrund stehen. Unmerklich ist die Verwandlung auch deshalb, da die Dialoge zwischen Ralph und Vanellope alles andere als angestaubt wirken. Mit sehr viel Ironie und Zynismus nehmen sich der Kraftprotz und das niedliche Mädchen gegenseitig hoch.

Mit den Stimmen von Christian Ulmen und Anna Fischer

«Ralph reichts» ist ein gleichermassen sympathischer wie turbulenter Animationsfilm, in dem die Hauptrollen von Christian Ulmen und Anna Fischer gesprochen werden. Darüber hinaus gibt es auf der Leinwand kurze Wiedersehen mit «Pacman» und den legendären Pong-Strichmännchen. Wie erwähnt: Der Film ist ein wahres Fest für Computerspiel-Nostalgiker.

«Ralph reichts», Trickfilm, USA 2012, 102 Minuten, FSK: 0, Verleih: Disney, Regie: Rich Moore, Stimmen: Christian Ulmen, Anna Fischer u.a.

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