Die neue Leica SL2 schon ausprobiert

Der Traditionskonzern hat eine neue Kamera vorgestellt. Hier der erste Eindruck.

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Rafael Zeier@RafaelZeier

Teure Profikameras zu testen, rächt sich immer wieder. Als ich vor ein paar Jahren die Sony A9 für eine Woche ausgeborgthatte, war ich danach schrecklich verzogen. Dieses Tempo! Diese Zuverlässigkeit! Der Preis von fast 6000 Franken holte einen dann aber schnell in die Realität zurück.

Noch schlimmer ist es jeweils, wenn ich neue Leica-Kameras ausprobiere. Jedes Mal staune ich, wie gut die Farben sind und wie elegant die Bedienung ist. Als sich die Möglichkeit bot, eine noch nicht offiziell angekündigte Leica-Kamera für ein paar Tage vorab zu testen, konnte ich nicht widerstehen.

Es handelte sich um die heute offiziell vorgestellte SL2 (6000 Euro, ohne Objektiv). Anders als Leicas andere aufs Nötigste reduzierte Kameras bietet die SL2 (wie schon ihre Vorgängerin) alles, was Profi-, ja sogar Sportfotografen gefällt. Rasantes Tempo, schneller Autofokus und ein Bildschirm sowohl auf der Rückseite wie auf der Oberseite. Einzig einen Klappspiegel hat sie nicht. Wie bei Leica (und immer mehr Herstellern) üblich, verzichtet die SL2 auf einen Spiegel und gehört somit in die Kategorie der spiegellosen Systemkameras.

Achtung, schwer!

Nimmt man die SL2 aus der Verpackung, erschrickt man erst einmal. Läck, ist die schwer! 835 Gramm sind ein stolzes Gewicht. Zumal der Akku noch nicht drin ist und auch noch kein Objektiv montiert ist.

Habe ich die SL2 in meiner Woche mit der Kamera einmal jemandem in die Hand gegeben, dann immer mit der Warnung «Achtung, schwer!». Angst muss man um die Kamera aber keine haben. Das Gehäuse ist aus Magnesium und Aluminium. Entsprechend robust wirkt die SL2.

Elegante Bedienung

Was sofort auffällt, sind die wenigen und unbeschrifteten Knöpfe. Das sieht nicht nur deutlich schöner aus als bei der Konkurrenz aus Asien, es hat auch den Vorteil, dass man die Knöpfe nach Lust und Laune neu belegen kann und sich nicht wundern muss, dass der gross mit ISO angeschriebene Knopf nun den Autofokus ausschaltet.

Insgesamt gefiel im Test das Bedienkonzept der SL2 mit wenigen Knöpfen und einem Touchscreen sehr gut. Nimmt man die Kamera in die Hand, findet man sich auch als Leica-Neuling sofort zurecht.

Deutlich bequemer wird es freilich, wenn man sich die Zeit nimmt, die wenigen Knöpfe mit den Funktionen zu belegen, die man am meisten braucht. Einzig beim Fokus-Joystick machte ich mir hin und wieder etwas Sorgen, ob der vielleicht ein Schwachpunkt ist. Wirkte er doch, verglichen mit der restlichen Kamera, ziemlich filigran.

Hochauflösende Verlockung

Einmal mehr ertappte ich mich auch dabei, dass mir die enorm hohe (47 Megapixel) Auflösung besser gefiel, als sie das eigentlich sollte. Prinzipiell reichen 12 oder 24 Megapixel völlig. Aber die Möglichkeit, auf dem iPad nochmal etwas weiter in ein Foto zu zoomen, begeistert mich immer wieder aufs Neue.

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Ein sehr nützliches Detail ist die mit 1/40'000 s enorm schnelle elektrische Verschlusszeit. Damit kann man die sehr lichtstarken Leica-Objektive bedenkenlos und ohne Filter auch bei hellem Sonnenlicht nutzen.

Erster Eindruck: Die Leica SL2 wird einerseits Leica-Profis und -Fans Freude bereiten. Aber sie dürfte auch gutbetuchte Spiegelreflex-Fans in Versuchung führen, die sich bisher nicht für die spiegellosen Angebote von Canon, Sony oder Nikon begeistern konnten.

Haben Sie Fragen zur neuen Leica oder zu Kameras im Allgemeinen – unser Autor beantwortet sie gerne auf Twitterund Telegram:

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